Langsameres Wachstum, aber keine Wende

Die Schweizer Wirtschaft wächst solide. Die wichtigsten Treiber bleiben die niedrigen Zinsen und die starke Einwanderung. Das historisch niedrige Zinsniveau dürfte in naher Zukunft Bestand haben und den Privatkonsum und die Investitionen stützen.

Daniel Kalt, Chefökonom UBS Schweiz
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Die Schweizer Wirtschaft wächst solide. Die wichtigsten Treiber bleiben die niedrigen Zinsen und die starke Einwanderung. Das historisch niedrige Zinsniveau dürfte in naher Zukunft Bestand haben und den Privatkonsum und die Investitionen stützen.

Verunsicherte Unternehmen

Die UBS-Ökonomen revidieren ihre Wachstumsprognosen und erwarten neu ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent für das laufende Jahr und 1,4 Prozent für kommendes Jahr. Aufgrund einer Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung hat sich der bisherige Wachstumsverlauf des Bruttoinlandprodukts geändert.

Konsumwachstum und Bauinvestitionen haben in der ersten Jahreshälfte eher enttäuscht. Wir gehen bei diesen Wachstumskomponenten in der zweiten Jahreshälfte aber von einer Erholung aus. Die sich häufenden Volksinitiativen dürften allerdings die Unternehmen in der Schweiz verunsichern, was ihre Investitionstätigkeit dämpfen könnte. Für 2014 erwarten wir aufgrund der eher verhaltenen Konjunkturentwicklung in Europa und des nach wie vor starken Schweizer Frankens eine Inflationsrate von lediglich 0,1 Prozent.

Der deflationäre Druck stammt primär von Preisrückgängen bei den Importgütern. Auch für das kommende Jahr rechnen wir mit einer niedrigen Inflationsrate von 0,3 Prozent.

Löhne dürften steigen

Die Löhne dürften dank der robusten Schweizer Konjunktur weiter steigen. Das hat die diesjährige UBS-Lohnumfrage bei 370 Unternehmen sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden aus 22 Branchen gezeigt. Demnach hat die Lohnsumme dieses Jahr um 1 Prozent zugenommen. Die sehr geringe Inflation von nur 0,1 Prozent im laufenden Jahr hat sich kaum dämpfend auf die Lohnentwicklung ausgewirkt.

Für das Jahr 2015 gehen die Unternehmen im Branchendurchschnitt von einer Lohnerhöhung um 0,9 Prozent aus, was bei einer prognostizierten Inflation von 0,3 Prozent einer Reallohnerhöhung von 0,6 Prozent entsprechen würde.

Mehr Frauen, mehr Ältere

Die Verunsicherung der Schweizer Unternehmen aufgrund der sich häufenden Volksinitiativen bestätigt sich in der diesjährigen Lohnumfrage. Rund die Hälfte der befragten Unternehmen gab an, sie seien von der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative negativ betroffen. Dabei leidet der Industriesektor besonders stark, wie über 60 Prozent der befragten Industriefirmen betonten. Wenn die Personenfreizügigkeit wegfällt, könnte sich das Problem des Arbeitskräftemangels in der Schweiz noch einmal akzentuieren. Als Folge davon würden die meisten Unternehmen vermehrt Frauen einstellen, bei Teilzeitangestellten die Pensen erhöhen sowie ältere Arbeitskräfte länger beschäftigen, wie die Umfrage ergab.

International immer noch gut

Trotz der leichten Prognoseanpassung steht die Schweizer Wirtschaft im internationalen Vergleich immer noch gut da. Das spiegelt sich unter anderem in der Lohnentwicklung. Wir gehen davon aus, dass die Treiber des soliden Wirtschaftswachstums auch in naher Zukunft noch bestehen bleiben werden.

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