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Klumpenrisiko für Tessiner Banken

Das Forschungsinstitut BAK Basel hat den Finanzplatz Tessin geröntgt und schlägt eine stärkere Diversifikation vor. Die Vermögensverwaltung für italienische Kunden stellt ein Klumpenrisiko dar.
Gerhard Lob

LUGANO. Die Lage ist schwierig, aber trotz Finanzkrise und mehrerer italienischer Amnestie- und Rückführungsprogramme hat sich der Finanzplatz Tessin relativ gut behaupten können. Zu diesem Schluss kommt eine vom Kanton Tessin in Auftrag gegebene Studie der BAK Basel zu «Herausforderungen und Chancen des Finanzplatzes Tessin», die im Bankenzentrum in Lugano-Vezia präsentiert wurde. «In bezug auf die Arbeitsplätze ist die Situation im Finanzsektor in den letzten 20 Jahren erstaunlich stabil geblieben», sagt BAK-Chef Marc Bros de Puechredon. Im Jahr 1994 waren 10 900 Personen in diesem Sektor beschäftigt, 2004 waren es 10 700. Deutlich verändert hat sich allerdings die Zusammensetzung. Die Zahl der Bankangestellten ging um 2000 auf 6800 zurück, hingegen hat sich die Zahl der Mitarbeitenden in finanzaffinen Sparten stark erhöht. Ein gutes Beispiel für diese Verlagerung ist das Unternehmen B-Source in Bioggio, dem viele Banken mit einem Outsourcing ihre IT anvertraut haben. Dort arbeiten gut 600 Personen.

Osteuropa ins Visier nehmen

Lugano ist nach Zürich und Genf der drittgrösste Bankenplatz der Schweiz, als Finanzplatz steht er nach den genannten Städten und Basel an vierter Stelle. Die Wichtigkeit der Finanzbranche im Tessin zeigt sich im Verhältnis von Bruttoinlandprodukt (BIP) und Anzahl Beschäftigter. Die Finanzbranche beschäftigt im Südkanton gerade mal 6% aller Angestellten, generiert aber 9% des kantonalen BIP. In der Tessiner Finanzbranche arbeiten 53% (Schweiz: 47%) der Beschäftigten für Banken und dabei wiederum in der Vermögensverwaltung. Geringer fällt die Versicherungsbranche ins Gewicht (Tessin: 19%, Schweiz: 30%), während der Rohstoffhandel umgekehrt für das Tessin eine grössere Bedeutung hat als im landesweiten Mittel. – Die Vermögensverwaltung wird ein wichtiger Bestandteil des Tessiner Bankenplatzes bleiben. «Aber man hat sich wohl zu sehr auf den italienischen Markt konzentriert», sagt Marc Bros de Puechredon. Das habe verständlicherweise historische Gründe, doch die Situation habe sich stark verändert. Er fordert, zu diversifizieren und beispielsweise auch Osteuropa stärker ins Visier zu nehmen. Zudem brauche es Produktinnovationen; die Digitalisierung des Bankwesens eröffne neue Wege.

Schwarzgeld ist passé

Mit der Verwaltung italienischer Schwarzgelder ist es wegen des Endes des Bankgeheimnisses vorbei. Laut BAK wurden als Folge der vier italienischen Steueramnestien zwischen 2001 und 2015 gut 185 Mio. Fr. italienischen Schwarzgelds auf Schweizer Banken deklariert. «Dabei ist positiv, dass wir rund 80 Prozent dieser Gelder behalten konnten, was ein Vertrauensbeweis ist», sagt Claudio Generali, Präsident der Tessiner Bankiervereinigung.

Interessant ist, dass die Vermögensverwaltung für Reiche und Superreiche zugenommen hat. Zwischen 2003 und 2012 gab es einen Zuwachs von 10% bei Kunden mit einer Liquidität von jeweils mindestens 5 Mio. Franken. Vermutlich stehen dahinter vor allem superreiche Italiener, die ins Tessin übersiedelt sind.

Umgekehrt ist das Tessin offensichtlich für das internationale Management wenig interessant – trotz eines angenehmen Klimas im Tessin. Für ausländische Banker, besonders aus Asien, ist Lugano kein besonders attraktiver Ort. Wer die Wahl hat, geht lieber nach London, New York, Singapur oder auch Zürich und Genf. Es fehlt an Betreuungsmöglichkeiten und Schulen, die für Kinder aus Managerfamilien geeignet sind. Negativ wird auch bemerkt, dass Lugano nicht gut an den internationalen Flugverkehr angebunden ist.

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