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Fall Gunvor: Kurzer Prozess für schmierenden Ölhändler

Ein früherer Ölhändler des Rohstoffkonzerns Gunvor, der Schmiergeldzahlungen in Afrika eingefädelt hatte, soll mit einer bedingten Strafe davonkommen. Noch nicht aus dem Schneider ist Gunvor.
Balz Bruppacher
Ölraffinerie in der Elfenbeikünste. (Bild: Legnan Koula/EPA)

Ölraffinerie in der Elfenbeikünste. (Bild: Legnan Koula/EPA)

Er hat Schmiergelder für Regierungsleute im Kongo und in der Elfenbeinküste in zweistelliger Millionenhöhe organisiert. Nun hat der 45-jährige Belgier mit der Bundesanwaltschaft (BA) einen Deal ausgehandelt.

Der Ölhändler, der seit seiner Entlassung durch den Genfer Rohstoffhandelskonzern Gunvor im Jahre 2012 ohne Job ist, soll eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten erhalten. Dies beantragt die BA in der Anklageschrift, die am kommenden 28. August dem Bundesstrafgericht zur Genehmigung vorgelegt wird. Möglich wurde das abgekürzte Verfahren, weil der Beschuldigte gestanden hatte, Regierungsvertreter im Kongo und in der Elfenbeinküste für das Zustandekommen von Öllieferverträgen bestochen zu haben. Dabei sollen laut der Anklageschrift über 30 Millionen Dollar geflossen sein, zum Teil über Banken in der Schweiz.

Auch Gunvor im Visier der Bundesanwaltschaft

Die Schmiergelder landeten laut Bundesanwaltschaft zum Teil in den Taschen der Familie des kongolesischen Präsidenten Denis Sassou-Nguesso. Profitiert haben demnach auch der Finanzminister des Landes sowie im Falle der Elfenbeinküste Vertraute des Ex-Präsidenten Laurent Gbabgo.

Offen bleibt die Rolle des Rohstoffkonzerns selber. Aufgeflogen waren die Schmiergeldzahlungen durch eine Geldwäschereimeldung der damaligen Zürcher Bank Clariden Leu Ende 2011. Als Gunvor von den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft erfuhr, drehte das Unternehmen den Spiess um und reichte Strafanzeige gegen den jetzt vor Gericht kommenden Belgier wegen Betrugs und weiterer Delikte ein. Der Belgier, der den Auftrag hatte, das Geschäftsfeld des Unternehmens in Afrika auszubauen, wurde entlassen. Er reichte seinerseits eine Anzeige wegen falscher Anschuldigung ein.

Im Mai 2017 dehnte die Bundesanwaltschaft ihr Verfahren schliesslich auf Gunvor selber aus. Noch ist der Ausgang dieser Ermittlungen offen. In der Anklageschrift gegen den Ölhändler heisst es, es sei erwiesen, dass sich der Beschuldigte in einem Arbeitsumfeld befunden habe, in dem die Korruption ein akzeptiertes Geschäftsverfahren gewesen sei. Gunvor erklärte auf Anfrage, es handle sich um ein einseitiges Verfahren, bei dem der ehemalige Angestellte mit einem Deal seine eigenen Interessen schützen wolle. Gunvor sei nicht Partei in dem Verfahren. «Wir bleiben in dieser zehn Jahre alten Angelegenheit zuversichtlich», teilte ein Sprecher mit. Er machte zudem darauf aufmerksam, dass das Unternehmen seine Compliance seither überarbeitet habe und höchste Standards und Kontrollen einhalte. Heute kämen weniger als 5 Prozent des Geschäfts aus Afrika. Die Handelstätigkeiten im Kongo und in der Elfenbeinküste seien seit langem eingestellt worden.

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