Künstliche Intelligenz am Start Summit: Roboter als Freund und Helfer

Denkfähige Maschinen werden uns in nicht allzu ferner Zukunft als komplementäre Gegenspieler den Alltag erleichtern. Das sagte Christoph Auer-Welsbach von IBM am Start Summit voraus.

Yusuf Barman
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Christoph Auer-Welsbach von IBM malt eine Zukunft aus, in der intelligente Maschinen zum Alltag gehören. (Bild: Michel Canonica)

Christoph Auer-Welsbach von IBM malt eine Zukunft aus, in der intelligente Maschinen zum Alltag gehören. (Bild: Michel Canonica)

Yusuf Barman

Vor weniger als zwei Monaten hat Liberatus vier der weltbesten Pokerspieler in einem dreiwöchigen Pokerturnier besiegt und Pokerchips im Wert von über 1,7 Mio. $ gewonnen. Liberatus, ein Roboter, ist einer der aktuellsten Errungenschaften im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). Auch am diesjährigen Start Summit in den Olma-Hallen in St. Gallen stand das Thema Künstliche Intelligenz im Fokus. Insbesondere am Samstagmorgen haben die Organisatoren von der Universität St. Gallen den Schwerpunkt auf die geschäftlichen Applikationen der KI gelegt.

ETH-Professor und Robotiker Roland Siegwart wies auf die Bedeutung von Deep Learning hin, dem tiefergehenden Lernen. Dieses spiele eine wichtige Rolle für die Zukunft der KI. Ausserdem bestehen zahlreiche Partnerschaften der ETH Zürich im Bereich der Robotertechnik, wie der frühere Gastforscher bei der NASA sagte. Er nannte die Schweiz «einen Schmelztiegel für Robotertechnologie».

«Es geht darum, die Welt intelligenter zu machen»

Den wirtschaftlichen Anwendungsmöglichkeiten von KI widmete sich Christoph Auer-Welsbach vom US-amerikanischen ­IT-Konzern IBM. «Es geht nicht darum, dass in Zukunft die Computer uns die Arbeitsstellen wegnehmen, sondern vielmehr darum, die Welt intelligenter zu ­machen», sagte Auer-Welsbach. Dabei stand der IBM-Supercomputer Watson im Mittelpunkt seines Referats.

Die KI-Software von IBM wurde vor sechs Jahren international bekannt und kommt heute bereits in einigen Unternehmen und vor allem in der Gesundheitsbranche zur Anwendung. Laut Auer-Welsbach erreicht Watson heute eine Fehlerrate von 5,5% wenn es um die Spracherkennung in menschlichen Unterhaltungen geht. Bei Menschen liegt die Fehlerrate im Durchschnitt bei 5,1%.

Intelligente Maschinen sollen aber nicht Menschen ersetzen, sondern ihnen weiterhin dienen. Komplementäre Zusammenarbeit zwischen Mensch und ­Maschine ist das Ziel: Ein operierender Arzt soll zum Beispiel im Rahmen einer natürlichen Konversation, wie wenn er einen Kollegen um Rat fragen würde, auch während des Eingriffs auf die Datenbank von Watson zugreifen können, ohne eine Tastatur oder andere physische Eingabeinstrumente gebrauchen zu müssen. Alle Aufgaben, die Intuition, emotionale Intelligenz und Kreativität benötigen, erledigt weiterhin der Mensch. Alle repetitiven und rein auf der Informationsverarbeitung basierenden Arbeiten soll uns in Zukunft immer mehr die Maschine abnehmen.

Dabei sollen gemäss Auer-Wellsbach die Roboter weitgehend ein «menschliches Gesicht» erhalten, um sich den emotionalen und immateriellen Wünschen ihrer Besitzer anzupassen und eine möglichst intuitive Mensch-Maschine-Interaktion zu ermöglichen. Wir befänden uns aber noch in den frühen Jahren der KI. Ausserdem sei die Rechenleistung im Zusammenhang mit KI noch zu teuer, als dass man Produkte für eine breite Konsumentenmasse anbieten könne. «Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir in naher Zukunft auf unseren Smartphones zum Beispiel einen Verhandlungsassistenten haben werden, der beim Autokauf für uns den Preis aushandelt», meinte Auer-Welsbach.

Wo KI draufsteht ist nicht immer KI drin

Pascal Kaufmann, Gründer des Softwareunternehmens Starmind International, hob während der Podiumsdiskussion zum Thema Geschäftsapplikationen von KI immer wieder hervor, dass der Begriff Künstliche Intelligenz ­inflationär verwendet und oft ­ als Marketinginstrument missbraucht werde. «Was heute den Stempel Künstliche Intelligenz trägt, wird immer gut verkauft. Das heisst aber noch lange nicht, dass ein solches Produkt tatsächlich auch nach den Prinzipien der Künstlichen Intelligenz funktioniert», meinte der Geschäftsführer. Das liege auch daran, dass die Begriffsdefinition von Künstlicher Intelligenz nicht eindeutig abgrenzbar sei.

Kaufmann bekräftigte zudem, dass sich die Computerindustrie im Bereich KI nicht auf die laufende Erhöhung der Rechenleistung konzentrieren sollte. Um einen Paradigmenwechsel im Bereich der KI herbeiführen zu können, müsse man in disruptive, unkonventionelle Technologien investieren. Mit etwa 1% bis 2% der Gesamtinvestitionen in die KI-basierte Computertechnologie sei dieser Bereich heute deutlich vernachlässigt.