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KOSTEN: Amazon nimmt sich den Gesundheitsmarkt vor

Konzernchef Jeff Bezos will zusammen mit Investor Warren Buffett und Grossbanker Jamie Dimon die US-Gesundheitsbranche umkrempeln. Das weckt hohe Erwartungen – vielleicht zu hohe.

Auf den ersten Blick wirkt die ­Ankündigung wie eine Kriegserklärung an eine sehr lukrative Branche: Amazon, Berkshire ­Hathaway und JP Morgan wollen ein neues Unternehmen gründen, das den US-Gesundheitsmarkt aufmischen soll (vgl. Ausgabe von gestern). Dazu muss man wissen, dass die drei Firmen zusammen 1,2 Millionen Menschen beschäftigen (im In- und Ausland), für Innovationen bekannt sind und dank ihrer Aushängeschilder Jeff Bezos, Warren Buffett und Jamie Dimon ihre Botschaft problemlos verkaufen können. Das neue Unternehmen werde nicht profitorientiert sein und einen Weg suchen, die Kostenexplosion auf dem Gesundheitsmarkt in den Griff zu bekommen, hiess es in der Mitteilung.

Auf den zweiten Blick jedoch wirft die Ankündigung mehr Fragen als Antworten auf. Erstens ist noch völlig ungewiss, was das Trio eigentlich vorhat. Wollen Sie eine neue Krankenkasse gründen? Oder mit Ärzten, Spitälern und der Pharmaindustrie bessere Konditionen aushandeln? Oder wollen die Firmen ihre Angestellten rundum versorgen und auch Spitäler betreiben?

Hinzu kommt, dass auch ein Gigant wie das Internet-Warenhaus Amazon, das ganze Branchen auf den Kopf stellt, sich an den komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen des Gesetzgebers für die Gesundheitsbranche orientieren muss. In dieser Debatte redet nicht nur Washington ein gewichtiges Wort mit; auch die 50 Bundesstaaten verabschieden Vorschriften für Krankenkassen und Spitäler. Diese Leitplanken können von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich sein, was für einen neuen Anbieter zunächst langwierige Bewilligungsverfahren bedeuten würde.

Hinzu kommt, wie Experten sagen, dass die drei Konzerne zwar die Gesundheitskosten von Hunderttausenden Angestellten (und deren Familien) tragen, dass aber andere grosse Arbeitgeber wie Walmart oder Caterpillar in der Vergangenheit erfolglos versucht hätten, die Rahmenbedingungen in der Branche zu verbessern. Es sei «ziemlich übertrieben» zu sagen, dass Bezos, Buffett und Dimon einen grösseren Einfluss auf die Preisgestaltung haben könnten, sagt ein Analyst der «New York Times». Das hängt auch damit zusammen, dass an der Schnittstelle zwischen der Pharmaindustrie und dem Gesundheitspersonal viele Zwischenhändler tätig sind.

Andererseits: Gerade Bezos und Buffett sind bekannt dafür, dass sie nicht leichtsinnig in neue Projekte investieren. Und der Zeitpunkt für den gesundheitspolitischen Vorstoss ist nicht schlecht gewählt, sieht sich die Pharmaindustrie doch in den USA massiv unter Druck. So verkündete Präsident Donald Trump am Dienstag in seiner Rede zur Lage der Nation: Es sei «sehr, sehr unfair», dass Amerikaner derart viel für rezeptpflichtige Medikamente bezahlen müssten. Und Trump versprach, dass er dieses Jahr Gegensteuer geben werde: «Die Preise werden substanziell sinken. Passen Sie auf!»

Renzo Ruf, Washington

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