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KOMMENTAR: Vincenz-Rücktritt erweckt den Eindruck einer Salamitaktik

Pierin Vincenz ist am Montag als Verwaltungsratspräsident der Helvetia Versicherung zurückgetreten. "Der Schritt kommt zu spät", schreibt Wirtschaftsredaktor Stefan Borkert in seinem Kommentar. Es stelle sich nun die Frage, ob beim Ex-Raiffeisenchef noch mehr kommt.
Steht im Fokus der Finanzmarktaufsicht: Ex-Raiffeisenchef Pierin Vincenz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Steht im Fokus der Finanzmarktaufsicht: Ex-Raiffeisenchef Pierin Vincenz. (Bild: Hanspeter Schiess)

Pierin Vincenz hat der Versicherung Helvetia ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Seit die Finanzaufsicht gegen ihn ermittelt, ist er immer stärker in den Focus der Öffentlichkeit gerückt, musste sich Kritik anhören, teils berechtigt, teils unberechtigt. Rein formal gesehen, hat er sich vermutlich kaum etwas zu Schulden kommen lassen, sind die Weichen richtig gestellt worden. Doch der einstige Rockstar der Bankenszene hat an Glanz und Glamour stark eingebüsst. Vincenz hat sich als Raiffeisenchef mutig, innovativ und zugleich volksnah gezeigt. Ganz im Sinne der Raiffeisenphilosophie war er ein Bankdirektor, der bodenständig daherkam aber auch Visionen entwickelte und tatkräftig, manchmal auch hemdsärmelig in Angriff nahm.

Das private Engagement von Pierin Vincenz mit einer 15prozentigen Beteiligung an der Raiffeisentochter Investnet wird von der Finma unter die Lupe genommen. Die Aduno-Gruppe hat vor einem Monat ebenfalls eine Untersuchung zu Geschäften von Vincenz in die Wege geleitet. Längst hätten also die Alarmglocken bei Vincenz schrillen müssen, wenn er noch sein vielbeschworenes Ohr für Volkesstimme gehabt hätte. Denn die Vorgänge, und mögen sie formaljuristisch noch so einwandfrei sein, lösen ein ungutes Gefühl aus, haben einen schalen Beigeschmack.

Spätestens, als die Finma ihre Untersuchung angekündigt hat, hätte Vincenz seine Ämter ruhen lassen, Verantwortung übernehmen und Grösse zeigen müssen. Der jetzige Schritt kommt deshalb zu spät und vermittelt mal wieder den Eindruck einer Salamitaktik und Sesselkleberei. Der Rücktritt des ehemals hoch gelobten Pierin Vincenz fällt in eine Zeit, in der auch andere sich schwer tun einfach den Rücken durchzustrecken und erhobenen Hauptes ihre Ämter zugunsten der Glaubwürdigkeit, Integrität und Verantwortung abgeben. Jetzt hängt auch bei Vincenz die Frage in der Luft, was kommt noch und wann erfolgt eigentlich der Rücktritt als Verwaltungsratspräsident des Energiekonzerns Repower?

Stefan Borkert

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