KOMMENTAR: Medien in Blochers Griff

SVP-Chefdenker Christoph Blocher hat via den BaZ-Verlag die Zehnder Regionalmedia AG übernommen. Deren Wochenblätter seien schon bisher auf oft populistischen Rechtsaussenkurs getrimmt gewesen, schreibt unser publizistischer Leiter Pascal Hollenstein in seinem Kommentar. Die Tatsache, dass ein Verlag direkt einem Politiker gehöre, gehe aber an keiner Redaktion spurlos vorbei.

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Will publizistisch an Einfluss gewinnen: Christoph Blocher. (Bild: OLIVIER MAIRE (KEYSTONE))

Will publizistisch an Einfluss gewinnen: Christoph Blocher. (Bild: OLIVIER MAIRE (KEYSTONE))

25 Titel, um die 800'000 Leser. Das sind die Eckwerte der jüngsten Übernahme in der Schweizer Zeitungsbranche. Der BaZ-Verlag von SVP-Übervater Christoph Blocher sichert sich damit ein grosses Publikum. Die Frage ist: Weitet er damit auch seinen politischen Einfluss aus?

Zunächst: Die Wochenblätter der Zehnder-Gruppe waren schon bisher keine linksliberalen Publikationen, Kommentare und Kolumnen schon jetzt auf oft populistischen Rechtsaussenkurs getrimmt. Ein fundamentaler politischer Kurswechsel in den Gratiszeitungen ist mithin also nicht zu erwarten.

Gleichwohl sind die Versicherungen Blochers, die Redaktionen sollen unabhängig bleiben, mit Vorsicht zu geniessen. Selbst, wenn sich Blocher nicht in das journalistische Tagesgeschäft einmischen sollte: Die Tatsache alleine, dass ein Verlag zu wesentlichen Teilen direkt einem Politiker gehört, geht an keiner Redaktion spurlos vorbei. Gehorsam kann eben auch vorauseilend sein. Und wie schnell sogar aus einem ehemals weltoffenen Blatt eine engstirnige Propagandaplattform werden kann, beweist die ebenfalls von einem Politiker kontrollierte "Weltwoche".

Grund zum Alarmismus besteht dennoch nicht. Selbst im Gratiszeitungsmarkt sind die Zehnder-Blätter nirgendwo in einer Monopolstellung – in der Ostschweiz kommt just am Donnerstag die Wochenzeitung A aus diesem Verlag auf den Markt. Und zweitens zeigt auch Blochers "Basler Zeitung", dass Medienbesitz mit politischer Durchschlagskraft nicht gleichgesetzt werden kann. Unter der rechtskonservativen Führung von "Basler Zeitung"-Chef Markus Somm hat das Blatt nicht nur rasant an Auflage verloren, sondern die SVP in Basel auch die Wahlen.

Pascal Hollenstein
pascal.hollenstein@tagblatt.ch