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Lehner Versand in Schenkon verkauft legale Kopie der Kultmarke Supreme

Die New Yorker Kleidermarke Supreme lebt von ihrer Exklusivität. Nun erreicht eine Kopie die Schweiz – eine legale Fälschung.
Federico Gagliano
Kundinnen mit Supreme-Accessoires in Paris. (Bild: Claudio Lavenia/Getty (Paris, 21. Juni 2018))

Kundinnen mit Supreme-Accessoires in Paris. (Bild: Claudio Lavenia/Getty (Paris, 21. Juni 2018))

Supreme ist eine der angesagtesten Skate- und Streetware-Marken der Welt. Die Produkte sind limitiert und heiss begehrt – egal, worum es sich handelt. Ob T-Shirt, Pullover oder Skateboard: Wiederverkäufer verdienen sich eine goldene Nase mit Supreme-Produkten. Der Hype nimmt teilweise groteske Züge an: Ziegelsteine mit dem Supreme-Logo, die im September 2016 für 30 Dollar erhältlich waren, werden heute auf Ebay für 500 Dollar verkauft.

Seit vergangenen Herbst ist die Marke nun auch in der Schweiz beim Versandhaus Lehner in Schenkon erhältlich. Oder doch nicht? Denn Supreme ist nicht immer gleich Supreme: Die Marke streitet sich schon seit Jahren mit einem Konkurrenzlabel, das zwar das gleiche Logo besitzt, aber ansonsten wenig mit dem ursprünglichen New Yorker Skate-Shop zu tun hat: Supreme Italia. Es ist ein Präzedenzfall, den es in der Modewelt so noch nie gegeben hat und der zur Prägung eines neuen Begriffs führte: «Legal Fake», die legale Fälschung (siehe unten).

Von New York nach Tokio

1994 in einem bescheidenen Laden in New York gestartet, stieg die Beliebtheit Supremes kontinuierlich an. 2017 dann der Höhepunkt: The Carlyle Group, eine der grössten US-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften, investierte geschätzte 500 Millionen US-Dollar für 50 Prozent der Anteile an Supreme – was den Unternehmenswert auf etwa eine Milliarde US-Dollar katapultierte.

Supremes Erfolgsrezept: künstliche Verknappung. Ein Besuch in einem Supreme-Laden ist etwas ernüchternd: Nur wenige Produkte stehen in den fast leer wirkenden Filialen, von denen es weltweit nur elf in Städten wie New York, Paris, London und Tokio gibt. Neue Supreme-Artikel erscheinen nämlich nur saisonal. Regelmässig bilden sich an diesen Tagen meterlange Schlangen vor den Filialen, während der Onlineshop bei jedem neuen Release überlastet ist. Zusätzlich kooperiert Supreme regelmässig mit ­anderen Marken wie Nike, Levi’s oder Louis Vuitton, was die Waren noch begehrter macht. Durch die Exklusivität der Produkte ist eine eigene Ökonomie entstanden: Viele Kunden kaufen, um dann alles wieder weiterzuverkaufen. Kein Wunder also, wollten sich andere ein Stück vom Kuchen abschneiden. Innerhalb der letzten vier Jahre hat sich eine Firma zum Dorn im Auge Supremes entwickelt: Supreme Italia. Die Konkurrenzmarke, hinter der das Unternehmen International Brand Firm (IBF) steckt, hat sich nicht nur das Ziel gesetzt, Supreme zu kopieren: Es will die Marke vollständig ersetzen.

Mit Erfolg: Die Produkte des italienischen Supreme sind viel leichter erhältlich, unterscheiden sich nur leicht und sind oft auch günstiger als das Original.

2015 gegründet, dauerte es nicht lange, bis Supreme Italy von der amerikanischen Vorlage verklagt wurde. Ein Mailänder Gericht entschied zugunsten der Amerikaner: Die italienische Polizei führte Razzien in mehreren Lagerhäusern durch, die grössten davon in San Marino, wo 120 000 Supreme-Italia-Artikel konfisziert wurden. Im Mai 2018 kam dann aber die Wende: Das ursprüngliche Supreme versuchte die Marke in der EU zu schützen und scheiterte. Das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) befand, dass der Name Supreme «zu deskriptiv ist und keinen distinktiven Charakter besitzt». Dies führte wiederum dazu, dass der Entscheid in Mailand umgekehrt wurde. Damit stand Supreme Italia nichts mehr im Wege. Die Firma gründete in der Zwischenzeit einen Ableger in Spanien, Supreme Spain, der die Marke im Land registrierte und damit das Supreme New York von der iberischen Halbinsel ausschloss. Inzwischen besitzt Supreme Spain Filialen in Barcelona, Madrid, Ibiza und Formentera.

Doch damit nicht genug: IBF hat die Marke Supreme bereits bei der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Wipo) in Genf für den gesamten asiatischen Markt registriert, was zur Folge hat, dass die Firma nun in China ihre Produkte ohne den Zusatz Italia oder Spain verkaufen kann. Ein harter Schlag für die New Yorker, deren Marke sich in Asien grosser Beliebtheit erfreut. Von den elf bisherigen Filialen befinden sich sechs in Japan, drei davon nur in Tokio, was weiterhin möglich ist, weil Japan nicht der WIPO unterliegt.

«Keine Fälschungen»

Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte der CEO des Lehner-Versands, Thomas Meier, dass ihre Supreme-Artikel von Supreme Spain stammen. Derzeit habe das Versandhaus ein Exklusivrecht, was heisst, dass die Artikel schweizweit nur dort zu erwerben sind. Man habe vorgängig alles genau mit einem Rechtsanwalt geklärt und erst danach die Kollektion ins Sortiment aufgenommen. Im Onlineshop und auf den Einnählabels werde ausserdem erwähnt, dass es sich um Supreme Spain handelt.

Zu der Frage, ob es sich dabei nicht um Fälschungen handle, hat das Versandhaus bereits eine Antwort bereit: «Unsere Ware ist keine Fälschung oder Parallelimport aus den USA, sondern es ist schlichtweg Supreme Spain. Dabei gilt es zu beachten, dass Supreme Spain eine Gesetzeslücke ausnutzt. Supreme New York hat es unterlassen, die Markenrechte für Europa zu sichern. Dies hat Supreme Spain für sich in ganz Europa gemacht.» Des Weiteren wird auch auf den anhaltenden Rechtsstreit hingewiesen.

Meier selbst meint dazu: «Ich persönlich finde es schön, dass wir unseren Kunden ein Produkt anbieten können, bei welchem man keine Designerpreise verlangt und es dennoch das markante Supreme-Logo drauf hat.» Noch habe sich die Marke in der Schweiz nicht etabliert. Meier ist aber überzeugt, dass der grosse Hype auch hier ankommen wird. Fest steht: Der Kampf um Supreme hat erst begonnen.

Nicht der erste «Legal Fake»

Unter «Legal Fake» versteht man eine Firma, die ein Warenzeichen vor der Originalfirma in einem anderen Land eintragen lässt und daraufhin die gleiche Geschäftsidee dort kopiert. Obwohl der Begriff erst durch den Supreme-Fall bekannt wurde, war die New Yorker Firma nicht das erste Beispiel für die Praxis. Die Marke Boy aus London wurde 2013 von Boy London Italia kopiert. Der einzige Unterschied: Der Adler, das Symbol der Firma, schaut bei der italienischen Variante nach links statt rechts. Gemäss dem Nachrichtenmagazin «Vice» waren weitere Opfer die hierzulande weniger bekannten Marken Kith, Thrasher und Palace. Dies gehört zur Strategie: Die legalen Fälschungen zielen nur auf Marken, die nur bei spezifischen, kleineren Gruppen bekannt sind. (fg)

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