Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

LUFTFAHRT: Petrodollars halten Air Berlin in der Luft

Noch vor wenigen Tagen kreiste über Air Berlin der Pleitegeier. Nun ist von Insolvenz keine Rede mehr. Die Fluggesellschaft will 2018 aus der Verlustzone fliegen.
Christoph Reichmuth, Berlin

Deutschlands zweitgrösste Fluggesellschaft hat turbulente Zeiten hinter sich. Verspätungen, Flugausfälle, verärgerte Kundschaft, auch in der Schweiz: Gerüchte über eine baldige Insolvenz oder einen Verkauf der Hauptstadt-Airline machten die Runde. Bei der Aktionärsversammlung letzten Mittwoch in London (Air Berlin firmiert juristisch als britisches Unternehmen) wurden sämtliche Szenarien, welche das Ende der Air Berlin voraussagen, zurückgewiesen. «Eine Insolvenz ist kein Thema für uns», verkündete die Chefetage den Aktionären.

Unternehmenschef Thomas Winkelmann betonte, die Probleme der letzten Zeit gehörten endgültig der Vergangenheit an: «Air Berlin ist wieder eine sichere, pünktliche und zuverlässige Fluggesellschaft.» Die Pünktlichkeit liege seit Anfang Juni bei 80%. Das Unternehmen wolle im nächsten Jahr die Verlustzone verlassen. Die Unternehmensführung war in London darum bemüht, der bei Anlegern, Kunden und Angestellten zuletzt aufgekommenen Nervosität entgegenzuwirken. Doch auch nach der Hauptversammlung sind die Bedenken nicht verflogen.

Finanzspritzen von Etihad verhindern den Bankrott

Die Airline schreibt – mit Ausnahme des Jahres 2012 – jährlich hohe Verluste, allein 2016 beliefen sich diese auf mehr als 780 Mio. €. Gesamthaft hat das Unternehmen weit über eine Mrd. € Schulden. Ohne die Finanzspritzen des arabischen Grossaktionärs Etihad wäre die Airline mit ihren etwa 8000 Mitarbeitern längst verkauft oder pleite. Vor allem aber die letzte Woche publik gewordene Anfrage von Air Berlin bei den Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Berlin auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages nährte Gerüchte, wonach Air Berlin in den letzten Zügen liege. Airline-Chef Winkelmann betonte nun in London, die Fluglinie wolle mit diesem Schritt lediglich prüfen, ob die Landesregierungen grundsätzlich überhaupt gewillt seien, der Airline Kreditsicherheit durch Bürgschaft zu gewähren. Die Anfrage stehe nicht im Zusammenhang mit einer drohenden Pleite, die Liquiditätslage sei gesichert. «Wir wollen keine Steuergelder, wir wollen nicht verstaatlicht werden», so Winkelmann. Politiker verschiedener Parteien hatten die Anfrage der Airline bereits kritisiert.

Obschon die Air Berlin laut dem Management dank der bis Oktober 2018 gewährten Unterstützung von Grossaktionär Etihad gesichert in die mittelfristige Zukunft gehen könne, bleibt offen, ob der Name Air Berlin tatsächlich bestehen bleiben wird. Etihad hat sich von der Partnerschaft mit Air Berlin mehr erhofft. Sie muss die Hauptstadt-Airline mit jährlichen Finanzspritzen in der Luft halten. Was nach Oktober 2018 sein wird, ist daher unklar, ein Verkauf der Air Berlin gilt laut Experten aber als wahrscheinlich. Lufthansa-Chef Carsten Sport hat Interesse an einer Übernahme bereits geäussert. Erst aber müsse Etihad die Schulden der Air Berlin tilgen. Durch eine Übernahme könnte Lufthansa die Air-Berlin-Flotte in den eigenen Billigflieger Eurowings integrieren. Lufthansa behielte attraktive Landerechte und könnte sich so gegen Billigflieger wappnen.

Falsche Strategie hat die Airline zerrieben

Die Ursache für die heutigen Probleme sieht der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg in einer falschen Strategie. Die Airline habe sowohl im Langstreckensegment als auch bei den Billigfliegern mitmischen wollen. Das, verbunden mit einem aggressiven Expansionskurs, habe die Airline zerrieben.

Christoph Reichmuth, Berlin

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.