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KOSMETIK: Schokolade unter der Dusche

Körperpflegeprodukte mit Gourmand-Düften liegen im Trend. Trotzdem mögen Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin auch klassische Düfte – immer lieber auch auf dem Teller statt nur auf der Haut.
Andreina Thoma (sda), Bern
Unter der Dusche kann es auch mal nach Vanille, Schoggi oder Donuts duften. (Bild: Getty)

Unter der Dusche kann es auch mal nach Vanille, Schoggi oder Donuts duften. (Bild: Getty)

Andreina Thoma (SDA), Bern

Sie sehen zum Anbeissen aus und duften nach Kuchen, Zuckerwatte oder Popcorn: Die Seifen und Badekugeln der Kosmetikkette Lush. Das englische Unternehmen betreibt weltweit über 900 Läden. In der Schweiz sind es mittlerweile 18 Geschäfte. Die Körperpflegeprodukte, die nach Lebensmitteln duften, scheinen immer beliebter zu werden. Im vergangenen Jahr konnte Lush seinen Markenumsatz um 26 Prozent steigern und im ersten Semester 2017 um 22 Prozent.

Tatsächlich waren die Gourmand-Noten letztes Jahr eine der beliebtesten Duftrichtungen bei Kosmetika in Europa. 17 Prozent der neu lancierten Produkte dufteten nach Lebensmitteln. Beliebter waren nur noch die floralen Düfte mit einem Anteil von 23 Prozent. Das zeigt eine Auswertung, basierend auf Zahlen der Marktforschungsfirma Mintel. Diesen Trend spürt auch Mibelle: «Im Körperpflegesegment verzeichnen wir eine wachsende Beliebtheit an Düften wie Schokolade, Karamell oder auch Kuchendüften», sagt Michael Peck, Leiter Produktentwicklung der Migros-Kosmetiktochter.

Belohnung unter der Dusche

Mit Duschschäumen, die etwa nach Donuts oder Vanilleglace riechen, ist vor anderthalb Jahren auch die deutsche Marke Bilou auf den Gourmand-Zug aufgesprungen. Mit Erfolg: In Deutschland erreichte Bilou laut den Marktforschern von Nielsen innerhalb kurzer Zeit einen Marktanteil in Drogeriemärkten von 8 Prozent. In der Schweiz, wo Manor die Bilou-Produkte seit Mai 2016 verkauft, gebe es bei der Einführung neuer Schäume jeweils hohen Andrang, heisst es seitens der Warenhauskette.

Essensdüfte in Kosmetika sind beliebt, denn sie geben uns ein gutes Gefühl, wie Thomas Hummel sagt, Riechforscher am Universitätsklinikum Dresden: «Gibt man Lebensmitteldüfte in die Nase, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert. Bei Gourmand-Düften geschehe das eher als bei blumigen Düften. Zudem möge der Mensch, was er kennt. «Mit Lebensmitteldüften sind wir vertraut. Jeder weiss zum Beispiel, wie Schokolade riecht», sagt Hummel. Mit blumigen Düften, etwa mit Lavendel, kennen wir uns dagegen weniger gut aus.

Wo süsser Duft nicht punkten kann

Den Wunsch nach Vertrautem in der Parfümerie beobachtet auch Peter Wullschleger, Sprecher des Genfer Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan. Laut Wullschleger gilt: «Was in der Küche gut schmeckt, riecht man auch auf dem Körper gern. Vor zehn Jahren noch assen die Leute besonders gerne asiatische Gerichte, und auch in der Kosmetik waren exotische Düfte sehr gefragt.» Jetzt zeige der Trend wieder in Richtung Tradition. Givaudan forsche deshalb gezielt nach vertrauten Noten. Ein Beispiel sei der Duft «Pomarose», der gleichzeitig nach Rosen und nach Apfelwähe rieche. Vergangenes Jahr war allerdings Kokos der Spitzenreiter unter den Gourmand-Düften in Europa, wie Zahlen der Forschungsfirma Mintel zeigen. Auf Platz zwei und drei folgten Vanille und Mandel.

Schon länger als Kosmetika werden Reinigungsmittel mit Düften von Lebensmitteln attraktiv gemacht. Anders als in der Körperpflege können bei Putzmitteln süsse Düfte allerdings nicht punkten. «Bei Reinigungsmitteln muss der Duft frisch und sauber riechen», erklärt Cornelius Nussbaumer, Chemiker und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Aromen- und Riechstoff-Industrieverbands. Der Duft der gelben Zitrone etwa besage «alles ist gut», obwohl das natürlich noch nichts über die Sauberkeit aussage, weiss Nussbaumer.

Verkehrte Aromenwelt

Kosmetikprodukte sind zum Verzehr zwar meist ungeeignet, Feinschmecker können sich aber trotzdem freuen: Wullschleger von Givaudan stellt nämlich auch bei Lebensmittelaromen einen neuen Trend fest. «Aromen, die für Lebensmittel eher atypisch sind, finden sich vermehrt in Speisen wieder», sagt Wullschleger. Als Beispiele nennt er Lavendel- oder Rosenglace. Aber auch Tonkabohnen, die in der Luxusparfümerie verwendet werden, sind vermehrt Bestandteil von Desserts oder Steaksaucen. Laut Christine Schäfer, Trendforscherin am Gottlieb-Duttweiler-Institut, spielt auch hier das Bedürfnis nach Tradition eine Rolle. «Rosen, Lavendel und Holunderblüten hat man schon zu Grossmutters Zeiten in Speisen integriert», sagt Schäfer. Glace habe man damals aber kaum gemacht. «Es handelt sich also eher um eine Wiederentdeckung in neuer Form», sagt die Forscherin.

Nostalgie hin oder her, bei den Kunden von Schweizer Detailhändlern haben es solche Produkte noch schwer. Eine Rosenblätterkonfitüre zum Beispiel wird von der Migros wieder aus dem Sortiment genommen. Das Interesse der Kunden sei zu gering, sagt eine Sprecherin. Und auch Wullschleger hält fest: «Im Bereich Aromen ist der Konsument ganz klar konservativer als bei den Duftstoffen.»

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