Kontroverse in der Schweiz

Tierversuche dürfen in der Schweiz nur durchgeführt werden, wenn keine alternativen Methoden zur Verfügung stehen. Jeder Versuch muss beantragt werden und wird von einer kantonalen Tierversuchskommission begutachtet, um die Tiere vor ungerechtfertigten Belastungen zu schützen. Die Forschenden müssen im Rahmen einer Güterabwägung aufzeigen, dass der Nutzen für die Gesellschaft grösser ist als das Leiden der Tiere. Dank der 3R-Prinzipien Replace, Reduce und Refine (Ersetzen, Reduzieren, Verbessern) konnte die Zahl der Tierversuche stark gesenkt werden, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Vete­rinärwesen (BLV) schreibt.

Demnach hat die Zahl der Versuchstiere in der Schweiz seit den 1980er-Jahren von 2 Millionen auf 630'000 (2016) abgenommen. Darunter waren 200 Primaten. Der Grossteil der Versuchstiere sind Mäuse (410'000), Ratten und Vögel (je 75'000) sowie Fische (50'000). Allerdings: zuletzt lag die Zahl der Versuchstiere auf dem Stand von 1996. In den Folgejahren lag sie mal leicht darüber, mal leicht darunter. Das BLV hält denn auch fest, «schwierig bleibt jedoch der komplette Ersatz von Tierversuchen: Die Ersatzmethoden müssen nicht nur dem Tierwohl dienen, sondern auch wissenschaftlich funktionieren.» Drei Viertel der 2016 eingesetzten Versuchstiere seien «keiner oder einer leichten Belastung ausgesetzt» gewesen.

Gegner von Tierversuchen geben sich damit nicht zufrieden. Anfang vergangenen Oktober hat ein Komitee aus Vertretern von SP, Grünen und Parteilosen die Initiative «Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot – Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt» lanciert. Damit die Initiative vors Volk kommt, müssen 100'000 Unterschriften bis April 2019 gesammelt werden. Laut der Initiative gelten Tierversuche als Tierquälerei und werden als «Verbrechen» eingestuft. Sie will nicht nur Tierversuche, sondern auch den Handel mit sowie Ein- und Ausfuhr von Produkten verbieten, für die Tierversuche durchgeführt wurden. Als Ersatz für Tierversuche verlangen die Initianten computerbasierte Bio-Dummy-Systeme, die auf der Grundlage menschlicher Zellen und Geweben funktionieren.

Thomas Griesser Kym

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.