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Landis+Gyr im Wettlauf gegen die Kosten

Der Zuger Spezialist für intelligente Stromzähler produziert so wenig wie möglich selber. Für die Aktionäre kann das kurzfristig ein Vorteil sein. Aber die Strategie birgt auch Risiken.
Daniel Zulauf
Jede neue Generation von Stromzählern ist billiger als die Vorgänger. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone; Zug, 2. Oktober 2017)

Jede neue Generation von Stromzählern ist billiger als die Vorgänger. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone; Zug, 2. Oktober 2017)

Es konnte nicht schnell genug gehen, damals im Juli 2017, als Landis+Gyr zurück an die heimatliche Börse strebte. Der überschuldete japanische Multi Toshiba musste das Schweizer Traditionsunternehmen eiligst versilbern – und das zum höchstmöglichen Preis. Die Operation gelang. Landis+Gyr wurde zu einem der drei grössten Börsengänge in der Schweiz in den vergangenen 15 Jahren. 2,3 Milliarden Franken lösten die Japaner für die Firma, die sie 2011 für umgerechnet 2 Milliarden Franken erworben hatten. Die Zuger mussten viel versprechen, um die Investoren zum Kauf der Aktien bewegen zu können. Ein Jahr später lässt sich feststellen: Landis+Gyr hat geliefert.

Der Umsatz ist in dem per Ende März abgeschlossenen Rechnungsjahr um 4,7 Prozent, währungsbereinigt um 2,6 Prozent, auf 1,74 Milliarden Dollar gestiegen. Ein Plus von 3 Prozent hatte Finanzchef Jonathan Elmer vor Jahresfrist vorausgesagt. Wie angekündigt hat der Konzern auch die Verlustzone verlassen. Er weist einen Gewinn von 46,4 Millionen Dollar aus – eine Steigerung um 109 Millionen Dollar.

Deutliche Steigerung des wichtigen Cashflows

Für die Aktionäre noch wichtiger als der Gewinn ist der Cashflow. Diese Messgrösse gibt Auskunft darüber, wie viel ein Unternehmen vom erwirtschafteten Umsatz einbehalten konnte, um Kredite und Investitionen zu finanzieren und schliesslich auch Dividenden zu zahlen. Landis+Gyr hat den Cashflow um 31 Prozent auf 125 Millionen Dollar gesteigert, dabei die Nettoverschuldung von 127 Millionen auf 40 Millionen Dollar reduziert und kann nun die im Juli versprochenen Dividenden von 71 Millionen Dollar beziehungsweise von 2.30 Franken je Aktie ausschütten. Doch die Freude der Anleger war von kurzer Dauer. Nach einem anfänglichen Hüpfer lagen die Aktien bei Handelsschluss 3,4 Prozent im Minus. Bei einem Kurs von knapp 66 Franken notieren die Papiere 15 Prozent unter dem Emissionspreis beim Börsengang.

Viele Investoren scheinen trotz des gelungenen Starts in die Selbstständigkeit an der Verlässlichkeit der unternehmenseigenen Prognosen zu zweifeln. Landis+Gyr verspricht in den nächsten zwölf Monaten eine weitere Umsatzsteigerung um 3 bis 6 Prozent sowie eine erneute Verbesserung des Cashflows um 10 bis 20 Millionen Dollar. Doch in Europa, wo das grösste Wachstum in den kommenden Jahren herkommen soll, bewegt sich wenig. In Ländern wie Grossbritannien, Frankreich oder den Niederlanden steht eine umfassende Erneuerung der Infrastruktur zur Strommessung in Richtung intelligenter Systeme an, sagte Konzernchef Richard Mora vor Jahresfrist. Herausgekommen ist ein Wachstum von währungsbereinigt gerade mal 1,7 Prozent.

Die Rechnung sähe besser aus, wenn Lieferengpässe von elektronischen Komponenten die Auslieferungen in Europa nicht gebremst hätten, erklärte Mora. Doch eine Firma wie Landis+Gyr, die nach Moras eigener Aussage auf eine vollständige Auslagerung der Produktion an Drittanbieter hinarbeitet, muss mit Schwierigkeiten in der Lieferkette leben können.

Fortlaufend sinkendes Kostenniveau

Landis+Gyr verfolgt seit drei Jahren diese sogenannte Asset-Light-Strategie. Sie ist Ausdruck des immerzu sinkenden Kostenniveaus in der Elektronikindustrie. Jede neue Generation von Stromzählern ist billiger als die Vorgängermodelle. Im Wettlauf um tiefere Kosten gehen Firmen wie Landis+Gyr Risiken ein, die sich in der Bilanz nicht erkennen lassen. So verschob der Konzern vor rund zehn Jahren seine Produktion für den US-Markt aus dem Bundesstaat Indiana in die mexikanische Grenzstadt Reynosa.

Donald Trumps Handelspolitik könnte nun zum Problem für den kostengünstigen Produktionsstandort werden und dereinst sogar eine Rückverschiebung in die USA notwendig machen. Die Zählerproduktion in der Schweiz wanderte schon vor über 20 Jahren nach Griechenland ab. Gleichzeitig mit der Produktionsverlagerung verringern die Hersteller laufend ihre Fertigungstiefe, indem sie billige Komponenten zukaufen. Doch mit der zunehmenden Arbeitsteilung nehmen auch die Risiken in den Lieferketten zu. Den Investoren sind diese Entwicklungen offenbar noch nicht ganz geheuer.

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