London sieht «Verschwörung»

Der britische Pferdefleischskandal scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein. Möglicherweise hat gar eine internationale Fleischmafia ihre Finger im Spiel.

Lisa Elscher
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LONDON. Erst waren es nur britische Supermärkte. Doch inzwischen ist klar, dass der Pferdefleischskandal über Grossbritannien hinausreicht. Auch in Frankreich und Schweden wurden mit Pferdefleisch versetzte Produkte aus dem Verkauf genommen. Der britische Umweltminister Owen Paterson spricht inzwischen von einer «internationalen Verschwörung». Gleichzeitig pochen er und die Behörden darauf, dass es die Verantwortung der Detailhändler sei, ihre Produkte regelmässig zu untersuchen. Obwohl Paterson kriminelle Aktivitäten hinter dem Skandal vermutet, wies er auch darauf hin, dass es bisher eine Frage falscher Etikettierung sei, da Pferdefleisch keine Gesundheitsrisiken bärge. Britische Konsumentenschützer und Politiker sind da anderer Auffassung. Sie fordern ein Importverbot für europäische Rindfleischprodukte. Doch gemäss EU-Recht muss Grossbritannien europäisches Rindfleisch weiter importieren, solange es für den menschlichen Verzehr ungefährlich ist.

Keine Entzündungshemmer

Die Befürchtung der britischen Lebensmittelbehörde, dass in den verfälschten Rindfleischprodukten Spuren des Entzündungshemmers Phenylbutazon vorhanden sein könnten, konnte bisher nicht bestätigt werden. Das Medikament ist nur in grossen Mengen schädlich für den Menschen.

Hinter dem Skandal scheint eine gut geölte Organisation zu stehen. Nachdem Anfang Jahr nur Lieferanten und Produktionsstätten in Irland, Polen und Frankreich in den Skandal verwickelt zu sein schienen, deckten französische Ermittler am Wochenende eine neue Route auf.

Verschlungene Wege

Demnach soll das mit Pferdefleisch versetzte Rindfleisch seinen Ursprung in Rumänien haben. Von dort wurde es via Händler in Zypern und ein Subunternehmen in Holland an eine Fabrik in Südfrankreich gebracht. Dort verkaufte man das Fleisch an die französische Comigel in Luxemburg, wo es zu Tiefkühlgerichten verarbeitet und an Supermärkte in 16 Ländern verkauft wurde.

Experten der Pferdeschlachtindustrie nannten im «Observer» anonym eine andere Theorie: Sie vermuten Mafiagruppen in Polen und Italien. Diese hätten Tierärzte und Schlächter gezwungen, mit billigerem Schweine- und Pferdefleisch versetztes Rindfleisch als reine Ware auszuzeichnen.