Kompass im Label-Dschungel

Mehrere Dutzend Labels versuchen, die Konsumenten zum Lebensmittelkauf zu animieren. Was einzelne Gütesiegel taugen, hat die Stiftung Pusch analysiert.

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ZÜRICH. Auf dem Schweizer Lebensmittelmarkt finden sich gut 65 Labels, die den Konsumenten einen Mehrwert punkto Ökologie, Tierwohl oder guter Arbeitsbedingungen versprechen. Die Stiftung Pusch hat zusammen mit dem WWF Schweiz, Helvetas und der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) die ihrer Ansicht nach 31 wichtigsten Labels bezüglich ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit neu analysiert. Die Bewertung zeige: Die Hälfte der untersuchten Labels verdiene das Prädikat «ausgezeichnet» oder «sehr empfehlenswert». Und: Viele Labels hätten sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt.

Bio Suisse gilt als vorbildlich

Unter den Labels, die von den Testern das Attest «ausgezeichnet» oder «sehr empfehlenswert» erhalten, finden sich alle Labels, die für Inland- und Auslandprodukte auf die Richtlinien von Bio Suisse setzen, aber auch solche, die sich auf einen Produktbereich spezialisieren. Als «ausgezeichnet» gelten: Bio Suisse/Knospe Bio, Bio Natur Plus von Manor, Delinat, KAG Freiland, Natura-Beef Bio und Naturaplan von Coop. Beispiele für «sehr empfehlenswerte» Labels sind Claro, Max Havelaar, Demeter, Fidelio oder Migros Bio.

Abstriche an EU-Biolabels

Das Prädikat «empfehlenswert» erhalten zehn Labels. Sie punkten laut Mitteilung entweder in fast allen Aspekten der drei bewerteten Kategorien (Management, Umwelt und Soziales, Prozesse und Kontrolle), aber nicht auf höchstem Niveau. Beispiele dafür sind UTZ Certified, IP Suisse oder das Migros-Label Terra Suisse. Oder sie erzielen Spitzenwerte in einzelnen Kategorien. Als Beispiele dafür genannt seien MSC oder das Coop-Label Naturafarm.

Die Note «bedingt empfehlenswert» erhalten sechs Labels, weil sie in den meisten Aspekten unterdurchschnittliche Resultate erzielen. Das trifft etwa auf Biolabels zu, die sich ausschliesslich auf die EU-Bio-Verordnung stützen. Diese stellt betreffend Bewässerung, Biodiversität, Klima und Soziales wenige oder gar keine Anforderungen.

Klima, Energie vernachlässigt

Den grössten Nachholbedarf für alle Labels orten die Tester bei Klima und Energie. Dies, weil Kriterien zu Klimaschutz und Energieeffizienz bei allen Labels entweder fehlen oder, falls doch vorhanden, nur sehr allgemein formuliert sind. Nicht analysiert wurden reine Herkunftslabels, wie beispielsweise Suisse Garantie oder Wirkungslabels wie etwa CO2. (T. G.)

Der Label-Ratgeber ist gratis erhältlich unter labelinfo@pusch.ch.