Konsumenten sorgen für Sensibilisierung

Zur Sache

Balz Bruder
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Die Verunsicherung am europäischen Frühstückstisch ist gross: Der Eier-Skandal, der die EU überzieht, irritiert angesichts seiner Entstehung ebenso wie bezüglich seiner Ausmasse. Bis in die Regale hiesiger Detailhändler strahlen die unappetitlichen Hühnerstall-Geschichten aus. Einmal mehr erfasst uns ungläubiges Staunen darüber, dass in diesen scheinbar aufgeklärten Zeiten Lebensmittel-Skandale dieser Art unbeteiligte saubere Produzenten ebenso wie gutgläubige Konsumenten durchschütteln. Gewiss, das Eier-Geschäft ist ein Massen- und ein Rappen-Markt. Das ist jedoch keine Legitimation für den Einsatz von unerlaubten Stallreinigungsmitteln.

Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die Entwicklung in der Schweiz zeigt: Bio- und Freilandeier laufen Eiern aus Bodenhaltung zunehmend den Rang ab. Das belegt erstens, dass das Bewusstsein für die artgerechte Haltung wächst. Und zweitens, dass der um rund einen Drittel höhere Preis bezahlt wird. Auch wenn die schweizerischen Verhältnisse nicht eins zu eins auf die europäischen Dimensionen umgelegt werden können: Das ist der Weg, den die zunehmend sensibilisierte EU im Hinterkopf haben muss. Es bringt nichts, auf dem Höhepunkt eines Skandals drastisch einzufahren, um nach dem Verschwinden der Schlagzeilen zum Courant normal zurückzukehren.

Gut zu wissen: Das Gedächtnis mündiger Konsumenten ist heute besser entwickelt als früher – und der Griff ins Portemonnaie auch eine Frage des Vertrauens. Das wissen Produzenten, die Ordnung in ihren Ställen haben und ihre Tiere einwandfrei halten, sehr genau. Seite 3