Kurzer Prozess gegen den Bankdatendieb

Ein früherer Mitarbeiter der Credit Suisse (CS) ist wegen der Entwendung und des Verkaufs von Bankkundendaten zu zwei Jahren Haft bedingt verurteilt worden.

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BELLINZONA. Wie sieht ein Bankdatendieb aus? Gestern bekamen die Zuschauer im Bundesstrafgericht den Mann kurz zu Gesicht. Asiatische Gesichtszüge, Vollbart, tiefschwarzes Haar, Hornbrille, dunkler Anzug. Ein Mann Ende 20 und der wenigen Worte. Keine Angabe zu Arbeit, Vermögen oder Lohn. Kein Schlusswort. Er anerkenne die Anklageschrift, sagte er nur kurz in gepflegtem Deutsch.

Schnell war klar: Dieser Mann will keinerlei Publizität. Und deshalb hatte er auch in das abgekürzte Verfahren eingewilligt, in dem aufgrund eines Schuldeingeständnisses das Strafmass zwischen Verteidigung und Anklage vorab ausgehandelt und vom Gericht nur noch beurteilt wird.

2008 hatte der Mann als Assistent von Kundenberatern in mehreren CS-Filialen im Raum Zürich 1500 bis 2500 Datensätze von deutschen Kunden gesammelt und über einen österreichischen Mittelsmann für 2,5 Mio. € ans Bundesland Nordrhein-Westfalen verkauft. Mehr noch: Bei dem eingefädelten Deal suchte er auf Wunsch der deutschen Steuerfahnder gezielt nach Details wie dem Datum der Kontoeröffnung oder Kontobewegungen.

Das Gericht verurteilt den Angeklagten wegen qualifizierten wirtschaftlichen Nachrichtendienstes, Geldwäscherei, Verletzung des Geschäftsgeheimnisses und Verletzung des Bankgeheimnisses zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bedingt auf zwei Jahre und zu 3500 Fr. Busse. «Das Strafmass ist sehr knapp am unteren Ende dessen, was das Gericht noch als angemessen ansieht», sagte Bundesstrafrichter Walter Wüthrich. Bis zu 20 Jahre Haft hätte bei qualifiziertem wirtschaftlichem Nachrichtendienst angesetzt werden können, ergänzte er. Das geringe Strafmass sei angesichts der guten Prognose für den Mann gerade noch zu rechtfertigen. Das Urteil ist rechtskräftig. Gerhard Lob