Konkurrenz für Airbus und Boeing

PARIS. Zu Hunderten sind am Wochenende kanadische Flugzeugingenieure nach Le Bourget nördlich von Paris gereist. Fred Cromer, Chef der Zivilflugsparte Bombardiers, sagt: «Wir kommen in einem entscheidenden Moment.

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PARIS. Zu Hunderten sind am Wochenende kanadische Flugzeugingenieure nach Le Bourget nördlich von Paris gereist. Fred Cromer, Chef der Zivilflugsparte Bombardiers, sagt: «Wir kommen in einem entscheidenden Moment.» Im Gepäck für die Reise zur Luftfahrtmesse, die heute beginnt, hat er mehrere Flugzeuge der C-Serie des kanadischen Herstellers. Die CS300 wird im Flugprogramm vorgeführt, die kleinere CS100 auf dem Gelände für die Besucher geöffnet – in den Farben der Lufthansa-Tochter Swiss, die 2016 ihre ersten Maschinen in Betrieb nehmen will. Nach Le Bourget wird die CS100 Kloten besuchen.

Die C-Serie ist die einzige echte Neuheit in Le Bourget. Die Entwicklung kostete in den letzten zehn Jahren gut 5 Mrd. US-$. Bombardier will mit der 135plätzigen CS300 das Duopol der Marktführer Airbus und Boeing knacken. Cromer hofft, in Le Bourget die Zahl der festen Bestellungen für die CS300 von 240 auf 300 hochschrauben zu können. Den Hinweis, dass Airbus und Boeing zusammen zehnmal mehr Order verbuchen dürften, quittiert Cromer mit der Bemerkung, gerade in seiner Branche sei aller Anfang schwer. Der frühere Airline-Manager setzt grosse Hoffnungen auf den boomenden Markt Chinas mit dessen neuen Regionalflughäfen.

Doch China erhält einen weiteren Zuzüger mit einem starken Argument: Er ist selber Chinese. Das staatliche Unternehmen Comac will ebenfalls Airbus und Boeing attackieren, zunächst auf seinem Heimmarkt. Der kleine Mittelstreckenflieger ARJ21 mit 80 Sitzen soll bald an eine lokale Airline ausgeliefert werden. Hinter den grossen Tönen verbergen sich jedoch noch gröbere Startprobleme als bei Bombardier. Die C919 (180 Sitze), Herzstück von Chinas Mittelstreckenstrategie, hat wegen technischer Hürden noch nicht einmal ihren Jungfernflug absolviert. (brä.)