KONZERNUMBAU: «Kein Stein ist auf dem anderen geblieben»

Aus der AFG ist die Arbonia hervorgegangen. Nach etlichen Jahren hat Firmenchef Alexander von Witzleben ein positives Semesterergebnis vorlegen können. Nächstes Jahr soll die harte Phase der Umstrukturierung abgeschlossen werden.

Stefan Borkert
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Alexander von Witzleben will die Arbonia zum Marktführer in Zentraleuropa machen. (Bild: Benjamin Manser)

Alexander von Witzleben will die Arbonia zum Marktführer in Zentraleuropa machen. (Bild: Benjamin Manser)

Interview: Stefan Borkert

Alexander von Witzleben, die Arbonia ist ein Gebäudezulieferer. Sie müssen strategisch in die Zukunft schauen. Wie sieht also das Haus der Zukunft aus?

Das Haus der Zukunft ist für uns tatsächlich die grosse Frage und vor allem, wie das Haus der Zukunft beschaffen sein muss. Unsere Vermutung ist, dass das Haus in einem hohen Masse isoliert ist, Energie erzeugt und bis zu 80 Prozent der benötigten Energie über den Jahreszyklus gesehen selbst erzeugt.

Gilt das nur für Ein- und Mehrfamilienhäuser?

Nein. Das gilt für alle Gebäude, egal, ob Gewerbe-, Büro- oder Wohnhaus.

Isolierung dürfte Sie besonders beschäftigen.

Natürlich, weil Fenster und auch Türen einen Teil der Isolierung darstellen. Und das gilt natürlich auch für die Heizkörper und Heizungssysteme, die in einem isolierten Haus verwendet werden.

Damit sind die drei Divisionen der Arbonia genannt. Spielt die digitale Steuerung und Vernetzung nicht auch eine Rolle?

Richtig. Die rechnergestützte Steuerung und die Speicherung der Energie sind Themen, auf die wir Antworten finden müssen. Vermutlich wird man sich im Bereich Steuerung an eine App anbinden müssen. Schwere Batterien können im Keller besser gelagert werden als etwa in einem Elektroauto, in dem das Gewicht eine entscheidende Rolle spielt. Womöglich braucht es aber für Gebäude eine speziell dafür entwickelte Batterie.

Sie befassen sich sehr konkret und auch detailliert mit den Möglichkeiten und Fähigkeiten des Hauses der Zukunft. Haben solche Überlegungen auch beim Umbau der AFG zur heutigen Arbonia eine Rolle gespielt?

Selbstverständlich. Die Phase der Umstrukturierung ist zwar noch nicht ganz beendet, aber fast.

Sie meinen damit die Verlagerung der Holz- und Aluminiumfensterproduktion von Altstätten nach Ostthüringen?

Das natürlich auch. Unser Ziel ist es, 2018 mit dem harten Umbau des Konzerns praktisch durch zu sein. Und schon heute gilt es deshalb, den geistigen Organismus Arbonia umzuschalten. Langsam müssen wir nun aus dem Modus des Sparens und des Sanierens heraus in den Modus der Zukunft und der Investition kommen.

Mit Michael Pieper haben Sie einen sehr aktiven Anker- aktionär, der 20 Prozent der Aktien hält. Ist Ihr erstes Telefonat des Tages immer noch mit Herrn Pieper?

Ganz so ist es nicht mehr. Aber ich habe diese Woche tatsächlich schon einmal morgens um sieben Uhr mit ihm telefoniert. Ich stehe mit Herrn Pieper natürlich regelmässig in Kontakt. Der Umbau der Arbonia war und ist nach wie vor ein Riesenakt, bei dem kein Stein auf dem andern geblieben ist. Da braucht es auch Vertrauen. Und das bekommen Sie nur, wenn Sie proaktiv die Dinge ansprechen.

Dinge wie den Verkauf der Condecta, einer florierenden Tochter. Ist dieser bereits unter Dach und Fach?

Nein. Das ist ein Prozess, der in der Regel ungefähr ein halbes Jahr dauert. Wir haben nach einer weltweit ausgeschriebenen Auktion jetzt etwa 50 Interessenten. Am Schluss brauche ich nur einen Käufer. Das sieht also gut aus.

Wie läuft so eine Auktion?

Wir haben von uns aus gut 100 mögliche Käufer angeschrieben und dann auf die Antworten gewartet. Das Interesse ist glücklicherweise gross.

Sind weitere Akquisitionen und/oder Verkäufe geplant?

Wir werden einen permanenten Wandel vollziehen. Bereiche, die nicht mehr im strategischen Fokus sind, werden wir abgeben und dafür neue hinzuholen, um unserer Strategie zu folgen. Es wird keinen Status geben, bei dem ich sage, so wie es heute ist, bleibt es die nächsten fünf Jahre.

Welches ist der Kern Ihrer Strategie mit Arbonia?

Unsere Vision ist: Wir wollen in Zentraleuropa klar der Marktführer und der Kostenführer sein. Und zwar in dieser Kombination. Das versuchen wir in unserem Marktbereich mit Preisen, Leistung und auch mit Käufen und Verkäufen sicherzustellen.

Arbonia schielt also nicht auf Fernost oder Amerika?

Nein. In China sind wir ja ausgestiegen. Es gibt überhaupt keine Notwendigkeiten für Spinnereien in Südamerika oder Fernost.

Sie sind als Verwaltungsratspräsident und Konzernchef Ihre eigene Aufsichtsperson. Warum das?

Das entspricht sicher nicht der gängigen reinen Lehre. Es ermöglicht aber, vor allem in der jetzigen herausfordernden Situation, sehr rasch und flexibel Entscheidungen zu treffen, und es beschleunigt das Handeln. Durch unseren sehr engagierten und starken Hauptaktionär wird ein, sagen wir mal, Machtmissbrauch verhindert. Aber es wird auch wieder die Zeit kommen, wo wir zur reinen Lehre zurückkehren.