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Kantone lassen über die Klinikgruppe Hirslanden Spucktests einfliegen – den Auftrag schnappte sich die Airline Qatar

Mit PCR-Spucktests soll die Coronapandemie unter Kontrolle gebracht werden. Die Hirslanden-Gruppe liess zwei Millionen davon in die Schweiz einfliegen – und verschmähte die heimische Airline Swiss.

Stefan Ehrbar
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Qatar Cargo fliegt Spucktests in die Schweiz.

Qatar Cargo fliegt Spucktests in die Schweiz.

Qatar Airways

Die Hirslanden-Gruppe importiert derzeit für sechs Kantone, darunter Zürich, Bern und Luzern, diese PCR-Speicheltests aus China. Diese werden für das sogenannte repetitive Testen genutzt. Dabei werden auch Personen ohne Symptome auf das Coronavirus getestet, etwa in Firmen, Gesundheitseinrichtungen oder Schulen. So sollen Infektionsketten früher unterbrochen werden. Die Speicheltests sind deutlich zuverlässiger als die Antigen-Tests.

Der Bedarf danach ist riesig. Betriebe, die ihre Belegschaft wöchentlich testen, können beispielsweise in Zürich ihre Mitarbeiter von der Quarantänepflicht befreien. Zur Diskussion steht auch eine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht durch den Bundesrat per Ende Mai, wenn Firmen im Gegenzug ihre Belegschaft regelmässig testen. «Dann würde der Bedarf weiter steigen», sagt Hirslanden-Sprecher Claude Kaufmann.

«Charakter einer Ad-Hoc-Übung»

Am vergangenen Wochenende hat Hirslanden eine erste Lieferung von über zwei Millionen Tests im Wert von vier Millionen Franken erhalten. Eingeflogen wurden sie aus China. Nur: Statt auf die heimische Fluggesellschaft Swiss setzte Hirslanden auf die Airline Qatar. Kaufmann begründet die Wahl der Airline mit dem Charakter der «Ad-Hoc-Übung», welche der Import gehabt habe.

Die Gruppe habe auch mit der Swiss gesprochen, sich aufgrund der logistischen Ausgangslage und den Verfügbarkeiten aber für eine andere Fluggesellschaft entschieden. «Wir werden bei einer neuen Lieferung die Situation neu evaluieren», sagt Kaufmann.

Und was sagt die Swiss dazu, die in der letzten Woche wegen des Geschäftseinbruchs den Abbau von 780 Stellen und die Verkleinerung der Flotte um 15 Prozent verkünden musste? Grundsätzlich gebe die Swiss keine Auskunft über Auftraggeber, sagt sie. Die eigene Frachtdivision Swiss WorldCargo sei aber «jederzeit bereit», den globalen Warenfluss sicherzustellen.

Swiss zieht wieder den Kürzeren

Die Swiss habe seit März mit ihrer Frachtabteilung ihr Angebot sukzessive ausgebaut und damit vor allem auch die Lieferketten für humanitäre und medizinische Güter von und in die Schweiz unterstützt. So flog die Swiss etwa für das Aussendepartement (EDA) Hilfsgüter nach Indien.

Bis Ende März habe Swiss WorldCargo mehr als 1700 reine Frachtflüge durchgeführt und dabei rund 39'000 Tonnen Waren befördert, sagt die Sprecherin. Aber eben: Die Spucktests waren nicht darunter. Es ist nicht das erste Mal, dass die Swiss im Vergleich mit Qatar den Kürzeren zieht: Letztes Jahr setzte der Bund für eine Rückholaktion ebenfalls auf die Airline aus dem Emirat zurück.

Ex-Etihad-Chef kritisiert Swiss: «Verantwortung nicht wahrgenommen»

Peter Baumgartner leitete die Airline Etihad und war für die Swiss und ihre Vorgängerin Swissair tätig. In einer Kolumne für das Branchenportal «About Travel» kritisiert er nun den früheren Swiss-Chef Thomas Klühr, der sein Amt Ende 2020 an Dieter Vranckx übergab. Den letzte Woche bekannt gewordenen Abbau bei der Swiss komme zu spät, schreibt er.

«Der Entscheid hätte, wie bei den meisten Airlines auch der Fall, früher kommen können. Er hätte wahrscheinlich auch früher fallen müssen.» Das hätte allen Beteiligten mehr Zeit verschafft, um kreativere Wege zu entwickeln, so Baumgartner.

Vranckx mache er dafür keinen Vorwurf, dessen Vorgänger Klühr aber schon: «Er hat sich seiner Verantwortung nicht gestellt». Die Swiss kommentiert den Text auf Anfrage nicht: Es handle sich «um eine persönliche Meinung», schreibt eine Sprecherin.