Lindt steigert Gewinn und setzt
auf «zuckerfreie» Produkte

Der Zürcher Traditionskonzern Lindt&Sprüngli lanciert Schokolade ohne Zuckerzusatz. Doch sogar der CEO scheint am Erfolg zu zweifeln.

Benjamin Weinmann
Drucken
Teilen
Dieter Weisskopf, CEO von Lindt und Sprüngli an der Bilanz - Medienkonferenz in Kilchberg. (Bild: Walter Bieri)

Dieter Weisskopf, CEO von Lindt und Sprüngli an der Bilanz - Medienkonferenz in Kilchberg. (Bild: Walter Bieri)

Kann denn Schoggi Sünde sein? Für viele Kunden schon – das glaubt zumindest Lindt. Denn der Schokoladekonzern mit Sitz in Kilchberg am Zürichsee verkauft neuerdings vegane Schokolade ohne Zuckerzusatz. Vorerst sind die Tafeln in wenigen europäischen Ländern wie Italien oder Spanien erhältlich. Weitere Länder sollen aber bald folgen, darunter auch die Schweiz. «Ohne Zuckerzusatz» heisst aber: Die 100-Gramm-Tafeln haben sehr wohl Zucker. Die Vollmilch-Variante zum Beispiel 9 Gramm, und die zartbittere 1 Gramm. Laut Lindt-Chef Dieter Weisskopf seien die darin enthaltenen Ballaststoffe bereits zuckerhaltig. Zudem verrät die Verpackung, dass auch das Süssungsmittel Maltit verwendet wird.

Profitabilität gesteigert

Bei Lindt & Sprüngli ist auch 2018 der Gewinn schneller gewachsen als der Umsatz. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte um 6,9 Prozent auf 636,7 Millionen Franken. Das sind 14,8 Prozent des Umsatzes, womit sich die Marge gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozentpunkte verbesserte. 2018 hatte das Unternehmen 4,31 Milliarden Franken umgesetzt, ein organisches Plus von 5,1 Prozent. Erneut lief es schleppend in den USA. Trotzdem hat der Schokoladenkonzern weitere Anteile am weltweiten Schokoladengeschäft ergattert. Den Aktionären will Lindt den Jahresabschluss mit einer Dividende von 100 Franken pro Partizipationsschein und 1000 Franken pro Namenaktie versüssen. Das sind 7,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem führt Lindt sein Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu einer halben Milliarde Franken fort.

Der britische Marktforscher Ameco prognostizierte kürzlich, das Geschäft mit zuckerfreier Schokolade dürfte bis 2025 insgesamt 6,6 Milliarden Dollar generieren. Was nach viel klingt, ist in Realität auch künftig eine Nische. Denn allein über den Detailhandel wird heute Schokolade im Wert von 92 Milliarden Dollar verkauft. Hinzu kommen die Umsätze der Industrieschokolade, zum Beispiel für Kuchen-Couverturen in Confiserien oder «heisse Schoggis» in Cafés.

Lindt muss auf aktuelle Trends setzen

Tatsächlich klang Lindt-Chef Weisskopf beim Thema zuckerfreie Schokolade nicht euphorisch, als er an der diesjährigen Bilanzmedienkonferenz darüber sprach. Wie gross die Umsätze mit «gesunder» Schokolade in Zukunft werden? Darauf habe er ehrlich gesagt keine Antwort, so Weisskopf. Generell esse man Lindt-Produkte natürlich, um sich etwas zu gönnen. Mit den neuen Tafeln könnten aber auch Kunden Schokolade essen, die wenig Zucker konsumieren wollen. Das Thema Gesundheit sei nun mal im Trend. Der langjährige Lindt-Manager Weisskopf, der seit 2016 im CEO-Amt ist als Nachfolger von Lindt-Präsident Ernst Tanner, weist zudem darauf hin, dass die Alternativprodukte anders als die zuckerhaltigen Originale schmecken. «Es ist das Beste, was wir machen konnten.»

In den USA verkauft Lindt unter der Marke der 2014 teuer zugekauften Firma Russell Stover bereits seit längerem zuckerfreie Schokolade, seit 2017 auch solche mit dem Süssungsmittel Stevia, das unter anderem beim grünen «Cola Life» zur Anwendung kommt. Für Stevia-Schokolade sieht Weisskopf in Europa aber bis auf weiteres kein Potenzial.

Ein renommierter Firmenkenner gibt den zuckerarmen Tafeln hingegen keine grosse Chance. Vielmehr gehe es für Unternehmen wie Lindt darum, bei den aktuellen Trends am Ball zu bleiben und dem Kunden zu erkennen zu geben, dass die Marke «frisch» bleibe. Das Geschäft bleibe aber eine Nische. «Die Konsumenten wollen beim Essen von Schokolade Spass haben, und dazu gehört nun mal Zucker.» Das sei wie bei den Chips. «Ohne Salz und ohne Paprika wären es keine Chips.» Ein Lindt-Manager sagt, die bisherigen Umsätze mit den neuen Tafeln sei «noch nicht berauschend».