Stöckli im Visier der Weko: Ehemaliger Wettbewerbshüter hält
die Untersuchung für «absurd».

Die Untersuchung gegen den Skihersteller wegen Preisabreden sei absurd, sagt ein ehemaliger Weko-Vizedirektor. Die Wettbewerbshüter verteidigen ihr Vorgehen.

Roman Schenkel
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Der letzte Schweizer Skihersteller mit Produktion in Malters steht im Fokus der Weko. (Bild: Urs Flüeler/Keystone 10. Juni 2010)

Der letzte Schweizer Skihersteller mit Produktion in Malters steht im Fokus der Weko. (Bild: Urs Flüeler/Keystone 10. Juni 2010)

Wer sich für den kommenden Winter neue Ski zulegen will, der hat die Qual der Wahl. Im Sportgeschäft stehen sie aufgereiht: Völkl, Head, Salomon, Atomic – oder Stöckli. Die gleichnamige Firma ist sozusagen der «letzte Mohikaner». Stöckli hat als einziger grosser Schweizer Skihersteller überlebt. Gut 55000 Paar Ski stellt Stöckli pro Jahr her. Nach einem Ausbau der Produktion in Malters 2017 will Stöckli das Volumen weiter nach oben schrauben. Die Kapazität liegt aktuell bei 65000 Ski pro Jahr.

Dabei ist die Zahl der insgesamt in der Schweiz verkauften Ski in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen (siehe Grafik). 500000 Ski wurden im Winter 1986/1987 verkauft, 185000 Paar waren es 30 Jahre später. Das aufkommende Mietgeschäft und die abnehmende Zahl von Ski­fahrern sind die Hauptgründe für den Rückgang. Immerhin: Dank dem Aufschwung im Tourismus und dem frühen Schneefall im vergangenen Jahr gab es im Winter 2017/18 eine kleine Trendwende.

Der Konkurrenzkampf im Skigeschäft ist aufgrund des schrumpfenden Marktes hoch. Mit einem Marktanteil von rund 14 Prozent liegt Stöckli knapp hinter den ausländischen Playern Head, Atomic und Rossignol. Der Wettbewerb – so scheint es – spielt. Die Wettbewerbskommission Weko sieht dies allerdings anders. Im Oktober gab sie bekannt, dass sie eine Untersuchung gegen Stöckli eingeleitet hat (wir berichteten). Der Hauptvorwurf: Der Skihersteller soll den Händlern vorgegeben haben, zu welchem Preis sie die Stöckli-Ski verkaufen dürfen. Geprüft wird zudem, ob Stöckli den Onlinehandel verboten und Querlieferungen zwischen den Händlern verhindert haben soll.

Kompetitives Verhalten, keine Abreden

Für den früheren Weko-Vizedirektor und heutigen ökonomischen Berater Markus Saurer ist die Weko-Untersuchung «absurd». «Preisdifferenzierung ist im Wettbewerb ein Muss», sagt Saurer. Die Preisvorgaben von Stöckli an die Händler seien nichts anderes als kompetitive Verhaltensweisen im offensichtlich harten Markenwettbewerb. «Ob sie richtig oder falsch sind, entscheidet der Markt», sagt er. Wer sich für einen Ski aus Schweizer Produktion entscheide, der bezahle nun einmal etwas mehr. Der Konsument habe aber die Wahl, es gebe keinen Zwang. «Wem Stöckli-Ski zu teuer sind, dem bieten sich zahlreiche Alternativen», so Saurer. Dass die Weko Stöckli verbieten will, die Preise vorzugeben, sei ökonomisch «total falsch».

Mehrere kontaktierte Sporthändler zeigen sich ob der Weko-Untersuchung überrascht. Preisvorgaben von Stöckli seien nicht strikt. «Ich kann meinen Stammkunden einen Rabatt auf Stöckli-Ski geben, wenn ich möchte», sagt etwa Roger Bayard, der in Zermatt und anderen Standorten im Wallis Sportgeschäfte betreibt. Die Sporthändler erhalten von Stöckli für jede Saison Preislisten, die klar als unverbindliche Preisempfehlung gekennzeichnet seien. Auch Stöckli-Chef Marc Gläser war über die Untersuchungseröffnung erstaunt. «Wir haben seit einigen Monaten Kenntnis von den Vorabklärungen der Weko. Stöckli kooperiert vollumfänglich und wir sind zuversichtlich eine konstruktive Lösung zu finden», sagt Gläser, der seit 2014 den Skihersteller mit seinen 250 Angestellten leitet.

Schweizer Produktion hat ihren Preis

Das Geschäftsmodell von Stöckli ist stark vertikal ausgerichtet. Als vor gut 50 Jahren ausländische Anbieter den Schweizer Markt mit günstigen Produkten fluteten, krempelte die Firma ihr Geschäftsmodell um. Die Ski wurden nur noch ab Fabrik und in eigenen Fachgeschäften verkauft. Dank der Qualität, der hohen Nachfrage und dem Direktvertrieb mit qualifizierten Fachhändlern kann Stöckli wirtschaftlich mithalten – trotz harter Konkurrenz ausländischer Anbieter.

Ein einzelner Produzent kann weder Preise vorgeben noch gestalten.

Die Produktion in der Schweiz hat aber ihren Preis. Die ausländische Konkurrenz lässt in Österreich und Osteuropa produzieren, wo die Produktionslöhne deutlich tiefer sind. «Um unsere Kosten zu decken, müssen wir im Premium-Segment bleiben», erklärt Gläser. Und auch die Fachhändler müssten etwas verdienen und ihre Preise frei gestalten können, dies dürfe man nicht vergessen. «Der Skimarkt steht in einem harten Wettbewerb – die Preise sind abhängig von der Nachfrage und der Qualität der Produkte – ein einzelner Produzent kann weder Preise vorgeben noch gestalten», sagt er.

Weko hat Informationen aus dem Markt erhalten

Nach einem Bundesgerichtsurteil gegen den Zahnpastahersteller Gaba aus dem Jahr 2016 hat die Weko im vergangenen Jahr ihre Praxis bei vertikalen Preisabreden angepasst. Zur Kritik an der Untersuchung gegen Stöckli äussert sich die Weko nicht. «Wir wenden das Gesetz an», sagt Weko-Direktor Patrik Ducrey. Nach «Informationen aus dem Markt» sei seine Behörde tätig geworden.

Er betont, dass sich an der Praxis seit dem Gaba-Bundesgerichtsurteil eigentlich nichts geändert habe. «Preisabreden waren schon vorher grundsätzlich verboten.» Neu ist einzig, dass es bei Preis- oder Gebietsabreden keine Rolle mehr spielt, ob diese vom Händler auch umgesetzt wird. «Es genügt, wenn der Hersteller seinen Händlern verbindlich vorgibt, zu welchem Preis sie die Ware verkaufen sollen. Ob sie dem Preisdiktat tatsächlich folgen, spielt keine Rolle mehr», sagt Ducrey.

Preisvorgaben an unabhängige Partner könnten nur in Form von unverbindlichen Empfehlungen erfolgen. «Dabei darf kein Druck vom Hersteller erfolgen», sagt Ducrey. Stöckli könne problemlos in den eigenen Geschäften die Preise festsetzen, den unabhängigen Partnergeschäften jedoch nicht, sagt Ducrey.