Konjunktur
Inflation, Lieferprobleme, Arbeitslosigkeit: Muss man in der Coronakrise davor Angst haben?

Boom, Crash oder vielleicht Stagnation und Inflation: Sie ist erstaunlich gross, die Unsicherheit darüber, wie es nun weitergeht mit Jobs, Löhnen oder Arbeitslosigkeit. Wir klären auf.

Niklaus Vontobel
Drucken
Kommt die Inflation doch noch in die Schweiz? In Deutschland stieg das Preisniveau zuletzt um 6 Prozent im Vorjahresvergleich

Kommt die Inflation doch noch in die Schweiz? In Deutschland stieg das Preisniveau zuletzt um 6 Prozent im Vorjahresvergleich

David Adair / www.ex-press.ch

Noch ist offen, wie viel Schaden die neue Virusvariante Omikron anrichtet. Es gibt genug Gründe für alle Gemütszustände von Panik bis Nervosität. Zugleich gilt in dieser Zeit wirtschaftlichen Zwielichtes jedoch auch dies: Es finden sich genügend Gründe für Zuversicht.

Anzeichen, dass Lieferprobleme nachlassen

Lieferketten waren einst ein Thema für Expertenzirkel. Dem ist nicht mehr so, seit Jacken, Iphones oder Fenster manchmal erst nach Wochen lieferbar sind. Nun gibt es erste Anzeichen für eine Wende in den USA, wo die Knappheiten zuerst auftauchten. Wie die Zürcher Kantonalbank berichtet, zeigen Umfragen unter Industriebetrieben: «Möglicherweise ist der Höhepunkt der Lieferschwierigkeiten hinter uns.» Ähnlich sieht es das «Wall Street Journal», das titelte: «Probleme in den Lieferketten zeigen Anzeichen der Entspannung.» In Asien seien es seltener geworden, dass Fabriken coronabedingt schliessen oder Häfen überlastet sind. Die Preise für Seefracht seien von den Rekordständen heruntergekommen. Jedoch werde die Rückkehr zur alten Normalität noch auf sich warten lassen. Befragte Firmenchefs rechnen damit erst für nächstes Jahr.

Märkte glauben nicht an galoppierende Inflation

Die Probleme mit den Lieferketten werden nicht zu galoppierender Inflation führen. Zumindest glauben die Investoren nicht daran. Wie ein Analyst bei der Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, könnten sie sich zwar eindecken mit Finanzprodukten, die gegen hohe Inflation schützen. «Tun sie aber nicht.» Vielmehr wetten sie, dass die Inflation in den nächsten zwei Jahren den Höhepunkt erreichen wird und dann acht Jahre lang wieder absinkt.

Rekordschnelle Erholung am Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit ging ab Januar in rekordhohem Tempo zurück. Im November waren schon 32 Prozent weniger Menschen gemeldet bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren. So schnell ging es seit über 20 Jahren nicht mehr. 1998 liess die Wirtschaft nach langen Jahren der Stagnation endlich die Immobilienkrise hinter sich.

Aussergewöhnlich gute Konjunktur

Die Konjunktur laufe «extrem» oder «aussergewöhnlich» gut, sagen manche Ökonom oder Ökonominnen hinter vorgehaltener Hand. Sie sagen es lieber nicht öffentlich. Es könnte verharmlosend wirken in Zeiten, da die Fallzahlen exponentiell steigen. Beleg für eine «extrem» gute Konjunktur ist ein saisonaler Effekt, der dieses Jahr ausblieb. Im November landen sonst zig Mitarbeitende aus Bau oder Tourismus bei den Arbeitslosenämtern. Im Bau ist das so, weil es sich im Winter im Freien schlecht arbeiten lässt. Im Tourismus, weil der Herbst vorbei, der Winter noch nicht da ist. Und so steigt im November die Arbeitslosenquote – nur dieses Jahr nicht. Laut Ökonomen, die sich lieber nicht öffentlich äussern, gibt es dafür eine Erklärung: die Entlassungen in Bau und Tourismus wurde ausgeglichen von Branchen, die «massiv Leute anstellen.»

Schon wieder besser als vor der Krise

Das Bruttoinlandprodukt hat in der Schweiz bereits wieder das gleiche Niveau wie vor der Krise erreicht. Nach der Finanzkrise dauerte das noch länger. Und was der Schweiz auch hilft: Die Weltwirtschaft dürfte weniger lange unter Corona zu leiden haben als unter der Finanzkrise. So sagt ein Ökonom an der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich: «Die Corona-Krise hat das Potenzial, relativ schnell vorbeizugehen und keine nachhaltigen volkswirtschaftlichen Schäden anzurichten.» Die Finanzkrise sei dagegen über ein Jahrzehnt nach dem Ausbruch noch spürbar gewesen.

Düstere Prophezeiungen, die nicht eintreffen

Dann gab es die düstere Prophezeiung, die nicht eintraf, zumindest bislang. Von einer Welle von Konkursen war lange die Rede in der Coronakrise. Damit einhergehend werde es auch eine Welle von Konkursen und Entlassungen geben. Nichts von alledem ist passiert. Wie Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, sagte, gebe es weiterhin keine Anzeichen dafür. Zürcher weiter: «Wir sind zuversichtlich, dass die positive Dynamik anhält.»

Aktuelle Nachrichten