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Lohngleichheit zwischen Frau und Mann: Das tun Zentralschweizer Unternehmen

Bei grossen regionalen Arbeitgebern wie Schindler, Migros Luzern oder der Luzerner Kantonalbank herrscht praktisch Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern. Offizielle Zahlen des Bundes lassen aber einen anderen Schluss zu. Was dahintersteckt.
Maurizio Minetti
Auf gleicher Stufe: Frauen und Männer sollten gleich viel verdienen, darüber sind sich Zentralschweizer Firmen einig. (Bild: Schindler Press Picture)

Auf gleicher Stufe: Frauen und Männer sollten gleich viel verdienen, darüber sind sich Zentralschweizer Firmen einig. (Bild: Schindler Press Picture)

Die Prozentzahl bringt Gewerkschafterinnen und Gleichstellungsbeauftragte in Wallung: 7,7 Prozent. So hoch ist in der Schweiz der sogenannte unerklärbare Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Das heisst: Bei vergleichbaren, beobachtbaren Merkmalen verdienen Frauen hierzulande im Schnitt 7,7 Prozent weniger als Männer. In Luzern liegt dieser Wert bei 8 Prozent, wie aktuelle Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen.

Hier herrscht Lohngleichheit

Eine Umfrage unter den grössten Zentralschweizer Unternehmen zeigt aber, dass dieser Wert immer unterschritten wird. Die Luzerner Kantonalbank überprüft die Lohndifferenz jedes Jahr in Zusammenarbeit mit dem hauseigenen Personalverein. «Aktuell beträgt der Salärunterschied bei der LUKB zwischen Männern und Frauen nach Berücksichtigung der Faktoren Ausbildung, Berufserfahrung und Anforderungsniveau wie in den Vorjahren weniger als 1 Prozent», sagt eine LUKB-Sprecherin.

Die LUKB hatte 2014 den sogenannten Lohngleichheitsdialog des Bundes als erste Bank der Schweiz abgeschlossen. Heute heisst die Initiative «Engagement Lohngleichheit». Diese toleriert einen Unterschied von maximal 5 Prozent. Neben der LUKB machen hier aus der Zentralschweiz auch die Arbeitgeber Roche in Rotkreuz, Siemens in Zug, Suva in Luzern, Schindler in Ebikon sowie die Pädagogische Hochschule Luzern mit.

Bei der Zuger Kantonalbank liegt die Lohndifferenz «deutlich unter dem tolerierten Unterschied von 5 Prozent», wie eine Sprecherin sagt. Das gleiche gilt zum Beispiel für die Obwaldner Kantonalbank. Bei Siemens sind es weniger als 3 Prozent. Bei der Suva gibt es eine Lohnungleichheit zuungunsten der Frauen von 2 Prozent. Schindler spricht gar von einer Differenz von 0,01 Prozent. Lohngleichheit herrscht unter anderem auch bei der Migros Luzern, den Pilatus Flugzeugwerken, Komax oder der Nidwaldner Kantonalbank: «Da wir Lohnbänder auf Funktionsstufe haben, existieren keine Unterschiede», sagt ein Sprecher der Bank.

Viele weitere Firmen äussern sich ähnlich und sie können ihre Aussagen mit externen Zertifikaten belegen, etwa von der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS). Dieses Zertifikat trägt auch die von Philomena Colatrella geleitete Krankenkasse CSS. «Im Rekrutierungsverfahren sowie in der laufenden Anstellung hat das Geschlecht keinen Einfluss aufs Lohnangebot», sagt eine CSS-Sprecherin.

Tatsächliche Berufserfahrung wird nicht gemessen

Während die Statistik also eine unerklärbare Lohndifferenz von rund 8 Prozent aufweist, scheinen die Werte in der Praxis viel tiefer. Wie kann das sein? Die Antwort darauf hat mit der Art und Weise zu tun, wie das Bundesamt für Statistik die Zahlen erhebt. So hat jüngst eine Studie der Universität St. Gallen gezeigt, dass die tatsächliche Berufserfahrung bei der Berechnung des Bundes zu wenig berücksichtigt wird.

Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, ärgert sich schon lange über die Messmethode des Bundes. Er macht ein Beispiel: «Die Firma XY will eine/n Physiker/in anstellen. Zur Diskussion stehen einerseits ein 45-jähriger Physiker, welcher seit 15 Jahren berufstätig ist, andererseits eine 50-jährige Physikerin, welche den Wiedereinstieg nach 15 Jahren Pause plant. Wem würden Sie wohl den höheren Lohn zahlen? Nach den Kriterien des Bundes müsste die Frau den höheren Lohn bekommen, weil Lebensalter und Dienstjahre als «Berufserfahrung» gelten. Erwerbsunterbrüche werden nicht berücksichtigt. In der Realität würden wohl die 15 Jahre Arbeitserfahrung höher gewichtet und dem Mann ein höherer Lohn bezahlt. Mit der Folge, dass sich der Arbeitgeber der Lohndiskriminierung schuldig machen würde.»

Howald glaubt, dass die «gewollte Lohndiskriminierung» zwischen Männern und Frauen «wohl gegen Null tendiert», wenn alle relevanten Aspekte und insbesondere die Berufserfahrung richtig gewichtet würden.

Dass die tatsächliche Berufserfahrung nicht erhoben wird, erklärt das Bundesamt für Statistik so: «Gründe hierfür sind die Schwierigkeiten bei der einheitlichen Definition der tatsächlichen Berufserfahrung und die damit verbundene Schwierigkeit bei der Erhebung der notwendigen Informationen sowie der Mehraufwand für die einzelnen Unternehmen, die befragt werden», sagt ein Sprecher auf Anfrage. Es müssten nämlich zum Beispiel nicht nur die Anzahl und Länge der Karriereunterbrüche, sondern auch das jeweilige Arbeitspensum über die gesamte bisherige Berufstätigkeit hinweg bekannt sein. «Diese Informationen müssten insbesondere auch bei früheren Arbeitgebern abgefragt werden. Für die Unternehmen wäre die Erhebung daher mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden», heisst es aus Bern.

Für Howald ist abschliessend klar, dass Handlungsbedarf besteht, was die beruflichen Möglichkeiten von Frauen und Männern betrifft; so zum Beispiel bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder bei der Verfügbarkeit von Kindertagesstätten. Diesbezüglich ist zum Beispiel der Pharmakonzern Roche vorbildlich: An dem von Annette Luther geführten Standort in Rotkreuz betreibt das Unternehmen eine eigene Kita und einen eigenen Kindergarten.

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