Konzentrat ersetzt nach Missernte Mostobst

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RamseierMehrere Frostnächte haben im April der Vegetation vor allem in der Ost- und der Zentralschweiz arg zugesetzt. Die Temperaturen fielen für diese Jahreszeit nachts aussergewöhnlich tief. Die Folgen des späten Winterrückfalls machten sich bei der Obsternte bemerkbar. Bei den Mostäpfeln lieferten die Bauern nur 24 Prozent der sonst üblichen Menge an die Getränkehersteller ab, bei den Mostbirnen waren es 39 Prozent. Statt 96000 Tonnen gab es insgesamt bloss 28000 Tonnen Mostobst zum Verarbeiten – so wenig wie seit dem Jahr 1957 nicht mehr.

Bei der Agrargenossenschaft Fenaco, zu der auch der Getränkehersteller Ramseier gehört, hatte die Missernte bereits Folgen für das kommende Jahr. In der Obsthalle Sursee gilt für 35 Mitarbeitende ab Ende Januar für ein halbes Jahr Kurzarbeit. Sie verpacken und lagern dort Tafelobst. So weit muss Ramseier nicht gehen. Das Unternehmen stellt im luzernischen Sursee und in Oberaach nahe Amriswil Obstsäfte her.

Geringe Ernte, super Qualität

Um die Nachfrage zu decken, muss der grösste Mostobstverarbeiter der Schweiz aber neue Wege beschreiten. «Wir können unseren Bedarf an Mostobst für die Produktion leider nicht vollumfänglich bis zur nächsten Ernte im Herbst 2018 abdecken – auch unsere Saft- und Konzen­tratreserven werden bis dahin aufgebraucht sein», lässt sich Ramseier-Chef Christian Consoni zitieren. Er hat darum gehandelt: «Wir werden geringe Mengen Mostobstkonzentrat importieren.» Der Apfelanteil bestehe bei den Ramseier-Getränken zudem weiterhin vollständig aus Schweizer Qualitätsäpfeln. Für die Birnenmostgetränke müsse Ramseier aber für einmal Obst aus Italien und Deutschland zukaufen. Für dieses gälten die gleichen Qualitätsansprüche wie für heimisches Obst, sagt Consoni. Für die nächste Ernte zeigt er sich zuversichtlich: «Auf ein schwaches Erntejahr folgt erfahrungsgemäss meist ein gutes.»

Die Erntemenge ist gering ausgefallen, die Qualität des Obstes ist laut Consoni aber ausserordentlich gut. Folgenlos bleibt die Missernte für die Produkte mit Hochstamm-Suisse-Label. Consoni: «Für die Produktion dieser Getränke hat der Ernteertrag ­ausgereicht.» Jedes Ramseier-Produkt verfügt über einen Anteil Hochstamm-Mostobst.

Rainer Rickenbach