Konsum
Lieferung in 45 Minuten: Die Migros baut ihre umstrittene Lebensmittel-Kooperation aus

Die Detailhändlerin arbeitet mit der Westschweizer Firma Smood zusammen, um Teigwaren, Milch und Karotten möglichst rasch der Kundschaft nach Hause zu liefern. Nun kommt auch die grösste Schweizer Stadt zum Zug.

Benjamin Weinmann und Stefan Ehrbar
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Fahrzeug des Food-Lieferdienstes Smood

Fahrzeug des Food-Lieferdienstes Smood

Zvg / zvg

Die Ankündigung erfolgt per Newsletter: Die Waadtländer Liefer-Firma Smood hat am Dienstag ihre Kundschaft darüber informiert, dass neu auch Zürcherinnen und Zürcher auf ihrer Plattform Migros-Artikel einkaufen können. «Wir haben eine Auswahl von über 6'000 Produkten auf unserer Plattform verfügbar, zum gleichen Preis wie in Ihrer Migros-Filiale», schreibt Smood.

Migros startete zwar 2006 die eigene LeShop-Plattform für den Lebensmitteleinkauf via Internet, die heute Migros Online heisst. Doch im Gegensatz zu Smood dauert die Lieferung dort deutlich länger. Die Genfer Firma ist seit 2012 auf das Austragen von Restaurant-Mahlzeiten spezialisiert und konkurriert damit unter anderem mit dem US-Riesen Uber Eats. Im Corona-Jahr 2020 konnte die Firma ihre Umsätze stark steigern.

Scharfe Kritik von der Gewerkschaft

2019 startete Smood dann den Versuch mit der Migros, vorerst allerdings nur in der Westschweiz (diese Zeitung berichtete). Smood arbeitete bisher mit Restaurants zusammen und ist seit zwei Jahren auch in Zürich unterwegs.

David Roth von der Gewerkschaft Syndicom kritisiert die Migros-Kooperation mit Smood.

David Roth von der Gewerkschaft Syndicom kritisiert die Migros-Kooperation mit Smood.

Nadia Schärli / Luzerner Zeitung

Der Gewerkschaft Syndicom ist die Kooperation allerdings seit längerem ein Dorn im Auge. Kritisiert werden die Entlöhnungen und die Einsatzplanung der Angestellten. Die Smood-Kuriere seien dem Plattform-System und den kurzfristigen Buchungen der Kunden gänzlich ausgeliefert, sagte Syndicom-Zentralsekretär David Roth Ende Jahr gegenüber CH Media. Er sagte sogar: «Das ist eine Schande für die traditionsreiche Migros-Genossenschaft.» Syndicom fordert von Smood, dass die Firma Verhandlungen für einen Gesamtarbeitsvertrag aufnimmt. Ein Migros-Sprecher dementierte die Anschuldigungen auf Anfrage.

Konkurrenziert sich die Migros selbst?

Smood verspricht eine Lieferung innert weniger als 45 Minuten. In Zürich werden die Lebensmittel aus mehreren grösseren städtischen Filialen geliefert, wie ein Test von CH Media zeigt. Die Waren kommen etwa aus Migros-Supermärkten in Wiedikon, am Limmatplatz, Witikon oder im Stadtteil Oerlikon. Bei einem Test-Einkauf eines Warenkorbs im Wert von 57 Franken betragen die Liefergebühren knapp 9 Franken. Auch bei einem Warenkorb im Wert von über 100 Franken werden Gebühren in dieser Höhe angezeigt. Lieferzeiten können von den Kunden geplant werden.

Der Genfer Lieferservice Smood profitierte während der Pandemie von zahlreichen Restaurant-Kurieraufträgen.

Der Genfer Lieferservice Smood profitierte während der Pandemie von zahlreichen Restaurant-Kurieraufträgen.

zvg

Mit dem Dienst konkurrenziert sich die Migros selbst. In Zürich können sich Kunden neben Smood und Migros Online auch über den Migros-eigenen Dienst myMigros Lebensmittel liefern lassen. Die Lieferung erfolgt am selben Tag ab 18 Uhr, wenn bis 11 Uhr bestellt wird. Das einstündige Lieferfenster kann frei gewählt werden. MyMigros ist damit etwas langsamer als Smood, dafür sind Lieferungen ab einem Warenwert von 80 Franken gratis und kosten darunter nur 7 Franken Liefergebühren.

«Migros will nahe an Kunden sein»

Bei myMigros handelt es sich um ein Projekt der Migros Genossenschaft Aare, die dieses zunächst in Bern und danach auch in Städten wie Thun, Solothurn, Zofingen, Aarau und Spreitenbach ausgerollt hatte. Bei der Zusammenarbeit mit Smood handelt es sich hingegen um ein Projekt der Genossenschaft Migros Zürich. Zwei Genossenschaften beliefern also in der grössten Stadt der Schweiz die Migros-Kunden via unterschiedliche Kanäle. Zudem betreibt die Tankstellenshop-Tochter Migrolino seit einigen Monaten ebenfalls ein neues Liefer-Portal namens «Hey Migrolino».

Eine Sprecherin der Migros Zürich sagte CH Media im April, als erste Tests mit Smood liefen, die Migros wolle nahe an ihren Kunden sein. Online-Shops, das sogenannte Store Picking und Lieferservices für Einkäufe des täglichen Bedarfs würden immer wichtiger. «Insbesondere in urbanen Gebieten wie dem Wirtschaftsgebiet der Migros Zürich möchte die Kundschaft von diesen bequemen Einkaufsmöglichkeiten profitieren.»

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