Klimaschutz
Uzwiler Bühler Group sagt fossilen Brennstoffen Adieu und spannt mit belgischem Partner zusammen

Lebensmittelfabriken sollen künftig bis zu 100 Prozent klimaneutral betrieben werden können. Dazu gehen die Bühler Group und Vyncke eine strategische Partnerschaft ein.

Stefan Borkert
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Peter Vyncke, Inhaber von Vyncke N.V. (links), und Johannes Wick, Chef von Bühler Grain & Food.

Peter Vyncke, Inhaber von Vyncke N.V. (links), und Johannes Wick, Chef von Bühler Grain & Food.

PD

Fossile Brennstoffe können mit neuen Verfahren in der Lebensmittelproduktion 20 bis 100 Prozent reduziert werden. Wie das belgische Unternehmen Vyncke und die Uzwiler Bühler Group in einem gemeinsamen Communiqué mitteilen, sollen Biomasse-Nebenströme in saubere Prozessenergie umgewandelt werden, während gleichzeitig der Kohlendioxidfussabdruck der Kunden reduziert werde. Sowohl Vyncke als auch Bühler haben sich zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch in allen neuen Lebensmittelanlagen bis 2025 um mindestens 50 Prozent zu senken. Der erste Schwerpunkt der Partnerschaft liegt demnach auf den Segmenten Kakao-, Hafer- und Malzverarbeitung.

Johannes Wick, CEO von Bühler Grains & Food.

Johannes Wick, CEO von Bühler Grains & Food.

PD
«Diese Partnerschaft ist ein Schlüsselelement in unserer Strategie, CO2 in den Wertschöpfungsketten unserer Kunden massiv zu reduzieren.»

Das sagt Johannes Wick, CEO von Bühler Grains & Food. Viele Industrien würden auf Bühler-Lösungen setzen, um ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Mit Bühler wolle man jetzt auch zum Standard werden, um den CO2-Fussabdruck der Lebensmittelindustrie zu verringern, erklärt Peter Vyncke, Inhaber von Vyncke. Gemeinsam könnten Bühler und Vyncke integrierte und optimierte Lösungen anbieten, bei denen ökonomische und ökologische Vorteile Hand in Hand gehen.

Nebenprodukte für Energie nutzen

Biomassenebenprodukte fallen bei fast allen Lebensmittelprozessen an. Typische Beispiele sind die Verarbeitung von Getreide, Reis, Mais und Kakao. Heute werden Nebenprodukte oft entweder als Futtermittel verwendet oder entsorgt. Im Communiqué heisst es, dass aus Biomassenebenprodukten Lebensmittelhersteller auch klimaneutrale Energie gewinnen könnten. Im Gegensatz zur Verbrennung fossiler Brennstoffe halte die Nutzung von Biomasseenergie die Treibhausgasemissionen in Grenzen, da nur der Anteil freigesetzt wird, den die Pflanzen zuvor während ihres Wachstums aus der Atmosphäre entnommen haben. Dieser Anteil sei geringer als der Ausstoss beim Transport der Nebenstromprodukte an einen Ort, an dem sie als Futtermittel verwendet oder entsorgt würden. So entstehe ein CO2-neutraler Kreislauf.

Mit neuen Anlagen, digitalen Dienstleistungen und Retrofit-Angeboten hat Bühler bereits grosse Fortschritte bei der Energieeffizienzsteigerung seiner Lösungen gemacht. Johannes Wick:

«Indem wir die Energierückgewinnungsprozesse von Vyncke in unser Portfolio aufnehmen, können wir unseren Kunden kohlendioxidarme oder sogar kohlendioxidfreie Lebensmittellösungen anbieten.»

Der belgische Technologielieferant Vyncke ist spezialisiert auf die Energiegewinnung aus einer Vielzahl von Biomassenebenprodukten. Dazu gehören auch industrielle oder kommunale Abfälle. Die Palette der für die Energieerzeugung verfügbaren biomassebasierten Brennstoffe ist breit gefächert. Sie reicht von Rückständen aus der Landwirtschaft oder der Holzverarbeitung über Schlämme aus industriellen Prozessen bis hin zu recyceltem Holz und speziell angebauten Energiepflanzen. Vyncke entwirft und baut grüne Energiesysteme, die Biomasse und Abfälle verbrennen, um thermische Prozessenergie von ein bis 100 Megawattstunden (Mwh) und elektrische Energie von 0,5 bis 15 Megawatt (Mwe) zu erzeugen.

Blick in den Innovationscampus Cubic von Bühler in Uzwil.

Blick in den Innovationscampus Cubic von Bühler in Uzwil.

Urs Bucher

Mit ihrer Kooperation wollen die Bühler Group und Vyncke eine nachhaltigere Lebensmittelproduktion entwickeln. Man strebt ganzheitliche Prozessketten an, in denen die Energierückgewinnung integriert ist, sodass externer Energieverbrauch und Energiekosten reduziert werden können. Das trage nicht nur zu mehr Nachhaltigkeit bei, sondern eröffne den Lebensmittelherstellern auch Wettbewerbsvorteile durch mehr Energieeffizienz, heisst es in der Mitteilung. Vyncke:

«Das Schöne an unseren Lösungen ist, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Kriterien Hand in Hand gehen. Schon heute ermöglichen wir unseren Kundinnen, die Emissionen um 2,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich zu reduzieren.»

Durch die Partnerschaft mit Bühler könne man diese Lösungen in einem integrierten Ansatz weiter verbessern und skalieren, um eine noch viel grössere positive Wirkung zu erzielen. Ein gemeinsames Projekt werde die Erweiterung einer Malzproduktionsanlage, die Malteria Oriental S.A. im uruguayischen Montevideo sein. Diese gehöre zur Grupo Petrópolis, einem der grössten Bierproduzenten Brasiliens. Dessen Braugeschäft benötige mehr Malz, da der Bierkonsum in Südamerika in den letzten Jahren stetig gewachsen sei.

In Mälzereien ist der thermische Energieverbrauch zum Malztrocknen enorm hoch. Im Rahmen dieses Projekts ist Vyncke für die Rückgewinnung von Wärmeenergie aus Biomasse verantwortlich, die bei der Malzproduktion als Nebenprodukt anfällt. Vyncke hat ein Konzept entwickelt, mit dem die Grösse des Energiesystems um 30 Prozent reduziert werden kann. Das führt zu Einsparungen bei der Gesamtinvestition sowie bei den Betriebskosten. Vyncke werde einen schlüsselfertigen 20-Megawatt-Heisswasserboiler mit zwei Verbrennungssystemen bauen, der interne Gerstenspelzen und Pflanzenabfälle verbrenne, ergänzt durch extern zugelieferte Holzspäne. Dadurch würden 35'000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr im Vergleich zu den üblichen Betriebsverfahren in Uruguay eingespart.