Langfristigkeit als Schlüssel

Roger und Marcel Baumer sind frischgebackene «Unternehmer des Jahres». Die Inhaber und Leiter der St. Galler Gebäudetechnikgruppe Hälg über Belegschaft, Firmenphilosophie, Strategie – und den Nutzen der Frankenstärke.

Thomas Griesser Kym
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Die Lenker der Hälg Group, Marcel (links) und Roger Baumer, mit ihrem Unternehmerpreis «Entrepreneur Of The Year». (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Lenker der Hälg Group, Marcel (links) und Roger Baumer, mit ihrem Unternehmerpreis «Entrepreneur Of The Year». (Bild: Hanspeter Schiess)

Herr Baumer, Sie und Ihr Bruder sind mit dem Unternehmerpreis «Entrepreneur Of The Year» der Beratungsfirma EY ausgezeichnet worden. Welche Bedeutung hat das für Sie und Ihr Unternehmen?

Roger Baumer: Wir sind sehr stolz und haben riesige Freude. Aus Sicht des Unternehmens ist der Preis Bestätigung, dass wir unsere Sache gut gemacht haben.

Welchen Anteil hat Ihre Belegschaft an der Auszeichnung?

Marcel Baumer: Der Anteil unserer Mitarbeitenden ist sehr gross. Wir schliessen sie deshalb in die Preisvergabe ein. Das Unternehmen funktioniert nur als Team. Wir beide stellen die Mittel parat und schaffen die Rahmenbedingungen. Unsere Mitarbeitenden aber setzen das Ganze in der täglichen Arbeit um.

Gibt der Preis nun Anlass, sich auf dem Erreichten und den Lorbeeren auszuruhen – oder ist er vielmehr Ansporn, sich weiterhin permanent zu verbessern?

Marcel Baumer: Durch den Preis steigt das öffentliche Interesse an unserer Firma. Die Erwartungen an uns werden sicher nicht kleiner. Wir sehen den Preis als Verpflichtung gegenüber unseren Kunden, Lieferanten, Mitarbeitenden usw., die Hälg Group weiterzuentwickeln, agil und dynamisch zu bleiben – kurz: unseren Weg weiter zu gehen.

Roger Baumer: Operative Verbesserungen sind ein kontinuierlicher Prozess in kleinen Schritten, beispielsweise bei der Qualität oder im Kundendienst. Strategisch wollen wir unser Dienstleistungsangebot weiter ausbauen und regional die Marktdurchdringung verstärken. Ausserdem wollen wir unser Wertesystem erhalten, wobei Nachhaltigkeit und Langfristigkeit zentrale Rollen spielen.

Stichwort Wertesystem: Wie sieht Ihre Firmenphilosophie aus?

Roger Baumer: Der Schlüssel ist die Langfristigkeit, die wir als Familienunternehmen pflegen. Das gibt den Mitarbeitenden viel Sicherheit, denn sie wissen, dass wir uns um sie und die Firmengruppe kümmern. Unser langfristiges Denken kommt auch den Kunden zugute: Auch wenn es einmal Probleme gibt, sind wir für sie da.

Inwieweit können sich die Mitarbeitenden bei Hälg mit Ideen einbringen und werden in Entscheide einbezogen?

Marcel Baumer: Das sind ganz wichtige Punkte. Wir haben eine dezentrale Struktur, unsere einzelnen Niederlassungen sind innerhalb eines gewissen Rahmens sehr frei in ihren Prozessen. Sie arbeiten wie selbständige kleine Unternehmen am Markt. Auch bei grösseren Entwicklungsprojekten beziehen wir Mitarbeitende aller Hierarchiestufen mit ein, etwa mittels Workshops oder Umfragen, um ihre Bedürfnisse, Vorstellungen und Anregungen zu erfahren.

Häufig ist zu hören, die Lehre in Handwerk und Industrie verliere an Stellenwert, es gebe einen Fachkräftemangel. Was tut Hälg zur Förderung und Sicherung des beruflichen Nachwuchses?

Roger Baumer: Wir haben eine interne Zielgrösse definiert, wonach zehn Prozent der Belegschaft Lernende und Praktikanten sein sollen. Dazu suchen wir gute und motivierte junge Leute, bilden sie aus und investieren Zeit in sie.

Marcel Baumer: Viele handwerkliche Berufe haben heute leider nicht mehr das Renommée, das sie verdienen. Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Denn unsere Lehrberufe sind extrem spannend, und am Abend sieht man sein Tagwerk.

Roger Baumer: Wir laden darum zum Beispiel auch Schulklassen ein, damit sie bei uns mit der Arbeitswelt in Berührung kommen und sehen, wie gearbeitet wird. Tendenziell wird die Arbeit technisch auch immer herausfordernder und interessanter.

2014 hatte Hälg punkto Mitarbeiterzahl und Umsatz stagniert. Wie sieht es dieses Jahr aus?

Roger Baumer: Die Belegschaft bleibt in etwa konstant. Der Umsatz wird geringfügig tiefer ausfallen. Das hängt mit der Projektstruktur zusammen; ob wir Ende Jahr noch ein grösseres Projekt ausführen oder nicht. Unsere Auslastung ist grundsätzlich gut.

Inwieweit betrifft die Frankenstärke Hälg?

Marcel Baumer: Sie hat unsere Einkaufskonditionen kurzfristig massiv verbessert. Wir kaufen fast alles in der Schweiz ein, weil das Garantieansprüche und den Service vereinfacht. Wir haben mit Herstellern, die Vorleistungen im Euroraum einkaufen, und mit Händlern, die Waren aus dem Euroraum verkaufen, hart verhandelt, damit sie uns ihre Preisvorteile weitergeben.

In der Gebäudetechnikbranche tummeln sich auch viele kleinere Anbieter. Wollen Sie auch durch punktuelle Übernahmen wachsen?

Roger Baumer: Das haben wir früher gemacht und schliessen es für die Zukunft nicht aus. Wenn ein Unternehmen auf dem Markt ist, prüfen wir es. Es muss aber geographisch zu uns passen und unsere Dienstleistungen ergänzen. So sind wir zum Beispiel noch nicht an allen Standorten im Sanitärgeschäft aktiv.

Was sind wichtige Trends in der Gebäudetechnik?

Marcel Baumer: Die Kunden wollen Paketlösungen. Immer wichtiger werden Automatisation, Digitalisierung und die Steuerung von Anlagen. Erneuerbare Energien sind, zumindest bei Neubauten, inzwischen der Regelfall.