Liaison von Nestlé und L'Oréal endet

Nestlé will seine Beteiligung am Kosmetikkonzern L'Oréal nicht weiter aufstocken. Vielmehr könnte sich Nestlé von L'Oréal ganz trennen.

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VEVEY/PARIS. Gegenwärtig hält der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé 29,4% der L'Oréal-Aktien. Ebenfalls rund 20% hält die französische Industriellenfamilie Bettencourt. Die beiden Grossaktionäre haben ein gegenseitiges Vorkaufsrecht für das jeweilige Paket des anderen. Dieser Vertrag läuft Ende April aus.

Vor kurzem sagte Nestlé-Präsident Peter Brabeck, der Konzern werde das gegenseitige Vorkaufsrecht mit der Familie Bettencourt nicht weiterführen. Damit befeuerte der frühere Nestlé-Konzernchef Spekulationen, wonach sich der Nahrungsmittelkonzern von seiner L'Oréal-Beteiligung ganz trennen wolle.

L'Oréal könnte zuschlagen

An der Börse ist der Kosmetikkonzern 77 Mrd. € wert. Die Nestlé-Beteiligung hat ergo einen Wert von 23 Mrd. €. Als möglicher Käufer hat sich nun L'Oréal selber ins Gespräch gebracht. Mit einem Kauf des Pakets könnte der Kosmetikkonzern seine Unabhängigkeit sichern. Gestern sagte L'Oréal-Chef Jean-Paul Agon, sein Unternehmen verfüge über die nötigen Mittel, um Nestlé die 29,4%-Beteiligung abzukaufen. Zugleich betonte er, damit wolle er nicht versprechen, dass L'Oreal wirklich diesen Weg gehe. An der Börse stiegen die Aktien sowohl von L'Oréal als auch von Nestlé.

Sanofi-Paket verflüssigen

L'Oréal könnte Nestlé heraus- kaufen, indem sich der Kosmetikkonzern zuvor von seinem Anteil am französischen Pharmakonzern Sanofi trennt. «Wir haben alle signifikanten finanziellen Ressourcen, weil wir einen positiven Cashflow haben und die 9 Prozent an Sanofi», sagte Agon. Dieses Sanofi-Paket ist annähernd 9 Mrd. € wert und wird von L'Oréal laut eigenen Angaben als rein finanzielles Engagement betrachtet. L'Oréal bietet unter anderem Kosmetika der Marken Kiehl's, Lancôme, Biotherm und Helena Rubinstein. (rtr/awp)