Londoner City lässt die Korken knallen

Die führenden britischen Banken schreiben wieder Milliardengewinne. Doch das nicht zur Freude aller.

Drucken

London. In der Londoner City knallen wieder die Champagnerkorken: Drei Jahre, nachdem mit der Beinahepleite von Northern Rock das britische Wirtschafts- und Finanzwunder ein Ende fand, schreiben alle Grossbanken des Landes wieder Gewinne. Den Anfang des Jubelreigens machte gestern die HSBC: Mit einem Semestergewinn von umgerechnet 11,7 Mrd. Fr. übertraf die grösste Bank Europas sogar die optimistischsten Voraussagen der Analysten.

Pleitegeier ist abgeflogen

Ähnlich glänzende Zahlen werden diese Woche von allen andern Banken erwartet. Für Barclays, wie HSBC ohne Staatshilfe durch die Krise gekommen, rechnen Analysten mit mindestens 5,7 Mrd. Franken. Aber auch die vom Steuerzahler geretteten Banken schreiben wieder schwarze Zahlen: Northern Rock, Lloyds und RBS dürften kumulierte Gewinne von bis zu 2,5 Mrd. Fr. ausweisen.

Besonders dramatisch ist die Wende bei Lloyds. Nachdem die Regierung im Herbst 2008 den Zusammenschluss der gesunden Lloyds Bank mit der vor der Pleite stehenden HSOB erzwungen und 41% an der neuen Gruppe übernommen hatte, galt es Milliardenverluste abzubauen. Nun wird ein Semestergewinn von mindestens 1,6 Mrd. Fr. erwartet. Ebenfalls erfolgreich läuft die Sanierung der RBS, die 2008 mit 39 Mrd. Fr.

den grössten Verlust in der britischen Firmengeschichte schrieb und die heute zu 83% dem Staat gehört.

Boni wie in alten Zeiten

Die Rückkehr der Banken in die Gewinnzone wird in London mit Zurückhaltung begrüsst. Der Ruf der Banken wird wohl schwerer zu sanieren sein als die Bilanzen. Zudem bleibt die Konjunktur fragil.

Gleichzeitig verstärkt die Regierung den Druck auf die Banken, mehr Kredite an die Wirtschaft zu vergeben – dies nicht zuletzt aufgrund erster Anzeichen auf üppige Boni für Bankmanager. (G.R.)