KONJUNKTUR: Thurgauer Wirtschaft hofft auf grünes Licht

Die Geschäfte der Thurgauer Unternehmen laufen insgesamt zusehends besser. Das war 2016 so, und für dieses Jahr wird eine weitere sachte Belebung erwartet.

Thomas Griesser Kym
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Arbeiten im Werk am Hauptsitz des grössten privaten Thurgauer Arbeitgebers Stadler Rail. (Bild: Andrea Stalder (Bussnang, 31. Januar 2017))

Arbeiten im Werk am Hauptsitz des grössten privaten Thurgauer Arbeitgebers Stadler Rail. (Bild: Andrea Stalder (Bussnang, 31. Januar 2017))

«Insbesondere in der Industrie hat die Konjunkturampel von Rot auf Gelb gewechselt.» Das schreibt die Thurgauer Kantonalbank (TKB) in ihrem Bericht über die jüngste Firmenumfrage, an der sich 472 Unternehmen beteiligt haben. Dabei haben 49% der Betriebe den vergangenen Geschäftsgang als gut bezeichnet und noch 16% als unbefriedigend. Der Saldo dieser positiven und negativen Antworten ergibt einen Wert von +33. Das ist markant besser als die Beurteilung des Geschäftsjahres 2015, als der Saldo +20 betragen hatte, und der Abwärtstrend, der 2013 eingesetzt hatte, ist vorerst gestoppt (siehe die zwei oberen Grafiken).

Zu verdanken ist diese Wende zum Besseren der Industrie, die laut TKB «nach dem sehr schwierigen 2015 wieder Boden unter den Füssen gefunden hat». In der Tat hat in der Thurgauer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) die Beurteilung des Geschäftsjahres 2016 per saldo auf gut (+18) gedreht nach schlecht (–20) im Vorjahr. Laut Umfrage hat die MEM-Branche ihre Exporte (+1,7%) wie auch ihre Umsätze gesteigert, und die Unternehmen haben wieder mehr investiert. Wermutstropfen bleibt der anhaltende Margendruck als Folge der Frankenstärke: Das hat die Gewinne der Thurgauer MEM-Firmen insgesamt weiter erodieren lassen.

Robuster Bau, zuversichtlicher Handel

Insgesamt hat die Thurgauer Wirtschaft ihre Exporte vergangenes Jahr mit einem Rückgang von 0,7% annähernd halten können. Das kleine Minus zeigt eine Stabilisierung, nachdem die Ausfuhren 2015 – dem Jahr, an dessen Beginn die Schweizerische Nationalbank den Mindestkurs von 1.20 Fr. pro Euro preisgegeben hatte – um gut 12% eingebrochen waren. Was ausserdem Mut macht: Vergangenes Jahr haben etwas mehr Unternehmen ihren Personalbestand erhöht als ab­gebaut. Zu wünschen übrig lässt weiterhin, neben den bröckelnden Margen, die sinkende Auslastung der Kapazitäten.

In der Thurgauer Bauwirtschaft ist eine befürchtete Abkühlung laut TKB ausgeblieben. Am zufriedensten zeigen sich die Baufirmen im Bezirk Frauenfeld. Die Umsätze der Branche sind leicht gestiegen, die Gewinne etwas leicht gesunken. Ein Grund seien die nachgebenden Preise im Hochbau, dessen Preisindex für die Ostschweiz 2016 um 2% gesunken ist. Für das laufende Jahr wird der Thurgauer Bauwirtschaft eine «sehr stabile Entwicklung» prognostiziert. Im Gross- und Detailhandel zeigen sich trotz Einkaufstourismus und Onlinehandel 35% der Betriebe mit dem Geschäftsgang zufrieden, 19% unzufrieden. Die grössten Veränderungen bewirkt laut der Branche in den kommenden Jahren der Onlinehandel. Für 2017 zeigen sich die Händler im Grossen und Ganzen zuversichtlich, bei Umsatz und Gewinn zulegen zu können.

Grenzgänger als Puffer

Die Thurgauer MEM-Industrie zeigt sich laut TKB für 2017 «ziemlich optimistisch». Das gelte besonders für den Umsatz, der dank einer besseren Ausschöpfung des Kerngeschäfts und dank Produktinnovationen zunehmen dürfte. Latentes Thema ist der Fachkräftemangel: 56% aller befragten Firmen geben an, in mittlerem (40%) bis hohem (16%) Ausmass betroffen zu sein. Die grössten Schwierigkeiten, Stellen mit qualifiziertem Personal zu ­besetzen, bekundet die MEM-­Industrie, in der 71% der Firmen den Fachkräftemangel als mittel (48%) respektive hoch (23%) einstufen. Am wenigsten Mühe hat der Gross- und Detailhandel. Wie Unternehmen versuchen, das Problem zu lindern, weiss Remo Lobsiger, Leiter des Geschäftsbereichs Geschäftskunden bei der TKB (siehe Interview). Insgesamt ist aber in anderen Landesteilen der Fachkräftemangel noch ausgeprägter als im Thurgau, denn hier mildern ihn Grenzgänger ab.