London brüskiert Island

Mit Hilfe von Antiterrorgesetzen hat Grossbritannien Gelder bei der isländischen Landsbanki eingefroren. Reykjavik spricht von einem «unfreundlichen Akt».

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London/Reykjavik. Der Kollaps des isländischen Bankensystems belastet die britisch-isländischen Beziehungen. Der britische Premier Gordon Brown nannte es «völlig inakzeptabel und illegal», dass Island Garantien für britische Anleger bei isländischen Banken verweigert. Dadurch sind die Finanzen zahlreicher Kommunalverwaltungen in Grossbritannien gefährdet, die fast 1 Mrd. £ (2 Mrd. Fr.) investiert haben. Grossbritannien nahm Antiterrorgesetze zu Hilfe, um Einlagen der insolventen Landsbanki einzufrieren.

Islands Regierungschef Geir Haarde verurteilte dies als «unfreundlichen Akt». Eine Delegation des britischen Finanzministeriums weilte gestern in Reykjavik. Bei den Verhandlungen geht es offensichtlich um raschen Zugang zu den Konten jener Kommunalverwaltungen, deren Liquidität in Gefahr zu geraten droht. Laut dem Kommunalen Zweckverband LGA haben über 100 Grafschaften und Kommunalbehörden, das Londoner Verkehrsamt und Scotland Yard teils zweistellige Millionenbeträge auf isländischen Bankkonten angelegt.

Die britische Regierung hat für die Einlagen privater Sparer in isländischen Banken eine Garantie abgegeben, lehnt dies aber für die Kommunalverwaltungen ab. Offensichtlich will London Zeit gewinnen und auf Reykjavik mehr Druck ausüben. Die Taktik könnte freilich gefährliche Folgen haben, warnt Tony Travers von der London School of Economics. Um weiteren Verlusten vorzubeugen, könnten die Kommunalverwaltungen ihre Konten bei britischen Banken auflösen und Staatspapiere erwerben. «Das würde die betroffene Bank schwer unter Druck setzen», sagt Travers. (sbo)

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