Kraftakt im Detailhandel

Die kanadische Hudson's Bay will ein global führender Detailhändler werden. Der Konzern mit jahrhundertealten Wurzeln sieht die Übernahme von Kaufhof als wichtigen Schritt dorthin.

John Dyer
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Gehört neu zum Imperium des kanadischen Handelsriesen Hudson's Bay: Kaufhof mit Standorten in Deutschland und Belgien. (Bild: epa/Sören Stache)

Gehört neu zum Imperium des kanadischen Handelsriesen Hudson's Bay: Kaufhof mit Standorten in Deutschland und Belgien. (Bild: epa/Sören Stache)

Die deutsche Metro-Gruppe verkauft die Warenhauskette Kaufhof für 3,19 Mrd. $ an die kanadische Hudson's Bay. Metro gab der Traditionsfirma Hudson's Bay – immerhin im Jahr 1670 gegründet – den Vorzug vor dem Mitbewerber, dem Karstadt-Besitzer Rene Benko. Somit haben die Österreicher das Nachsehen.

Erstmals in Europa

Zu Hudson's Bay gehören die ebenso traditionsreichen Ketten Lord&Taylor und Saks Fifth Avenue in Nordamerika. Durch den jetzigen Milliardendeal stossen 103 Geschäfte in Deutschland und 32 in Belgien dazu. Mit dem Engagement bei Kaufhof setzt das kanadische Unternehmen erstmals seinen Fuss auf europäischen Boden. Weltweit verfügt Hudson's Bay jetzt über 464 Geschäfte. Ein Drittel des Geschäftsvolumens von 10,6 Mrd. $ wird künftig aus Europa kommen.

Deutscher Prinz war erster Chef

«Diese Transaktion ist ein wichtiger Schritt vorwärts in unseren Plänen, zu einem global führenden Detailhändler zu werden», sagte Jerry Storch. Der Chef von Hudson's Bay hielt fest, man wolle geographisch auseinanderliegende Geschäfte in den USA und Kanada mit jenen in Deutschland und Belgien zusammenbringen und sich ergänzen. Bisher hatte sich die Hudson's Bay Company ganz auf Nordamerika beschränkt.

Die Geschichte des Unternehmens ist eng verbunden mit der Eroberung und Kolonialisierung des amerikanischen Nordwestens. Zunächst suchten die Pfadfinder, Trapper und Pelzhändler von der Hudson Bay in Kanada aus ab 1670 die zu jener Zeit legendäre Nordwest-Passage vom Atlantik zum Pazifik. Erster «Gouverneur» der Firma war ein deutscher Adeliger, Prinz Ruprecht von der Pfalz. Als Cousin von König Charles II. gehörte er auch zum englischen Hof. Das Einzugsgebiet der Hudson's Bay Company war schon damals riesig, reichte von Labrador an der Atlantikküste über die Prärie und die Rocky Mountains bis zum Pazifik. Das Gebiet um die Hudson Bay heisst noch heute Rupert's Land. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Hudson's Bay Company gleichbedeutend mit Kolonisierung durch die britische Krone.

Die erste Firmenfusion geschah unter Zwang durch die Briten. Die Hudson's Bay Company wurde mit der Konkurrenz verschmolzen, der North West Company. Mit der hatte man sich zuvor einen blutigen Krieg geliefert. Bis in die 1930er Jahre lenkten ausschliesslich britische Politik und Geschäftsleute die Geschicke der Hudson's Bay Company. Anfang des 20. Jahrhunderts machte die Company ihre ersten sechs Warenhäuser auf. Zwischen 1970 und 1990 trennte sich Hudson's von allen anderen Geschäftsbereichen und widmete sich ausschliesslich den Warenhäusern.

Sprungbrett für den Ausbau

2008 wurde die Firma von der amerikanischen NRDC Equity Partners übernommen. Schon damals beliess man das Management im Amt, so wie es auch jetzt bei Kaufhof geschehen soll. Lord&Taylor, die älteste Kaufhauskette der USA, wurde angeschlossen und 2013 auch die renommierte Kette Saks Fifth Avenue, Kaufpreis: 2,4 Mrd. $. Richard Baker ist Verwaltungsratspräsident bei Hudson's Bay Company. Baker: «Wir glauben, dass Deutschland der beste Ausgangsort für unsere europäische Expansion ist. Wir werden mit aller Macht investieren.»