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Kommentar: Knifflige Fragen im Fall Pierin Vincenz

Auf dem Finanzplatz kann man gross rauskommen. Aber man muss auch scharf aufpassen, damit man sich nicht an irgendeiner Stelle den Vorwurf ungetreuer Geschäftsbesorgung oder eines Interessenskonflikts einfängt. Das galt schon in früheren Zeiten. Doch in den vergangenen Jahren sind in der Finanzbranche und im Börsengeschäft laufend neue Vorschriften hinzugekommen – notabene nach früheren Skandalen in diesem Umfeld.

Die Behörden sorgen dafür, dass die Vorschriften nicht Staub ansetzen: Vermuteten Verstössen gehen sie inzwischen rasch und akribisch nach. Das ist die nicht mehr so gemütliche Ausgangslage für Finanzunternehmen und ihre Manager. Letztlich ist die Entwicklung aber in der gesamten Wirtschaft zu beobachten. Auch Gewerbebetriebe hatten schon Hausdurchsuchungen zu erdulden, weil beispielsweise Wettbewerbsverstösse vermutet wurden.

Meist werfen solche Ermittlungen gegen kleinere Unternehmen oder ihre Chefs nach aussen keine grossen Wellen. Eine allfällige spätere Busse wird in der Öffentlichkeit zwar kurz zur Kenntnis genommen, aber dann ad acta gelegt. Die Vorgänge rund um Pierin Vincenz, den ehemaligen Chef von Raiffeisen Schweiz, erzeugen seit Monaten aber eine weitaus mächtigere Bugwelle. Nachvollziehbar, mag man sagen, denn Vincenz leitete nicht einfach ein kleines Finanzinstitut. Er etablierte mit seiner Strategie die Raiffeisenbanken erfolgreich als drittgrösste Kraft auf dem Schweizer Finanzplatz, direkt nach den Grossbanken UBS und Credit Suisse. Raiffeisen gehört damit auf dem Land, aber eben auch in Schweizer Grossstädten fest zum Ortsbild. Dass Vincenz später in anderen Unternehmen für prestigereiche Verwaltungsratsmandate gefragt war, illustriert seinen bis vor kurzem nahtlosen Aufstieg.

Unter den neuen Vorzeichen entpuppt sich die breite Verankerung in der Wirtschaft und in der öffentlichen Wahrnehmung für Vincenz aber als Hypothek. Im Fahrwasser des Aufsichtsverfahrens der Finanzmarktaufsicht trat er vorsorglich auch von Mandaten zurück, die nicht im Zusammenhang mit den jetzt kritisch betrachteten Fällen stehen. Teile seiner beruflichen Zukunft gab er auf, um die Lage zu beruhigen und sich aus dem Fokus der Finma zu bewegen.

Doch nun rufen zwei konkrete Strafanzeigen mit Verdacht auf ungetreue Geschäftsbesorgung die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Vorerst wird in dem Sachverhalt – zu dem offiziell keine Details bekannt gegeben werden –, lediglich ermittelt, und es gilt die Unschuldsvermutung. Wie knifflig Angelegenheiten im Wirtschaftsumfeld sein können, hat sich in anderen Fällen gezeigt. Was deutet auf Grenzüberschreitungen hin, welche Punkte gehören zur unternehmerischen Freiheit? So lauten klassische Fragen, die sich stellen.

Es ist deshalb im Interesse aller, wohl auch von Pierin Vincenz, wenn diese Abklärungen jetzt sorgfältig und ohne Zeitdruck erfolgen – und dennoch innert nützlicher Frist Resultate auf dem Tisch liegen.

Thorsten Fischer

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