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Marktmanipulation der Jungfraubahn: «Mittlerweile sollte jedem Topmanager und jedem Verwaltungsrat klar sein, dass das nicht geht»

Die Bahngesellschaft, präsidiert von HSG-Rektor Thomas Bieger, hat in verbotener Weise ihren Aktienkurs beeinflusst. Experten üben Kritik und äussern Unverständnis über die Machenschaften des Unternehmens.
Thomas Griesser Kym
Züge der Jungfraubahn an der Station Eigergletscher im Sommer. (Bild: PD)

Züge der Jungfraubahn an der Station Eigergletscher im Sommer. (Bild: PD)

«Wenn man nicht attraktiv sein will für Investoren, gehört man nicht an die Börse.» Mit diesen Worten zerzaust Peter V. Kunz, Wirtschaftsrechtler an der Universität Bern, die Argumentation der Jungfraubahn Holding AG für ihre Marktmanipulation. Diese hatte ihre Verkäufe von Aktien aus ihrem Eigenbestand am jeweils letzten Handelstag der Jahre 2014 bis 2016 damit begründet, sie wolle ihre «wirtschaftliche Unabhängigkeit» erhalten und «nicht als Spekulationsobjekt wahrgenommen» werden. Mit anderen Worten: Die Jungfraubahn wollte zu steile Anstiege ihres Aktienkurses unterbinden, um nicht plötzlich auf dem Radar von Raidern - aggressiven und übernahmehungrigen Investoren - auftauchen.

Auf Nachfrage ergänzt Jungfraubahn-Sprecherin Patrizia Bickel, man habe allfällige «ausländische Investoren» abhalten wollen. Wer im Management und/oder im Verwaltungsrat der Jungfraubahn die Marktmanipulationen angeordnet hat und wer alles davon gewusst hat, auf diese Frage geht Bickel nicht ein. Auch sämtliche weiteren Fragen etwa zur Rolle von Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger, dem Rektor der Universität St.Gallen, bleiben unbeantwortet.

«Das ist kein Kavaliersdelikt»

Der Plan der Jungfraubahn, den Aktienkurs jeweils am Jahresende zu drücken, ist jedenfalls gelungen. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) spricht von «bis zu 4 Prozent». In dieser Grössenordnung habe das Unternehmen den Wert seiner Aktie jeweils «gezielt nach unten bewegt», sagt Finma-Sprecher Tobias Lux.

Finanzprofessor Maurice Pedergnana (Bild: PD)

Finanzprofessor Maurice Pedergnana (Bild: PD)

Damit hat die Jungfraubahn laut Finma gegen das aufsichtsrechtliche Verbot der Marktmanipulation verstossen. «Das ist kein Kavaliersdelikt», sagt Lux. Maurice Pedergnana, Finanzprofessor an der Hochschule Luzern, sieht gar «einen gravierenden Fall». Dies nicht so sehr wegen der mutmasslichen Volumen an Aktien, mit denen die Jungfraubahn ihren Kurs beeinflusst hat (die Finma spricht von «umfangreichen Verkäufen», die Bahn selber von Transaktionen «im kleinen und limitierten Rahmen»), sondern weil das Unternehmen damit in unzulässiger Weise in das freie Spiel der Marktkräfte eingegriffen habe.

Finma hat schon früher mehrmals durchgegriffen

Mit Verweis auf frühere Fälle von Marktmanipulation zeigt sich Pedergnana überrascht, dass sich die Jungfraubahn solcher Machenschaften bedient hat. «Mittlerweile sollte jedem Topmanager und jedem Verwaltungsrat klar sein, dass das nicht geht.» In der Tat hat die Finma in jüngerer Zeit mehrmals durchgegriffen. So rügte sie wegen Manipulationen 2012 die Bankengruppe Valiant, 2013 die Basler Kantonalbank (BKB) und 2014 die Bank Coop. Der BKB machte die Finma Auflagen und zog 2,64 Millionen an unrechtmässig erzielten Gewinnen als Folge der Kurspflege ein, gegen den früheren Chef der Bank Coop, Andreas Waespi, verhängte die Aufsichtsbehörde ein dreijähriges Berufsverbot.

Dass es die Finma im Fall Jungfraubahn bei einer Rüge für das Unternehmen belässt, empfindet Pedergnana als «mildes Urteil». Lux sagt, anders als die Banken unterstehe die Jungfraubahn nicht der direkten Aufsicht durch die Finma. Das Verfahren gegen die Bahn fusse einzig auf der Kompetenz der Finma zur allgemeinen Marktaufsicht, die seit 2013 im Börsengesetz verankert ist. «Bei nicht beaufsichtigten Unternehmen können wir nicht viel mehr machen als eine Rüge erteilen», sagt Lux.

Aktionäre könnten geschädigt sein

Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz (Bild: PD)

Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz (Bild: PD)

Pedergnana nennt die Rechtfertigung der Jungfraubahn für ihre Marktmanipulation «läppisch». Denn: «Solche Beeinflussungsversuche gehen an den effektiven Marktkräften vorbei und verpuffen rasch.» Dennoch könnten Jungfraubahn-Aktionäre geschädigt worden sein, die Papiere just zu einem Zeitpunkt verkauft haben, an denen der Aktienkurs als Folge der Manipulation gedrückt war. Sie könnten gegen die Bahn in Kunz' Einschätzung mit einer zivilrechtlichen Haftungsklage vorgehen, doch: «Der Streitwert ist wohl zu gering und das Risiko der Prozess- und Anwaltskosten zu hoch», sagt Pedergnana.

Die Universität St.Gallen und ihre Affären

Wie beurteilt der Professor den Schaden für die Reputation der Universität St.Gallen, deren Rektor Thomas Bieger den Verwaltungsrat der Jungfraubahn Holding AG präsidiert? Zumal der Universität auch andere Affären wie jene um den früheren Raiffeisen-Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm, den mutmasslichen Spesenskandal und die Inhaftierung des Audi-Chefs und früheren Honorarprofessors Rupert Stadler zu schaffen machen. Pedergnana: «Der Reputation ist das sicher nicht förderlich.» Dass Professoren einen Praxisbezug suchen, ist für Pedergnana verständlich. Aber es gehe darum, nicht zu viele Mandate zu sammeln, und gerade Verwaltungsratspräsidenten müssten in ihrem Amt eine erhöhte Sensibilität an den Tag legen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein.

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