Lonza schluckt Kapselfirma Capsugel

Der Spezialchemiekonzern Lonza kauft das amerikanische Unternehmen für 5,5 Milliarden Dollar. Es ist der grösste Erwerb in der Firmengeschichte.

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Capsugel produziert Kapseln für 4000 Firmenkunden. (Bild: PD)

Capsugel produziert Kapseln für 4000 Firmenkunden. (Bild: PD)

200 Milliarden Kapseln zur Verabreichung von Medikamenten hat Capsugel vergangenes Jahr hergestellt. Nun übernimmt die Basler Lonza von der Beteiligungsgesellschaft KKR das US-Unternehmen. Lonza erhofft sich durch die Akquisition schnelleres Wachstum dank eines breiteren Angebots für die Kunden von der Pharma- bis zur Lebensmittelbranche. Gemeinsam könne man besser auf Kundenbedürfnisse für integrierte wertschöpfende Lösungen reagieren, sagte Lonza-Chef Richard Ridinger gestern. Zusammen werde man doppelt so gross wie die nächsten Konkurrenten und sei breiter aufgestellt. Mit Einwänden seitens der Behörden rechnet Ridinger laut eigenen Angaben nicht.

Aus Sicht Lonzas ist besonders wertvoll, dass man mit Capsugel den Umsatzanteil im Segment Healthcare Continuum von 57% auf 66% ausbauen kann. Dabei geht es um ein integriertes System an Produkten und Leistungen für die Gesundheit von Patienten über eine gewisse Periode, im Extremfall von der Wiege bis zur Bahre. Lonza versucht seit längerem, das Geschäft mit Kunden aus der Pharma- und Biotechbranche durch Zukäufe auszubauen. Der Healthcare-Markt sei attraktiv, weil er relativ konjunkturresistent sei, hält Ridinger fest. Das zweite Geschäftsfeld Lonzas sind Spezialinhaltsstoffe auf der Basis industrieller Chemieprodukte wie Desinfektions- und Konservierungsmittel oder Holzschutzprodukte.

Capsugel ergänzt laut Lonza die eigene Produktion von Wirkstoffen für Arzneimittelfirmen ideal. Die Firmenkulturen passen laut Ridinger ausgezeichnet zusammen. Zudem habe Capsugel keinerlei Restrukturierungsbedarf; alles laufe gut. Im Kaufpreis inbegriffen ist die Refinanzierung bestehender Schulden Capsugels von 2 Mrd. $. Capusgel hat 4000 Firmenkunden in 100 Ländern.

Arbeitsplätze werden verloren gehen

Addiert kommen die Unternehmen auf einen Umsatz von 4,8 Mrd. Fr. und ein Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) von gut 1,1 Mrd. Franken. Die Übernahme soll im 2. Quartal 2017 abgeschlossen werden. Lonza rechnet mit Synergien, die ab dem fünften Jahr 100 Mio. Fr. erreichen wollen, dies vor allem dank Cross-Selling-Effekten, also dank Verkäufen von Produkten einer Firma auch an Kunden der anderen und umgekehrt. Die opera­tiven Synergien werden indes Arbeitsplätze kosten. Zahlen nannte Ridinger nicht, er sagte aber, es werde nicht mehr als die «üblichen Doppelspurigkeiten» betreffen. Lonza hat 9800 Angestellte, Capsugel 3600. Von den 2800 Lonza-Vollstellen in der Schweiz sind 2400 in Visp.

Lonza erwartet, dass sich die Übernahme ab 2018 positiv auf den Gewinn auswirkt. Zur Finanzierung wird das Kapital um bis zu 3,3 Mrd. Fr. erhöht. Händler beurteilten den Kaufpreis von 5,5 Mrd. $ als hoch. Die Börse reagierte zunächst ungnädig; die Lonza-Aktie verlor gestern Vormittag bis zu 9,2% und schloss 4,6% im Minus. (sda/red)