Raucher müssen ausstempeln: Luft für rauchende Beamte wird dünner

Im Tessin dürfen Kantonsangestellte nicht mehr während der Arbeitszeit eine Zigarette rauchen gehen. Andere Kantone kennen die Regel längst

Gerhard Lob, Bellinzona
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Umstritten: Die Rauchpause während der Arbeitszeit.

Umstritten: Die Rauchpause während der Arbeitszeit.

Nique Nager

Das Personalamt der Tessiner Kantonsverwaltung hat soeben veranlasst, dass Angestellte ausstempeln müssen, wenn sie ausserhalb der beiden regulären Pausen am Vor- und Nachmittag ihren Nikotinbedarf stillen wollen.

Die Regelung ist vor allem aus ordnungspolitischen Gründen ergriffen worden. In einer parlamentarischen Anfrage hatte Lega-Grossrat Fabio Badasci angeregt, die «Ungerechtigkeit» zwischen rauchenden und nichtrauchenden Kantonsangestellten zu regeln. Schliesslich würden Raucher regelmässig Pausen machen, also weniger arbeiten als ihre nichtrauchenden Kollegen.

Dazu kam: Die Grüppchen von Rauchern vor den Hauptgebäuden der Kantonsverwaltung in Bellinzona war dem Image des öffentlichen Dienstes nicht gerade förderlich.

Nun die Wende. Laut der neuen Verordnung müssen qualmende Kantonsbeamte die 15-minütigen Pausen am Vor- und Nachmittag nutzen. Für weitere Rauchpausen muss – wie etwa bei einem Arztbesuch – mit einem eigenen Code ausgestempelt werden, da Präsenzpflicht am Arbeitsplatz herrscht.

Die Kantonsbeamten müssen sich fürs Rauchen physisch von den Gebäuden entfernen; die Aschenbecher vor den Eingängen wurden abmontiert. Vorläufig gilt dies für zwei Hauptgebäude.

Die Massnahme findet offenbar Akzeptanz. «Proteste gab es bisher keine», sagt Raoul Ghisletta, Kantonalsekretär des Verbands des Personals der öffentlichen Dienste.

Was im Aargau, in Luzern, und St. Gallen gilt

Im Prinzip hat der Kanton Tessin eine Regelung übernommen, die auch schon in anderen Kantonen angewendet wird, wie eine Umfrage dieser Zeitung ergibt. In der Aargauer Verwaltung gelten Rauchpausen als «Arbeitsunterbrechung privater Natur und damit als Nichtarbeitszeit, sofern sie ausserhalb der betriebsüblichen Pausen - höchstens 15 Minuten pro Halbtag - stattfinden». Für Rauchen ausserhalb der betriebsüblichen Pausen müssten die Mitarbeitenden somit eine entsprechende Eintragung in der Zeiterfassung mittels Ausstempelns vornehmen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Luzerner Verwaltung haben gemäss Arbeitsgesetz ebenfalls Anspruch auf zweimal 15 Minuten bezahlte Pause. «Zusätzliche Pausen sind möglich, sofern es die Arbeit erlaubt, müssen aber ausgestempelt werden», heisst es beim Kanton Luzern.

Im Kanton Bern besteht ein Anspruch auf eine bezahlte Pause von je 15 Minuten während des Vormittags und des Nachmittags. Raucherinnen und Raucher können die Pausen dort allerdings auch «stückeln» - zum Beispiel 6 x 5 Minuten. «Wird jedoch fürs Rauchen mehr Zeit als die total 30 Minuten benötigt, so gilt dies nicht als Arbeitszeit, das heisst es muss ausgestempelt werden», heisst es bei der Finanzdirektion.

Beim Kanton Zürich müssen Mitarbeitende ebenfalls ausserhalb der üblichen Pausen ausstempeln. Doch in Zürich gibt es auch spezielle Raucherräume im Inneren der Verwaltungsgebäude. Die Zürcher Finanzdirektion hält deshalb fest: «Solange die Rauchpausen das zugelassene Mass nicht überschreiten, müssen die Betreffenden bei uns nicht ausstempeln.»

Im Kanton St. Gallen geht man davon aus, dass die bezahlten Pausen am Vor- und Nachmittag auch fürs Rauchen verwendet werden. In Bezug auf die Erfassung weiterer Rauchpausen «sehen wir keinen Regelungsbedarf und zählen auf die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden und der Führungskräfte».

Mailand will Rauchen im Umfeld von Bushaltestellen verbieten

Die mit akuter Luftverschmutzung konfrontierte norditalienische Stadt Mailand bekämpft aktiv das Rauchen. So will Bürgermeister Giuseppe Sala Tabakkonsum im Umfeld von Bus- und Tramhaltestelle sowie an Orten verbieten, wo Menschen im Freien Schlange stehen.