Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LOKOMOTIVEN: Südafrikanischer Korruptionsskandal erreicht Stadler-Tochter

Eine Tochterfirma in Spanien bringt Stadler Rail in die Schlagzeilen. Das Werk in Valencia hat - noch vor der Übernahme durch Stadler - Lokomotiven nach Südafrika verkauft. Nun gibt es Hinweise auf fragwürdige Zahlungen.
Stadler hat das beschuldigte Unternehmen auf den 1. Januar 2016 hin gekauft. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Stadler hat das beschuldigte Unternehmen auf den 1. Januar 2016 hin gekauft. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Es ist der mutmasslich grösste Schmiergeldskandal der südafrikanischen Geschichte: Beim Verkauf von 70 Lokomotiven von Vossloh España an die Leasingfirma Swifambo und von dort an die südafrikanische Staatsbahn Prasa sollen Bestechungsgelder geflossen sein. Nun bringt der "Tages Anzeiger" auch den Bussnanger Eisenbahn-Bauer Stadler Rail in Zusammenhang mit dem Skandal. Vossloh España baut die Lokomotiven für Südafrika seit 2013, 2016 wurde das Werk von Stadler übernommen. So soll Stadler denn auch nicht selber bestochen haben. Allerdings soll sich das Unternehmen bei der Aufklärung der Affäre mit unzureichenden Auskünften und nicht offengelegten Geldflüssen nicht gerade hilfsbereit gezeigt haben, schreibt der "Tages Anzeiger".

Geld für Kumpel des Bahndirektors

Von den Schmiergeldzahlungen sollen die Regierungspartei ANC sowie Günstlinge des Staatspräsidenten Jacob Zuma profitiert haben. Der Zwischenhändler Swifambo war erst wenige Monate vor Vertragsabschluss gegründet worden und hätte laut einem südafrikanischen Gericht wegen fehlender Referenzen gar nicht an der Ausschreibung teilnehmen dürfen, wie der "Tages Anzeiger" schreibt. Aus dem Deal seien umgerechnet 6,3 Millionen Franken an einen Anwalt der Regierungspartei sowie eine Freundin Zumas geflossen.

"Der laufende Rechtsfall in Südafrika spielt sich ausschliesslich zwischen Prasa und Swifambo ab. Stadler ist weder Partei noch Gegenstand in diesem Verfahren und war es zu keinem Zeitpunkt", hält das Unternehmen in einer Stellungnahme fest.

Der "Tages Anzeiger" führt aber weitere Informationen zu verdächtigen Geldflüssen ins Feld. Von Vossloh España seien in vier Zahlungen umgerechnet 5,9 Millionen Franken für "Managementberatung" sowie "Bautechnik und technischer Service" an eine weitere südafrikanische Firma geflossen, wie eine Untersuchungsbehörde des Finanzamts herausgefunden habe. Der Inhaber der Firma: Ein ehemaliger hoher Staatsbeamter und guter Freund des Bahndirektors, der zudem hinter der oben genannten Leasingfirma stehen soll.

Letzte Zahlung kurz vor der Übernahme

Die letzte Zahlung fand im Oktober 2015, kurz vor dem Verkauf von Vossloh España an Stadler, statt. In der ersten Medienmitteilung zur Übernahme im November 2015 wurde rückwirkend der 1. Juli 2015 als Termin angegeben, später wurde das Datum auf den 1. Januar 2016 verschoben. Stadler bestätigt gegenüber dem "Tages Anzeiger" eine umfangreiche Risikoprüfung, das laufende Verfahren in Südafrika sei bekannt gewesen. "Für mögliches Fehlverhalten von Vossloh vor dem
Verkauf am 1. Januar 2016, wofür es gegenwärtig keine Anhaltspunkte gibt, würde Vossloh vollumfänglich haften", schreibt Stadler in seiner Stellungnahme. Von Zahlungen über knapp sechs Millionen Franken von Vossloh España nach Südafrika habe Stadler keine Kenntnis.

Loks aus dem Verkehr gezogen

Die 13 neuen Lokomotiven wurden in Südafrika derweil wieder aus dem Verkehr gezogen. Man gehe davon aus, dass die "momentane Stilllegung" in Zusammenhang mit dem Verfahren stehe, erklärt Stadler gegenüber dem "Tages Anzeiger". Die Loks seien von der zuständigen Behörde abgenommen und zugelassen worden und hätten sich bereits im regulären Einsatz befunden, schreibt Stadler.

Ein südafrikanischer Journalist, der mit dem "Tages Anzeiger" zusammenarbeitet, nennt aber einen anderen Grund: Die Loks seien zu hoch. Er führt ein Urteil der Eisenbahn-Sicherheitsbehörde sowie Tests des Bahnbetreibers an. Diese Enthüllung brachte den Korruptionskandal 2015 ins Rollen. In dessen Verlauf wurde der Vertrag zwischen der südafrikanischen Staatsbahn und der Leasingfirma von einem Gericht annulliert, um die Rückzahlung des Kaufpreises werde noch gestritten.

Zwölf weitere fertiggestellte Lokomotiven stehen derzeit im Werk von Vossloh España in Valencia. Die südafrikanische Staatsbahn wolle von den ursprünglich vereinbarten 70 Lokomotiven für 273 Millionen Franken keine weiteren mehr übernehmen. Dass die ursprüngliche Bestellmenge nach unten korrigiert werde, sei das einzige Risiko für Stadler, heisst es vom Thurgauer Unternehmen. Und die Kosten für Entwicklung und Bau der Lokomotiven seien durch Anzahlungen bereits vollumfänglich gedeckt. (red.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.