Lieber Sonnenöl als Erdöl

MADRID. Bisher wurden auf den Kanarischen Inseln vor allem mit Sonnenöl glänzende Geschäfte gemacht. Immerhin besuchen jedes Jahr zwölf Millionen Touristen die spanische Inselgruppe vor der Küste Westafrikas. Doch nun will Spanien auch mit der Erdölförderung vor den Inseln Geld verdienen.

Ralph Schulze
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MADRID. Bisher wurden auf den Kanarischen Inseln vor allem mit Sonnenöl glänzende Geschäfte gemacht. Immerhin besuchen jedes Jahr zwölf Millionen Touristen die spanische Inselgruppe vor der Küste Westafrikas. Doch nun will Spanien auch mit der Erdölförderung vor den Inseln Geld verdienen. Die Madrider Regierung genehmigte gerade die ersten Probebohrungen östlich von Lanzarote und Fuerteventura – und entfesselte einen Proteststurm auf den Kanaren.

Noch diesen Sommer, mitten in der Feriensaison, soll ein Bohrschiff mit Probebohrungen beginnen, 60 km vor den Küsten der beiden Vulkaninseln, wo der Atlantik bis zu 500 Meter tief ist. Eine Erlaubnis zur Ölförderung sei dies noch nicht, versucht die Regierung die Wellen der Empörung auf den Inseln zu beruhigen. Falls man tatsächlich auf Öl stosse, werde man weitersehen.

Doch dieses Szenario reicht schon für Demonstrationsmärsche, Menschenketten an den Stränden und Unterschriftensammlungen. Die Regionalregierung der Inseln, die Tourismusbranche, globale Umweltverbände und lokale Bürgerinitiativen haben sich zur Widerstandsfront «Save Canarias» zusammengeschlossen. Und sie haben Klage gegen die Ölsuche eingereicht. Der Chef der Kanaren-Regierung, Paulino Rivero, sagt: «Den Naturreichtum der Inseln aufs Spiel zu setzen bedeutet, die Zukunft der künftigen Generationen zu gefährden.»

Industrieminister José Manuel Soria lässt dagegen durchblicken, dass aus seiner Sicht der Widerstand der Öl-Gegner nicht viel Sinn mache: Denn wenn Spanien nicht die Öllager anzapfe, «dann wird es Marokko tun».

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