Luana Génot

Jürg Ackermann
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In der Welt von Luana Génot dreht sich vieles um Zahlen. Und die sprechen für sich. Während dunkelhäutige Menschen 54% der brasilianischen Bevölkerung ausmachen, sind sie in Wirtschaft und Politik massiv untervertreten. In Führungsgremien kommen sie auf weniger als 5%. Génot weiss, dass es in einem Land mit derartigen Ungleichheiten wie Brasilien lange braucht, bis sich etwas ändert – und doch will sie für Wandel kämpfen. Das 28-jährige ehemalige Model leitet heute ein Institut in Rio de Janeiro, das sich für Chancengleichheit einsetzt. Die Brasilianerin ist zum ersten Mal am Symposium. Ihren Steh-Lunch vor der Aula nimmt sie mit einer Teilnehmerin aus Palästina ein, die im Gaza-Streifen Studenten aus benachteiligten Bevölkerungsschichten unterstützt. «Allein schon wegen der Begegnung mit ihr hat sich die weite Reise nach St. Gallen gelohnt», sagt Luana Génot. «Auch wenn wir ihn zwei verschiedenen Welten leben – die Probleme und die Lösungsansätze sind sich ähnlich.»

Schon ein paar Jahre älter als Génot ist Klaus W. Wellershoff. Der ehemalige Chefökonom der UBS und heutige Leiter einer eigenen Beratungsfirma ist zum achten Mal am Symposium. Und auch nach dem ersten Tag beschleiche ihn schon wieder das typische Symposiums-Gefühl: «Hier geht was!». Auch wenn Konjunkturdaten nach unten zeigen, auch wenn die Politik mit Trump und Brexit vor Umwälzungen steht, auch wenn die Gräben in der Gesellschaft grösser werden. «Es ist für mich jedes Mal eine Inspiration, den jungen Teilnehmern zuzuhören», sagt Wellershoff. Wer sich als Unternehmer von ihnen nicht herausfordern lasse, wer seine Ideen nicht hinterfrage und nur auf Verteidigen des Besitzstandes aus sei, der habe schon verloren.

In Begeisterung gerät auch der St. Galler Anwalt Patrick Stach. Der typische HSG-Spirit sei während der zwei Tage überall zu spüren. «Die Leute sprudeln vor Ideen, der Unternehmergeist ist mit Händen greifbar.» Stach hat während der ganzen Woche eine junge Studentin aus New York – a young leader of tomorrow – bei sich beherbergt. «Ich bin ein Netzwerker – dieser Anlass ist wie geschaffen dafür», sagt Stach, für den das Symposium jeweils auch ein Flashback in die Studentenzeit ist, «weil man hier viele ehemalige Studienkollegen trifft».

Seit vielen Jahren am Symposium ist auch Ruth Metzler. Die ehemalige Bundesrätin, jetzige Unternehmerin und Mitglied des St. Galler Universitätsrats, spricht vom Anlass in höchsten Tönen. «Fantastisch, was für Begegnungen hier möglich sind und welche Querverbindungen zwischen Wirtschaft und Politik geschaffen werden.» Die Kritik, das Symposium sei ein geschlossener Anlass, an dem es vor allem um die eigene Geldvermehrung gehe, lässt sie nicht gelten. «Ich verstehe, dass von aussen dieser Eindruck entstehen kann. Aber jeder, der schon mal teilgenommen hat, weiss, dass es nicht so ist.»

Jürg Ackermann