Langsame Gewöhnungsphase

Börsenspiegel

Alessandro Sgro Asset Management und Research, Acrevis Bank Sg
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Nach einem fulminanten Start ins Anlagejahr ist an den Finanzmärkten seit dem unerwarteten Einbruch im Januar kein klarer Trend ersichtlich. Ursache der Turbulenzen waren Ängste vor einer strafferen Geldpolitik. Zusätzlich verunsichern die immer wieder scharfen und unberechenbaren Töne zur Handels­politik aus dem Weissen Haus. Was den Zinserhöhungszyklus betrifft, gibt es weniger Grund zur Sorge, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Eine Analyse der Zinserhöhungszyklen der US-Notenbank Fed in den vergangenen 30 Jahren verdeutlicht, dass eine restriktivere Geldpolitik die Finanzmärkte allgemein sowie insbesondere riskante Anlageklassen – entgegen der weitläufigen Meinung – nicht belastete. In diesem Zeitraum passierten immerhin sechs Zinserhöhungszyklen. Die einzelnen Episoden unterscheiden sich ziemlich in der Dauer und im Ausmass der Zinserhöhungen. Trotzdem entwickelten sich alle wichtigen Anlageklassen im Durchschnitt positiv.

Kommunikation als zentraler Faktor

Eine Ausnahme stellt der Zyklus Mitte der 1990er-Jahre dar. Zwar deutete der damalige Fed-Chef Alan Greenspan bereits zu Beginn des Jahres 1994 die Mög­lichkeit von Zinserhöhungen an. Trotzdem wurden die meisten Marktteilnehmer vom Zeitpunkt und Ausmass der folgenden restriktiveren Geldpolitik völlig überrascht.

Ein entscheidender Punkt im Normalisierungsprozess ist die Kommunikation mit den Marktteilnehmern und damit das Steuern der Markterwartungen. Hier macht die Fed aktuell einen ­guten Job. Die amerikanische Notenbank setzt auch unter ihrem neuen Chef Jerome Powell die geldpolitische Normalisierung weiter fort und damit auf Kontinuität. Wie erwartet erhöhte die Fed vergangenen Monat den Leitzins um einen Viertel Prozentpunkt. Zudem wurden zwei weitere Leitzinserhöhungen im laufenden Jahr signalisiert.

Mit dem aktuellen Zinsschritt vollzog die Fed die sechste Zinserhöhung seit dem Beginn des aktuellen Zyklus im Dezember 2015. Damit ist die momentane Phase bereits eine der längsten und zeigt, wie sanft die Fed vorgeht und sich die Märkte an steigende Zinsen gewöhnen können. Zudem ist dieser Normalisierungsprozess auch Ausdruck der guten makroökonomischen ­Verfassung der Wirtschaft. Das ist ein zweiter relevanter Punkt, damit sich ein Zinserhöhungszyklus nicht negativ auf die Finanzmärkte auswirkt.

Alessandro Sgro Asset Management und Research, Acrevis Bank SG