Kurzarbeit und weniger Lohn

Hinter verschlossenen Türen überlegen Manager und Firmenchefs fieberhaft, wie sie auf den neuen Wechselkurs des Frankens zum Euro reagieren sollen. Die Thurgauer IHK fordert eine Verbesserung der Rahmenbedingungen.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Christian Neuweiler, Präsident der IHK Thurgau, fordert jetzt mehr Unterstützung der Wirtschaft seitens der Politik. (Bild: Nana do Carmo)

Christian Neuweiler, Präsident der IHK Thurgau, fordert jetzt mehr Unterstützung der Wirtschaft seitens der Politik. (Bild: Nana do Carmo)

WEINFELDEN. Er führt selbst ein Familienunternehmen in der Metallbaubranche, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann. So manche Krisen hat die Neuweiler AG in Kreuzlingen seit ihrer Gründung 1833 überstanden. Doch jetzt steht Christian Neuweiler, Präsident der Thurgauer Industrie- und Handelskammer (IHK) auf und kämpft nicht nur für sein Unternehmen. Der überwiegenden Zahl der KMU nicht nur im Thurgau geht es ähnlich. Die Schockstarre nach dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Mindestkurs aufzugeben, ist also abgelegt. Von der Politik fordert der Thurgauer IHK-Präsident, dass sie die Rahmenbedingungen verbessert. Das Kartellgesetz als Kostentreiber müsse revidiert werden, wirtschaftsfeindliche Vorlagen und Initiativen gehörten bachab geschickt. Ausserdem solle die Unternehmenssteuerreform unterstützt und rasch umgesetzt werden.

Steuern senken

Am Tisch sitzen neben Neuweiler weitere Thurgauer Unternehmer, die ebenfalls nicht nur auf den Putz hauen wollen, sondern sich um ihre Firmen, Mitarbeiter und Arbeitsplätze Sorgen machen. Transportunternehmer Dominik Hasler, Präsident des Arbeitgeberverbandes Mittelthurgau, fordert Steuersenkungen nicht nur bei juristischen, sondern auch bei natürlichen Personen. «Das Inland muss ein Motor für die Schweizer Wirtschaft sein.» Dennis Reichardt, Hauptaktionär der Otto Keller AG und Arboner Arbeitgeberpräsident, sagt dass die Firmenleitungen intern nach Lösungen suchen. Man wolle sicher keine Schnellschüsse und müsse auch mal abwarten, wo sich der Kurs tatsächlich einpendle. Er sagt aber auch: «Die Unternehmen stehen heute besser da, als noch 2011. Damals hatte die SNB bei Parität von Euro und Franken den Mindestkurs eingeführt. Andreas Schmidt, vom Industrieverein Amriswil und ebenso wie Reichardt in der Heizung und Sanitärbranche tätig, betonte, dass im Oberthurgau viele Metallverarbeiter ihren Standort hätten. Der Bau laufe noch gut. Man dürfe nicht in Hektik ausbrechen, aber Firmen wie die Eugster Frismag, die Nestlé zuliefern oder solche, die Stadler beliefern, würden versuchen, neu zu verhandeln. Wobei sich das schwierig gestalte. Der Romanshorner Arbeitgeberpräsident Thomas Maron, der mit seinen Beschattungssystemen in der Textilbranche tätig ist, sagt, je länger die Situation so bleibe, desto schwieriger werde es.

Im Oberthurgau und in Romanshorn und Umgebung seien sehr viele Unternehmen betroffen, die ihre Mitbewerber in der EU hätten. Beat Hirt, Vizepräsident der IHK Thurgau, forderte schliesslich, dass man alte Denkmuster über Bord werfen solle und auch das Undenkbare denken müsse.

So zum Beispiel ein Beitritt zur EU, die Einführung des Euro oder die Kopplung des Frankens an den Euro. «Wir stehen am Beginn einer neuen Ära der Wirtschafts- und Geldpolitik, in der die klassischen Mechanismen nicht mehr funktionieren.»

Schwierig auch für Mitarbeiter

Christian Neuweiler schliesslich wurde konkreter und persönlicher. Natürlich werde in den Unternehmen über Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerung, Streichung von Benefits und Kurzarbeit sowie Standortverlagerungen nachgedacht. Das sei aber auch für Mitarbeiter eine schwierige Situation. Nullrunden und Kürzungen beim Lohn würden Unzufriedenheit auslösen. «Der Mitarbeiter denkt, er arbeite nicht gut genug.» Er warb bei der Arbeitnehmerschaft um Verständnis. Es sei von Vorteil, für die Firma und den Arbeitsplatz, wenn alle an einem Strang ziehen und Mitarbeiter Massnahmen mittragen. Dennoch nimmt er auch die Unternehmer selbst in die Pflicht. Man müsse unter anderem auf Innovation und neue Märkte setzen. «Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Unternehmer.»