Kostentransparenz als Knacknuss

Wo Menschen mit Einschränkungen arbeiten, stossen Standardlösungen an Grenzen, wenn es darum geht, Kosten zu berechnen. Das soziale Unternehmen Valida hat FHS-Studierende beauftragt, Lösungen für eine nachvollziehbare Kalkulation zu erarbeiten.

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Die FHS-Studenten Céline Grütter und Daniel Caluori bei der Valida. (Bild: Urs Bucher)

Die FHS-Studenten Céline Grütter und Daniel Caluori bei der Valida. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Paletten mit Holz rollen durch die Werkhalle, Sägeblätter fressen sich durch Balken, ein Arbeiter schneidet Bretter zu, Maschinen dröhnen. Es riecht nach frischem Holz. Daniel Naef, Leiter Verwaltung der Valida, diskutiert mit Studierenden der Fachhochschule St. Gallen (FHS) die speziellen Produktionsabläufe. Alle Arbeitsschritte der 450 Leute verursachen Kosten – das ist in einem sozialen Unternehmen wie der Valida in St. Gallen wie in jeder Firma. Doch die Kosten entstehen anders.

Mitarbeitende und Angestellte

Die Valida unterscheidet intern zwischen Mitarbeitenden und Angestellten. Die Mitarbeitenden sind Menschen mit einer geistigen, psychischen oder körperlichen Einschränkung, die im ersten Arbeitsmarkt nicht bestehen. Sie brauchen mehr Betreuung, erbracht von den Angestellten. «Die Anleitung und Betreuung der Mitarbeitenden können wir nicht auf die Preise umwälzen», sagt Naef. Deshalb erhält die Valida Beiträge vom Kanton, in dessen Auftrag sie spezielle Arbeitsplätze bereitstellt. Die Frage ist also: Welche Herstellungskosten entstehen bei den Mitarbeitenden, und welche fallen durch die Betreuung durch Angestellte an, aber auch aufgrund der schwankenden Leistung der Mitarbeitenden?

Fischen im trüben

«Rasch haben wir gemerkt, dass klassische Kostenrechnungsmodelle ungeeignet sind», sagt Student Daniel Caluori. Im Praxisprojekt wollte er gemeinsam mit Shahire Rexhepi, Ana Surac, Céline Grütter und Corinne Frischknecht Kostentransparenz herstellen. «Zu Beginn fischten wir im trüben», sagt Auftraggeber Naef, «denn für unsere Branche existierte nichts Vergleichbares». Die Komplexität sei immens. «Wir haben viel getüftelt und diskutiert, bis wir die Lösung hatten», sagen die Studierenden. Um Minuten-Kostensätze für Mitarbeitende, Angestellte, Gemeinkosten und die Betreuung zu berechnen, analysierten sie Arbeitsprozesse, beobachteten die Mitarbeitenden mit deren Leistungsschwankungen über zwei Wochen und massen den Zeitaufwand für einzelne Arbeitsschritte. Mit den Daten konnte dann ein Kalkulationstool gefüttert werden, das die Studierenden mit Excel programmiert hatten.

FHS-Dozent Lothar Natau begleitete das Team. Es habe eine enorme Leistung erbracht. «Das Tool ist sofort einsetzbar, es besticht gleichzeitig durch Einfachheit und Genauigkeit.» «Wir wissen nun, welche Produkte nach marktüblichen Kriterien rentierten und bei welchen wir nachverhandeln müssen», sagt Naef. Zudem habe er bessere finanzielle Planungssicherheit. (red.)