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Loblieder auf den Kapitalismus am
St.Gallen Symposium – und eine Warnung vor dem wirtschaftlich erfolgreichen China

Niall Ferguson ist der wohl bekannteste Historiker der Gegenwart. Der konservative Brite warnte zum Auftakt des St.Gallen Symposiums vor einer «Wiederauferstehung des Sozialismus.»
Jürg Ackermann
Historiker Niall Ferguson bei seinem Auftritt heute Morgen in St. Gallen. Bild: Ralph Ribi

Historiker Niall Ferguson bei seinem Auftritt heute Morgen in St. Gallen.
Bild: Ralph Ribi

Meist sind es grosse Worte, die am St.Gallen Symposium fallen. Es werden Träume formuliert, Visionen in die Welt gesetzt oder politische Plädoyers gehalten. Das entspricht dem Selbstverständnis des Anlasses.

Die besten Talente rund um den Globus, die sich bereits jetzt als die «Leader von morgen» sehen, treffen auf die Entscheidungsträger von heute und fordern sie heraus. In der Vision von Lord Griffiths of Fforestfach, dem Ehrenvorsitzenden des Symposiums, geht es um nichts weniger als um Lösungen für die grossen Probleme des Erdballs.

Geht es nach Niall Ferguson ist eines dieser Probleme schnell eruiert: Das Gespenst des Sozialismus. Der Historiker, der in Kalifornien lebt und an der renommierten Stanford-Uni unterrichtet, ist ein rastloser Forscher.

Mit einer hohen Kadenz hat der vierfache Familienvater in den letzten Jahren Bücher zu den beiden Weltkriegen, zur Geschichte des Geldes und zu geopolitischen Fragen publiziert. Kaum ein Historiker reist so viel wie er. Keiner hält so viele Vorträge an so vielen verschiedenen Orten auf der Welt, ist ein derart gefragter Mann.

St. Gallen Symposium an der HSG St. Gallen, im Bild Peter Wuffli. (Bilder: Ralph Ribi)St. Gallen Symposium an der HSG St. Gallen, im Bild Peter Wuffli. (Bilder: Ralph Ribi)
Ruth Metzler, ehemalige Bundesrätin. Ruth Metzler, ehemalige Bundesrätin.
Panel «On capital and purpose». Von links: Christian Mumenthaler Swiss Re , Audrey Choi Morgan Stanley , Prof. Colin Mayer Universtity of Oxford Panel «On capital and purpose». Von links: Christian Mumenthaler Swiss Re , Audrey Choi Morgan Stanley , Prof. Colin Mayer Universtity of Oxford
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Symposium St.Gallen

«Bernie Sanders hat gute Chancen»

Das hat auch mit seiner klaren politischen Ausrichtung zu tun. Schon als Student habe er Margaret Thatcher, die Grossbritannien in den 1980er Jahren nach marktwirtschaftlichen Prinzipien umpflügte, bewundert, sagte Ferguson bei seinem rhetorisch brillanten Vortrag am Symposium.

Es mache ihm deshalb Sorgen, wenn er sehe, dass bei jungen Amerikanern der Sozialismus derzeit beliebter sei als der Kapitalismus. Obwohl die wenigsten «die blutige Geschichte des Kommunismus» kannten. Obwohl die wenigsten wüssten, dass die sozialdemokratischen Parteien sich in den meisten Ländern in Europa nicht ohne Grund im Niedergang befänden.

Für Ferguson ist klar, dass der am linken Flügel der Demokraten politisierende Bernie Sanders ernsthafte Chancen hat, nächstes Jahr als Herausforderer von Donald Trump ins Präsidenten-Rennen zu steigen.

«Die Freiheit des Einzelnen, der Schutz des Eigentums sind zentral. Wir dürfen das auf keinen Fall aufs Spiel setzen.»

Jede Demokratie müsse selber aushandeln, wie viel der Staat vom eingenommenen Geld wieder verteilen solle, sagte Ferguson. Am Schluss würden aber die Länder am erfolgreichsten sein, die mit tiefen Steuern für Unternehmen und Personen dem Einzelnen die grösstmöglichen Entfaltungsmöglichkeiten liessen.

Der Historiker warnte deshalb auch davor, dem wirtschaftlich erfolgreichen China nachzueifern. Das kommunistische Regime unterdrücke Minderheiten, betreibe politische Internierungslager und sei alles andere als ein Vorbild.

«Linke Historiker sind mit ihren Thesen über die Sowjetunion grandios gescheitert»: Historiker Niall Ferguson. Bild: Ralph Ribi

«Linke Historiker sind mit ihren Thesen über die Sowjetunion grandios gescheitert»: Historiker Niall Ferguson. Bild: Ralph Ribi

Ferguson machte sich in seinem Vortrag auch über Historiker lustig, die während des Kalten Krieges prophezeit hatten, die Sowjetunion würden die USA eines Tages wirtschaftlich überflügeln. «Sie sind mit ihren Thesen grandios gescheitert und stossen im linken Milieu akademischer Kreise trotzdem auch heute noch auf Bewunderer.»

Thesen setzt jedoch auch Ferguson selber gerne in die Welt. So sagte der Historiker vor drei Jahren in Interviews, Europa werde an der Frage der Migration zerbrechen. Die «massive Völkerwanderung aus dem Süden» habe das Projekt der europäischen Einigung bereits überschwemmt. Davon ist im Moment wenig zu sehen.

Die Ungleichheit der Chancen als Problem

Die Migration spielt am diesjährigen Symposium jedoch höchstens am Rande eine Rolle. Unter dem Titel «Capital for Purpose» sollen Lösungsansätze gegen das kurzfristige Profitdenken entwickelt werden. Bereits in seinem Eingangsvotum hatte Dominic Barton, der Co-Ehrenvorsitzende des Symposiums, jedoch klar gemacht, dass diese «einzig über den Kapitalismus führten. Er ist Garant für Innovation und Entwicklung».

Natürlich gehe es auch darum, den nach der Finanzkrise 2008 entstandenen Vertrauensverlust wieder herzustellen. Dass der Kapitalismus zu unterschiedlichen Einkommen und Vermögen führe, sei Teil des Systems. Am meisten Sorgen mache ihm jedoch die Ungleichheit der Chancen. «Daran müssen wir arbeiten», sagte Barton, der bis zum letzten Jahr Geschäftsführer des weltweit tätigen Unternehmensberaters McKinsey war.

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