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Chinas Google: Die Kopie schlägt
das Original

Der Suchmaschinengigant Google prüft eine Rückkehr nach China. Doch dort wartet ernsthafte Konkurrenz: Baidu. Der Gründer lernte sein Handwerk im Silicon Valley.
Adrian Lobe
Baidu-Chef Robin Li hat keine Angst vor dem Suchmaschinen-Giganten Google. (Bild: Getty (Peking, 16. November 2017))

Baidu-Chef Robin Li hat keine Angst vor dem Suchmaschinen-Giganten Google. (Bild: Getty (Peking, 16. November 2017))

Seit ein paar Wochen gibt es Spekulationen, ob Google mit einer Zensurversion seiner Such­maschine auf den chinesischen Markt zurückkehrt. 2010 hatte sich der Internetkonzern wegen Zensurvorschriften aus dem China-Geschäft zurückgezogen. Die Investigativ-Plattform «The Intercept» hatte Details zu dem Projekt mit dem Codenamen «Dragonfly» enthüllt: Demnach arbeitet Google an einer Software, welche sensible Suchanfragen zensieren soll. Die App soll zudem Suchanfragen mit der Telefonnummer der Nutzer verknüpfen. China ist mit 800 Millionen Internetnutzern ein riesiger Wachstumsmarkt.

Doch die Annahme, dass Google mit einer zensurierten Software im Reich der Mitte eine «gemähte Wiese» vorfindet, ist verfehlt. Denn dort dominiert der Platzhirsch Baidu mit einem Marktanteil von 70 Prozent den Suchmaschinenmarkt. Baidu-Chef Robin Li liess bereits vollmundig verkünden, dass sein Unternehmen den amerikanischen Konkurrenten bei einer Rückkehr bezwingen werde: «Wenn Google sich dafür entscheidet, nach China zurückzukehren, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir den Spieler eliminieren und gewinnen werden.» Der 50-Jährige bemühte für seine markigen Worte eine Analogie zur Welt der Computerspiele.

Suchmaschine vor Google entwickelt

Doch wer ist dieser aggressive Player? Das «Google Chinas», als das die Suchmaschine apostrophiert wird, ist auf den ersten Blick ein harmloser Google-Klon: Suchfenster, Trefferliste, Design der Webseite – all das erinnert an das Vorbild aus Kalifornien. Einzig das Logo, die blaue Pfote, das Markenzeichen von Baidu, unterscheidet sich (es gab in China bereits eine Fake-Version von Goo­gle, goojje.com, die im Stile der Shanzhai-Kultur das Logo kopierte und den Markennamen verfälschte). Doch unter dem optisch ähnlichen Chassis verbirgt sich eine jeweils andere Motorentechnologie: Baidu hat über die Jahre einen hochleistungsfähigen Algorithmus entwickelt, der im Gegensatz zu Google, dessen ­Page-Rank-Algorithmus Suchtreffer nach der Hyperlinkstruktur anordnet, stärker die einzelnen Wörter im Kontext gewichtet. Entsprechend anders sind die Regeln, nach denen kommerzielle Suchmaschinenoptimierung (SEO) funktioniert. Es gibt Stimmen, die behaupten, dass in Wahrheit Google Baidu kopiert habe, weil Li bereits 1996 eine Suchmaschine namens Rank Dex entwickelt habe – die Stanford-Computerwissenschafter und späteren Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page veröffentlichten ihren legendären Aufsatz («The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine») erst 1998.

Eigenen Konkurrenten herangezüchtet

Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die chinesische Suchtechnik mit amerikanischem Know-how und Geld entstand. Nachdem Li von chinesischen Spitzenunis abgelehnt wurde, schickte er wahllos Bewerbungen an Hochschulen auf der Welt und schrieb sich schliesslich an der international nicht gerade renommierten University at Buffalo für Computerwissenschaften ein. Nach seinem Abschluss 1994 heuerte er zunächst bei Dow Jones and Company an, wo er ein Softwareprogramm für die Online-Ausgabe des «Wall Street Journal» entwickelte, um drei Jahre später zur Suchmaschine Infoseek in Sunnyvale im Silicon Valle zu wechseln. Mit seinem Kollegen Eric Xu tüftelte er an einem Suchkonzept und gründete sein eigenes Unternehmen: Baidu. Die Kontakte aus dem Silicon Valley halfen den Unternehmensgründern bei der Anschubfinanzierung. Mit 1,2 Millionen Dollar Startkapital kehrte Li nach China zurück.

Der Baidu-Gründer, schreibt der Journalist Stephan Scheuer in seinem gerade erschienenen Buch «Der Masterplan. Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft», sei der «einzige Technologie-Unternehmer, der das Geschäft im Silicon Valley gelernt und das Kernkonzept für seine Suchmaschine selbst entwickelt statt aus dem Ausland kopiert hat». Die Geschichte von Baidu begann nicht klassisch in einer Garage, sondern in einem Hotelzimmer gegenüber des Campus der Peking-Universität. Weitere Ironie: Google investierte anfangs fünf Millionen Dollar in das Start-up – und zog sich damit seine eigene Konkurrenz hoch.

Protektionismus beflügelt Baidu

Der Konkurrenzkampf zwischen Google und Baidu entbrannte 2005, als Google einen Store in Peking eröffnete und Ex-Microsoft-Vorstand Kai-Fu Lee als China-Chef installierte. Lee heuerte mehr als 100 Ingenieure und Linguisten an, um die Suchtreffer zu verbessern. Googles Marktanteil auf dem chinesischen Suchmaschinenmarkt lag 2009 bei 31 Prozent. Dann folgten politisch motivierte ­Sperre und Rückzug. Such­anfragen an google.cn aus China waren mehrfach auf die Seite von Baidu gelenkt worden. Dank der protektionistischen Netzpolitik avancierte Baidu zum Marktführer. Baidu wilderte im Revier der Konkurrenz und warb 2014 den damaligen Chef von Googles Entwicklungsabteilung Google Brain, den Computerwissenschafter Andrew Ng, ab.

Die Personalie war ein Paukenschlag: Der Informatiker, der in Singapur aufwuchs und dessen Eltern aus Hongkong stammen, gilt als ein weltweit renommierter Experte auf dem Gebiet des maschinellen Lernens, als ein Superhirn. Zum «Rockstar des Deep Learning» jazzte das Techblog «VentureBeat» den Ingenieur hoch. Ng hat Baidu 2017 verlassen, um seine eigene Firma zu gründen. Doch die Künstliche- Intelligenz-Mission verfolgt Baidu weiter. Der chinesische Suchmaschinenriese kooperiert beim autonomen Fahren mit Konzernen wie Bosch und Daimler, wobei Google hier noch einen Entwicklungsvorsprung hat.

Mini-Übersetzer als ernsthafte Konkurrenz

Konkurrenz erwächst Baidu auch aus dem Inland: Der Online-Riese Alibaba hat mit seiner mobilen Suchmaschine Shenma, die es in seine Plattformen integriert hat, kräftig aufgeholt und Marktanteile erobert. Baidu versucht derweil, auf dem Feld der Hardware Geländegewinne zu erzielen: So hat das Unternehmen einen «sprechenden Übersetzer» in der Grösse eines USB-Sticks entwickelt, der Touristen im Ausland eine Orientierungshilfe sein soll. Der Anwender muss nur einen Knopf drücken, dann übersetzt das Gerät die Spracheingabe in Sprachen wie Chinesisch, Japanisch und Englisch. Der 140 Gramm schwere Übersetzer, der auch als Wi-Fi-Router fungiert, ist zwar nicht so leistungsstark wie ein Netzwerklautsprecher, aber zumindest eine ernsthafte Konkurrenz für Google Translate. Der Markt ist hart umkämpft. Sollte Google nach China zurückkehren, dürfte dies wohl kein Spaziergang werden.

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