KMU-Tag: Heimat-Gründer Roger Koch warnt vor Gesundheitstrend

Ohne Risikobereitschaft kein Unternehmertum, sagte der Steinacher Zigarettenfabrikant am KMU-Tag in St.Gallen.

Martin Sinzig
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Am KMU-Tag treffen sich in der Olma-Halle die Unternehmer. (Bild: Michel Canonica)

Am KMU-Tag treffen sich in der Olma-Halle die Unternehmer. (Bild: Michel Canonica)

Wenn es traditionellen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gelinge, ihre Stärken und ihre Erfahrung mit den Ansätzen der risikobereiteren und agileren Start-up-Kultur zu kombinieren, dann würden sie unschlagbar. Mit diesen Worten stimmte Tobi Wolf auf den 17. Schweizer KMU-Tag ein. Wolf ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Institut für Klein-und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen (KMU-HSG), das gestern den 17. Schweizer KMU-Tag in St. Gallen ausgerichtet hat. Der Anlass, der 1200 Teilnehmende zum Gedankenaustausch und zum Netzwerken zusammenbrachte, nahm sich vor, unter dem Motto «Liefern statt lafern» die Wettbewerbschancen von KMU zu erörtern.

So gedeihen Start-ups

Vier Vertreter erfolgreicher Start-up-Unternehmen schilderten am Schweizer KMU-Tag ihre Erfolgsrezepte. Der direkte Zugang zum Endkunden und die Zusammenführung der Verkaufskanäle seien entscheidend, sagte Kilian Wagner, Chef und Mitbegründer von VIU, einem Schweizer Anbieter von Brillenmode. «Es beginnt alles mit der Qualität», betonte Anna Grassler, Mitinhaberin von Felfel. Dieses Start-up beliefert über 400 Unternehmen täglich mit hochwertigen Mahlzeiten und zählt bereits 90 Mitarbeitende. Die Meteomatics AG, die in St. Gallen 30 Mitarbeitende beschäftigt, erhebt mittels eigener Drohnen präzise Daten über die unteren Luftschichten und veredelt die gewonnen Daten, um sie in Form genauerer Wettervorhersagen anzubieten. Davon profitieren Kunden, vom Energiehandel über Versicherungen bis zur Autoindustrie. Sicherheit bis ins hohe Alter verspricht ein Hightech-Gerät, entwickelt von der Caru. Das ETH-Spin-off ist in 18 Monaten von zwei auf 25 Mitarbeitende gewachsen und hat laut Co-Chefin Susanne Dröscher bewusst junge Leute mit Potenzial eingestellt, um dieses mit Expertenwissen zu kombinieren. (msi.)

In der Reihe vieler Präsentationen setzte Zigarettenfabrikant Roger Koch einen Akzent. Experten hätten ihm abgeraten, in dieses Gewerbe einzusteigen, das mit hohen Tabaksteuern belastet sei und sich auf sinkende Raucherzahlen einstellen müsse. Doch seinen Traum habe er sich nicht aussuchen können.

Unternehmerisches Tun: Risiko und Freiheit

Die ab 2016 in Steinach aufgebaute Zigarettenproduktion erregte ein Jahr später mit der Lancierung einer Hanfzigarette weltweites Aufsehen. Inzwischen hat das Unternehmen Koch & Gsell begonnen, Exportmärkte zu erschliessen. Statt Anwälte zu entsenden und teuer zu bezahlen, «gehen Sie besser selber hin», schilderte Koch die Herangehensweise.

Aktuell stehe das Unternehmen allerdings vor der Hürde, die Hanfzigaretten legal nach Luxemburg liefern zu können. Inzwischen häuften sich die Nachrichten über positive gesundheitliche Wirkungen des Produkts, berichtete Koch. Doch profitabel sei das Unternehmen noch nicht, und die Herausforderungen im Vertrieb blieben nach wie vor gross. Ein möglicher Börsengang in Kanada könnte hier Abhilfe schaffen.

Roger Koch, Mitgründer von Koch & Gsell. (Bild: Ralph Ribi, Mai 2018)

Roger Koch, Mitgründer von Koch & Gsell. (Bild: Ralph Ribi, Mai 2018)

Risikobereitschaft schwindet

Der Zigarettenfabrikant warf auch einen Blick über sein unternehmerisches Wirken hinaus. Er mache sich Sorgen über den herrschenden Gesundheitstrend in der Schweiz. Dieser gehe auf Kosten der Risikobereitschaft, und das trockne über kurz oder lang das Biotop des unternehmerischen Tuns, des Risikos und der Freiheit aus. Dieser Trend führe letztlich zu einer Gesundheitsillusion, die nicht mehr abzuwägen vermöge zwischen Sicherheit und Gefahren. Es sei doch kein echtes Leben mehr, befand Koch, wenn sich unsere Gesellschaft in einen Zoo verwandle.