Interview
Logistikexperte Wolfgang Stölzle: «Dann wechsle ich mit dem 40-Tönner auf die Strasse»

Eine Studie der Universität St. Gallen zeigt, dass der Onlinehandel klimatechnisch nicht so schlecht abschneidet wie sein Ruf. Wolfgang Stölzle, Logistikexperte der Universität St.Gallen, erklärt warum.

Ines Biedenkapp
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Wolfgang Stölzle, Institut für Supply Chain Management.

Wolfgang Stölzle, Institut für Supply Chain Management.

Bild: PD

Sind Sie als Logistiker auch Lastwagenchauffeur?

Wolfgang Stölzle: Ja tatsächlich. Den Führerausweis habe ich ganz klassisch bei der deutschen Bundeswehr während der Wehrdienstzeit erworben und behalten. Der ist mittlerweile auch in der Schweiz gültig. Wenn es also mit dem Professor nichts mehr wird, dann wechsle ich mit dem 40-Tönner auf die Strasse.

Wie klimaschonend ist der Onlinehandel?

Eine generelle Aussage kann man nicht machen. Es kommt sehr stark darauf an, wie und wo der Konsument einkauft und ob er die Einkäufe bündelt. Wenn man beispielsweise in einer Stadt wohnt und den Einkauf im stationären Handel gezielt bündelt, mit dem öffentlichen Verkehr, Velo oder zu Fuss erledigen kann, ist das grundsätzlich klimafreundlicher als sich jedes Produkt einzeln per Paket zuschicken zu lassen.

Und auf dem Land?

Auf dem Land fallen die Wege zum stationären Handel länger aus. Und wenn man für jedes Produkt einzeln in die Filiale fährt, weil man das Einkaufserlebnis schätzt, dann belastet ein solches Einkaufsverhalten stark das Klima. Da kommt es also auf das Einkaufsverhalten eines jeden Einzelnen an. Wichtig ist, dass jeder Konsument einen starken Einfluss darauf hat, wie klimafreundlich er seinen Einkauf gestaltet.

Fällt damit nicht die Wertschätzung für regionale Produkte weg?

In der Schweiz gelten regionale Produkte als besonders attraktiv. Aus der Schweiz, für die Schweiz. Da sind die Lieferketten von vornherein viel kürzer, insbesondere von den Produzenten bis zum Handel. Es muss also nicht nur der Konsument, sondern auch der Händler und der Produzent Verantwortung übernehmen.

Wann haben Sie das letzte Mal online eingekauft?

Das war tatsächlich letzte Woche, Sportbekleidung. Dabei versuche ich aber immer meine Einkäufe zu bündeln und nicht einfach jedes Produkt spontan einzeln zu bestellen.