Konzerne im Kaufrausch

Actacis übernimmt Allergan für 66 Milliarden Dollar, Halliburton erwirbt Baker Hughes für 35 Milliarden. Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen floriert.

John Dyer
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NEW YORK. Unternehmenskäufe haben dieses Jahr ein Volumen von 3100 Mrd. $ erreicht. Das ist ein Drittel mehr als vergangenes Jahr, haben die britischen Marktforscher von Dealogic ermittelt. In dieses Bild passen die Anfang Woche bekannt gegebenen Fusionen der Pharmafirmen Actavis und Allergan sowie der Ölindustriedienstleister Halliburton und Baker Hughes.

Kauf als Flucht nach vorne

Es sind dies die jüngsten Käufe oder Fusionen in einem offensichtlich überhitzten Kaufmarkt. Actavis übernimmt den Botox-Hersteller Allergan für 66 Mrd. $, was einen der grössten Pharmakonzerne der Welt schaffen soll. Dies ist nicht ungewöhnlich in einer Branche, in der trotz Milliardeninvestitionen in die Forschung nur wenig neue Medikamente auf den Markt kommen. Die Lösung für weitere Expansion wird deshalb oft in Kauf oder Fusion gesucht. So hat Bayer im Mai eine Sparte von Merck übernommen. Zuvor hatten Novartis, Glaxo Smith Kline und Eli Lilly vereinbart, die Rechte an diversen Medikamenten zu tauschen. Ein Grund war das Auslaufen von Patentrechten. «Das ist ganz klar ein Jahr steigender Käufe und Fusionen, aber ganz besonders in der Pharmabranche», sagt der auf Firmenkäufe spezialisierte Anwalt Phillip Torrence. Für viele Firmen seien auslaufende Patentrechte ein Problem, weshalb sie als einzigen Ausweg oft der Devise grösser und grösser werden folgten.

Sinkende Rohölpreise

Halliburtons Angebot von 34,6 Mrd. $ für den Konkurrenten Baker Hughes würde der Firma einige neue Ölfelder in Kanada und Russland einbringen. Der Kauf kommt zu einem Zeitpunkt sinkender Rohölpreise und weltweit gebremstem Wirtschaftswachstums. Laut einer Erhebung der Agentur Reuters machen Käufe und Fusionen im Öl- und Gassektor dieses Jahr ein Volumen von 369 Mrd. $ aus. Das ist knapp das Doppelte von 2013.

Kartellwächter schauen hin

Auch in der Hochtechnologie wird eifrig gekauft und fusioniert. Jüngste Statistiken der Beratungsfirma EY zeigen 923 Verträge allein im 3. Quartal. Das ist die grösste Zahl seit der Internetblase von Ende der 1990er- und Anfang der Nullerjahre. EY sieht noch keine Gefahr einer neuen Blase. Hohe Aktienpreise, wenig Nachfrage und zinsgünstige Kredite sowie verkaufswillige Anleger erleichtern Übernahmen.

Allerdings gibt es auch Fusionspläne, die scheitern. Die Fusion von Halliburton und Baker Hughes ist ebenfalls noch nicht unter Dach. Fusionieren sie, bleibt als Rivale nur Schlumberger. Das könnte die Kartellwächter auf den Plan rufen.