Krise schadet der Schönheit

Venezuela ist das Land der Schönheitsköniginnen. Um sie herum ist ein blühender Wirtschaftszweig gewachsen. Doch die ökonomische Krise hat Silikonimplantate und Kosmetika zu Mangelware werden lassen.

Regine Reibling
Drucken
Teilen
Mariana Jiménez nach ihrer Wahl zur Miss Venezuela vor einem Monat. (Bild: ap/Fernando Llano)

Mariana Jiménez nach ihrer Wahl zur Miss Venezuela vor einem Monat. (Bild: ap/Fernando Llano)

CARACAS. Für Ileanne Dávila ist es ein enttäuschender Einkaufsbummel. «Ich bin in jeden Laden gegangen, der normalerweise Schminke verkauft. Aber Lidschatten habe ich nicht gefunden», berichtet sie in der Zeitung «El Universal». Die 19jährige Studentin arbeitet auf eine professionelle Modelkarriere hin. Statt Lidschatten habe sie dann Lippenstift benutzt. «Puder in meinem Hautton gibt es auch nicht. Manchmal mische ich zwei verschiedene Töne.»

Wie Dávila geht es vielen Frauen in Venezuela. Kosmetika sind Mangelware, sie aufzutreiben gleicht einer Schatzsuche. Die Wirtschaftskrise macht der Schönheitsindustrie zu schaffen. Und das in einem Land, in dem Schönheit als Obsession begriffen wird, Schönheitsoperationen zum Alltag gehören. 13 Titel haben venezolanische Schönheiten bei internationalen Miss-Wahlen gewonnen – mehr als jedes andere Land der Welt.

Unbezahlbare Implantate

Nach Angaben der Internationalen Gesellschaft für Plastische Chirurgie gab es im vergangenen Jahr 85 000 Brustimplantationen in Venezuela. In Lateinamerika ist nur in Brasilien und Mexiko die Zahl dieser Eingriffe noch höher. Doch seit einigen Wochen sind Silikonimplantate in Venezuela immer schwerer zu bekommen. Die immense Inflation von mehr als 60% lässt die Preise stetig steigen, Importe werden durch die strengen Devisenkontrollen fast unbezahlbar. Ärzte steigen laut Medienberichten daher auf Produkte ohne Qualitätszertifikate um. Immer mehr Frauen bestellen ihre Implantate im Internet und heizen damit den Schwarzmarkt an, schreibt die englische «Daily Mail».

Ein Liter Shampoo pro Person

Die Krise ist nicht nur für die Schönheitsköniginnen eine Bedrohung, sondern auch für zahlreiche Unternehmer, die in diesem Geschäft ihren Lebensunterhalt verdienen. David Gregorio betreibt einen Coiffeursalon und ein Schminkstudio. Die Situation sei noch nie so hart gewesen wie jetzt, sagt er gegenüber der Zeitung «El Nacional». Gregorio spricht von einer Odyssee, um seine Produkte zu bekommen. Grosshändler verkauften nur noch einen Liter Shampoo pro Person. Und das reiche nicht mal mehr für eine Woche, auch nicht, wenn nur wenige Kunden kommen, sagt der 40-Jährige. In Tageszeitungen und Zeitschriften erscheinen sogar schon Tips, wie man sein Shampoo selbst mischen kann.

Kampf gegen Schwarzmarkt

Seit Ende Oktober sind auch die kleinen Verkaufsstände auf der Strasse verboten. Sie sind Teil des blühenden Schwarzmarkts im Land. An den Ständen waren die Kosmetikprodukte zwar drei- bis vierfach überteuert, aber wenigstens noch zu haben. Die Regierung argumentiert, der Schwarzmarkt begünstige die Mangelwirtschaft. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro spricht von «Diebstahl». Die Händler kauften in den offiziellen Geschäften die Produkte auf und verkauften sie später illegal und überteuert.

Favoritin bei Miss Universe

Trotz aller Schwierigkeiten, der natürlichen Schönheit nachzuhelfen, werden venezolanische Frauen bei internationalen Miss-Wahlen immer noch hoch gehandelt. Die frisch gekürte Miss Venezuela, Mariana Jiménez, gilt als Favoritin für die Wahl der Miss Universe im Januar. Wenn sie gewinnt, bleibt die Krone in der Heimat, denn auch die amtierende Miss Universe stammt aus Venezuela.

Aktuelle Nachrichten