KRYPTOWÄHRUNG: Digitales Geld auf dem Vormarsch

Seit der Erfindung vor acht Jahren hat es Bitcoin trotz aller Skepsis und Regulierungen geschafft, fortwährend an Wert zuzulegen. Eine weltweite Akzeptanz als Zahlungsmittel ist dennoch ungewiss.

Yusuf Barman
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Bitcoin und die Blockchain-Technologie bieten die Möglichkeit für ein alternatives Geldsystem. (Bild: David Malan/Getty)

Bitcoin und die Blockchain-Technologie bieten die Möglichkeit für ein alternatives Geldsystem. (Bild: David Malan/Getty)

Yusuf Barman

Wer vor fünf Jahren Bitcoins im Wert von 3000 Fr. gekauft hat, der ist heute Millionär. Als die allererste Bitcoin-Transaktion am 12. Januar 2009 stattfand, existierte noch kein Markt für Bit­coins, kein Wechselkurs zu irgendeiner anderen Währung, überhaupt kein ermittelbarer Gegenwert. Der Bitcoin war ein absolutes Abstraktum. Erst im Oktober 2009 errechneten die Betreiber einer Internetseite mit dem Namen New Liberty Standard den Wert von Bitcoins mit den Kosten für den Strom, den man zur Generierung einer bestimmten Summe der Digitalwährung brauchte: 1309.03 Bitcoins (BTC) kosteten demnach bloss 1 $. Somit war der erste berechnete «Bitcoinkurs» 0.076 Cent. Im Mai 2010 fand die allererste Bezahlung mit Bitcoins statt: Ein Nutzer mit dem Namen Laszlo hatte in einem Bitcoin-Forum 10000 BTC für diejenige Person angeboten, die ihm eine Pizza bei einem lokalen Lieferanten bestellt. Diese Pizza wäre heute rund 10 Mio. Fr. wert. Denn gestern lag der Bitcoinkurs bei 1050 Franken.

Was steckt hinter der Kryptowährung, die noch vor wenigen Jahren lediglich als anonymes Zahlungsmittel für Internetkriminelle und Drogenhändler bekannt war und heute sogar von Wall Street kaum ignoriert werden kann? Das Bahnbrechende hinter Bitcoin ist die zugrunde liegende Technologie: die Blockchain. Diese ist eine internetbasierte dezentralisierte Datenbank und stellt die unabhängige Buchführung der Bitcoin-Transaktionen sicher. Für eine Bitcoin-Zahlung braucht es also keinen Vermittler oder Buchführer, keine Bank, keinen Staat. Trotzdem kann dank der Verschlüsselungstechnologie, welche der Blockchain zugrunde liegt, kein Bitcoin zweimal ausgegeben werden.

Im Dezember 2014 warnte Warren Buffett, der durch erfolgreiche Investitionen zu einem der reichsten Menschen auf der Welt wurde, man solle die Finger von Bitcoin lassen: «Die Idee, dass in ihm ein riesiger Wert steckt, ist aus meiner Sicht nur ein Witz», sagte der Multimilliardär. Trotzdem hat es heute die Kryptowährung als Anlageinstrument in die Investmenthäuser geschafft. Die exorbitanten Kursschwankungen ziehen vorerst aber vor allem Spekulanten und nur wenige Langzeitinvestoren an.

Bitcoin hinterfragt das etablierte Geldsystem

Eines kann Bitcoin gut, er lässt das bestehende Geldsystem in Frage stellen. Denn heute wird das Geld, welches wir täglich in Form von Noten, Münzen, Plastik und elektronischen Transaktionen verwenden, als eine Selbstverständlichkeit angenommen. Zu Beginn war Geld aber anders. Zahlungsmittel wie Gold- oder Silbermünzen hatten einen einfach bestimmbaren intrinsischen Wert. Spätestens seitdem der Goldstandard aufgelöst wurde, ist der Wert jeder Währung im Grunde genommen von unserer Nachfrage und damit unserem Vertrauen in die verschiedenen Geldeinheiten abhängig. Genauso wie bei Bitcoin. Der grosse Unterschied ist, dass bei der Kryptowährung im Gegensatz zu herkömmlichen Zahlungsmitteln das Angebot von keiner Zentralbank, also keinem Staat, beeinflusst werden kann: der Traum eines jeden Libertären. So sagte einer der ersten Bitcoin Investoren Roger Ver, der auch für die amerikanische Libertarian Party kandidierte: «Im letzten Jahrhundert ging es um die Trennung von Kirche und Staat, heute können wir mit Bitcoin nun auch Geld vom Staat trennen».

Bitcoin vergessen, auf Blockchain setzen

Unabhängig davon, ob sich Bitcoin als global anerkannte Währung und alltägliches Zahlungsmittel durchsetzt, hat der unbekannte Erfinder mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto eine bahnbrechende neue Technologie geschaffen: die Blockchain. Vereinfacht kann man sich diese als ein Kassenbuch vorstellen, in der Ein- und Ausgänge von Geld verzeichnet werden. Das revolutionäre an der Technologie ist, dass blockchain-basierte Journale nicht zentral von einem Individuum geführt werden. Mit dieser neuen Methode werden Datenbanken von einem Netzwerk bestehend aus einer Vielzahl an Computern gepflegt und unveränderbar abgespeichert. Dadurch ist die Blockchain nicht im Nachhinein manipulierbar und erheblich sicherer als zentrale Datenbanksysteme.

Mittlerweile investieren auch viele Grossbanken wie die UBS oder die CS in die Blockchain-Technologie. Bei der Credit Suisse ist man der Ansicht, dass die Interbank-Zahlungssysteme reif für eine Umwälzung wären. Transaktionsmethoden wie Swift sind alt, unflexibel, langsam und zunehmend anfällig für Cyberattacken. Heute stehen zudem Banken unter dem gewaltigen Druck, Kosten zu senken und ihre Kundendaten vor Hackern zu schützen. Blockchain könnte beides leisten.

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