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Kommentar

Kurse tauchen an der Börse: Unsere kleinen Grossbanken

Die Börsenkapitalisierung der Grossbanken ist seit der Finanzkrise förmlich geschmolzen. Der Abstand zu Nestlé, Roche und Novartis ist enorm.
Andreas Möckli
Andreas Möckli

Andreas Möckli

Die Aktien der UBS und der Credit Suisse sind für Anleger ein Dauerärgernis. Letzte Woche sind die UBS-Titel für kurze Zeit unter 10 Franken getaucht, das letzte Mal war dies im Jahr 2012 der Fall. Bei der Credit Suisse sieht es nicht viel besser aus. Entsprechend ist auch die Börsenkapitalisierung der beiden Banken seit der Finanzkrise förmlich dahin geschmolzen. Im Vergleich zu Ende 2006 beträgt der Marktwert der beiden Banken heute gerade noch gut einen Viertel der damaligen Zahl. Ganz anders die Entwicklung der drei grössten innerhalb des Börsenbarometers Swiss Market Index: Nestlé, Roche und Novartis erhöhten im gleichen Zeitraum ihren Börsenwert um rund 42 Prozent.

Der Schweizer Finanzplatz besass über Jahrzehnte eine überragende Bedeutung für die hiesige Wirtschaft. An den Banken und den Versicherern kam kaum jemand vorbei – das galt insbesondere für die Politik. Die Ambitionen waren enorm. Die UBS und die Credit Suisse peilten neben der Vermögensverwaltung auch im Investment Banking weltweit einen Spitzenplatz an. Beispielhaft für den damaligen Grössenwahn der Branche war der Masterplan aus dem Jahr 2007: Würden die rechtlichen und steuerlichen Bedingungen für die Banken verbessert, so liesse sich die Wertschöpfung in acht Jahren nicht weniger als verdoppeln. Ein Jahr nach Vorlage des Plans brach die Finanzkrise aus. Der Rest ist Geschichte.

Nestlé ist an der Börse zehnmal mehr Wert als die Credit Suisse

Die Grössenverhältnisse unter den zehn gewichtigsten Konzernen, die an der Börse gehandelt werden, hat sich markant verschoben. Früher war klar: Hinter Nestlé, Roche und Novartis folgen die beiden Grossbanken. Heute befindet sich die UBS auf Platz 7 und die Credit Suisse auf Platz 10. Inzwischen ist der Versicherungskonzern Zurich Insurance deutlich mehr Wert als die UBS. Eklatant ist etwa der Grössenunterschied zwischen Nestlé und der CS: Der Nahrungsmittelkonzern ist an der Börse elfmal mehr wert als die Grossbank.

Natürlich ist der Börsenkurs nur einer von vielen Messgrössen für den Erfolg und die Bedeutung eines Unternehmens. Trotz Stellenabbau sind die Banken noch immer ein wichtiger Arbeitgeber und Ausbildner. Die Wertschöpfung der Branche ist zwar gesunken, bringt es aber immer noch auf einen Anteil von rund neun Prozent an der gesamten Schweizer Wirtschaft.

Dennoch spielt die Musik vermehrt ausserhalb des Paradeplatzes. Nestlé am Genfersee sowie Roche und Novartis am Rhein sind in ihren jeweiligen Branchen weltweit ganz vorne dabei. Zwar mussten auch sie immer wieder Probleme meistern – oder im Falle von Novartis Skandale ausstehen. Dies ist in den letzten Jahren erstaunlich gut geglückt. Nestlé etwa verfehlte in diesem Jahrzehnt gleich fünfmal in Folge das eigene Wachstumsziel. Doch nun hat der Nahrungsmittelkonzern die Verkaufszahlen wieder steigern können, was die Anleger in diesem Jahr mit einem rasanten Kursanstieg belohnten.

Globaler Erfolg ist nicht automatisch positiv für die Schweiz

Bei den beiden Basler Pharmakonzernen zeigt sich ihre Potenz bei den Exporten. Medikamente und Wirkstoffe machen mittlerweile rund 47 Prozent aller Ausfuhren des Landes aus. Zwar spürten auch die beiden Basler Konzerne den starken Franken. Doch im Unterschied zu den meisten anderen Gütern sind Medikamente nicht dem gewöhnlichen Spiel von Angebot und Nachfrage ausgesetzt. Dank staatlich festgelegten Preisen können Wechselkursschwankungen besser aufgefangen werden, als dies etwa in der Maschinen- oder Metallbauindustrie der Fall ist.

Doch globaler Erfolg ist insbesondere bei Novartis und Nestlé nicht gleichbedeutend mit einem Stellenwachstum in der Schweiz – im Gegenteil. Nestlé hat hierzulande über 500 Arbeitsplätze gestrichen, Novartis will gar rund 2000 Stellen abbauen. Das zeigt, wie wichtig eine möglichst weit verzweigte Wirtschaft für unser Land ist. Es wäre daher wünschenwert, wenn auch die Banken zumindest teilweise wieder zu alter Stärke finden würden. Es müssen ja nicht immer gleich ähnlich hochtrabende Ambitionen wie in den Nullerjahren sein.

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